Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Platt
 

Sau ändert iärk de Tieen

Schwalwen Affscheud

Uese Bullerduik

Ohne Tante Dora

Iut’m Suerlanne

De Pottkremer

De nigge Strom

De Sänger von Rodlingsen

Duorpkind Gedicht

Summer

Bettgen

Moren vä ve Roggen mäggen

Hahnen-Balz

Dai Wiärhhahne

Hoame, loaw Hoame

Wille Raisen Lied

Iek

Ut d’r Schaultid

Poskevatter Lehmann

Hilligentracht Fellerprozession

Trillertanz in Attendorn

Kattfiller

Ohne Tante Dora könne iek dündaag ment haugduitsk küren

von Marilies Hillebrand

All fake häbbe iek dorüöber nodacht, borümme mey dai plattduitske Sproke sauviel Spaas maket. Iek sin niegentain-hundertsievendiärtig in Breylen buarn. Meyne Grautellern wuhnten an der Poorte un hätt gar nit haugduitsk küert; use Moime un use Vaar un auk Onkels un Tanten küeren ungernain plattduitsk, met us Kingern aber haugduitsk. Dai Kingergorensüster Anonis küere un sung auk met us haugduitsk. In der Schaule wurte haugduitsk lehrt un küert, un wann Kinger plattduitsk vertäuten, wur dat verpönt un van usen Lehrsken äs Sproke diär armen Lüe dohiene stallt. Alsau küeren un schriewen vey ment haugduitsk, un dai plattduitske Sproke stong ümmer mehr affseyt un wur van us Kingern üöberhaupt nit mehr spruaken, ment hey un do nau hoort van alleren Lüen un Handwiärkern.

No Kreygsenge, äs dat dör diän grauten Bombenangriep up Breylen testörte Höis, van meynen Grautellern mütterlikerseyts, wieer upbugget wur - iek wur acht Johre alt -, sin iek fake bey iäne wiäst, ümme se ein wenneg van allem Kummer un Suargen aftelenken. Sai harren kuart vor Kreygsenge diän jüngesten Sühn Karl feyftainjöhrig an Dyphterie verluaren, eine Dochter, Kattrin, kam beym Bombenangriep ümmet Liäben, twai Sühne, Willem un August, wuren in russischer Kreygsgefangenskopp, ein Schweygersuhn wur in Rußland fallen, un Dora, dat jüngeste Süster van meyner Moime, dat nau im Ellernhöise wur, hiät auk iären Bruimen, Schaniekels Franz, dör diän Kreyg verluaren. Hai wur auk fallen. Düt allet mochten dai allen Lüe domols verkraften. Sai wuren wähne stille un trurig un fake soh iek se leyse greynen. Tronen quallen iäne öit'n Augen, leepen 'ne üöbert Gesichte un fällen 'ne up' et Tuig un up de Eere. Wann iek dorüöber trurig wur un för se saggte: „Oma, Opa, weint dochnicht", dreggeren se siek verstuahlen rümme, kräigen iär buntet Schnöibedauk öit diär Taschke un wischkeren siek dör de Augen. Dai Truer im Höise häbbe iek äs Kind sieker nit sau muorken, aber sooen un bit dündaag nit vergiäten. För miek wur düse Teyt trotz allem schoin. Üöber Daag gaffte et sau mannige Afwesselunge in Goren un Landwertskopp, und dat ganze Vaihtuig, dat vey bey meynen Ellern nit harren. Meyne Moime wur Näggeske und Vaar gang no diär Arbet. An der Poorte gang iek dann met meyner Tante Dora obends bey Tieen int Berre, denn allaine grüggelere iek. Alsau gang se met mey. Et wur ein laiwes Menske.

Domols wur et 'ne arme Teyt, sau kuart noo 'm Kreyge. Dat Finster in diär Kamer wur met 'me Nesselvüärhang tauehangen. Klappen oder Rolladen gaffte't nit. Sau wur et dann taur Schloopensteyt nau nit dunkel in diär Schloopkamer. Niggelig häbbe iek fake diän Vüärhang anne Seyte schuoben ümme te lunketüren, bat et uaben bey diär Poorte unger diär Strotenlatüchte nau gaffte. Do wur obends doi Schwatte Market. Hey drapen siek Bursken un Besatzungssaldoten un kungeleren. Mannigesmol kam äse ne Blitz ain1 Jeep met Militärpolizei un forrte Streype, denn Schwatthandel wur verboen. Sai harren witte Kappen, witte Gürtel, Schullerriemen un Gasmasken, un wann dai MP updochte, wur op aimol dai Plass äs liechfiäget. Düt allet sollte iek üöberhaupt nit saihen, un dorümme haalte miek Tante Dora ganz fixe in't Berre.

Iek kann miek nau wähne guut erinnern, dat sai mey im Berre diän aisten plattduitsken Ungerricht gafft hiät. Iek höre nau dündaag iär Lachen, wenn iek siekerlik dai plattduitsken Wore total falsk öitspruaken harr, weyl meyn Möile düse Öitsproke gar nit wuhnt wur. Domols hiät sai mey dai Grundloge un diän Spaas an düser schoinen allen Muttersproke gafft. Fake denke iek nau do aan, bo vey mol im Spätsuumer im Goren wuren. Oma un iek wuren am Kasperten iäten, äs iek soh, dat Tante Dora Wuorteln öitgrawen hiät, dai beym Dörbriäken witt öitsooen. Sau witte Milk kam öit diän dörebruokenen Wuorteln. Iek kannte witte Milk ment van Köggen, Schopen un Hitten! Sai saggte för miek: „Kumm, Meeken, wiste mool lecken?" Un dat doo iek fortens. „Pfui Daibel", wat wur dat bitter! Düse Milk wur sau bitter äs Galle. Iek spiggere un spiggere. Dat brannte wähne in meynem Möile. Tante Dörken aber lächere. Oma vertallte mey dann, dat düse Wuorteln taur Herstellunge van Ersatzkaffee bröiket wurten un Zigurgen haiten.

Im Winter hebbe iek Oma mannigesmol hulpen, dai Hülsenfrüchte tau verliäsen, dai tesamen met Haber am „Raumerig" arnet wuren un nöi druige up diäm Balken laggten. Roihfauer: dat wuren klaine Linsen, Wibbelbauhnen un lärften. Klaine Steynekes, Unkröitsamen, Ackerkrümel un wurmstiekige Früchte wurten öitluasen. Diän Aabefall droffte iek dann diän Höihnern bringen. Dai lurten all do up un spackeren siek giegenseytig denne, ümme dat maiste mie te kreygen. Dai Mohltieen, dai öit diän öitluasenen Früchten kuaket wuren, häbbe iek nau lange nit vergiäten. Sülkes Iäten gitt et dündaag nit mehr.

Bo iek Johre liäter no meyner Schaulöitbielunge un Lehre im Beruf stong, wur eigentlik auk ments haugduitsk spruaken. Düt ännere siek för miek, äs iek Sekretärske in diär Vüörstuawe vam Amte Thuilen in Breylen wur. Do kamen fake Lüe öit diän twüälf Dörpern, dai domols dotau hoarten, dai sproken ment platt, auk im Amte. Dat wur Musik in meynen Ohren, un wenn et an meyner Döre kloppere un no meynem „Herein" dai Döre upgäng un me frogere: „Meeken, is Klem nit do?" dann saggte iek fortens: „Wachte, iek well mol fragen, ob döi met iäme spriäken kanns", un meliere diän Besoik, dann aber in Haugduitsk, beym Amtsdirekter aan. Lüe, dai met mey plattduitsk küeren, met diänen häbbe iek auk platt spruaken. Aber süss nit.

Bo iek no einigen Johren verfrigget wur un dann auk Kinger harr, dai aber auk haugduitsk upwassen sind - ment schannt häbbe iek mannigesmol met iäne plattduitsk -, kam aines Dages no diäm Middagesiäten, iek machte gerade dai Küüke wieer raine, meyne taihnjöhrige Dochter Sonja met 'me plattduitsken Bauk taur Dör rin un saggte: „Du, Mama, hör doch mal zu, ob ich das auch kann!" Dann luas se mey ne plattduitske Geschichte vüar, äs wenn se nau niemols haugduitsk spruaken harre. Wat häbbe iek miek do frögget. Van düsem Dage an mögge iek miek wieer ümme düse schoine alle Sproke, un van meynen drai Kingern hiät wennigstens eins akroot sau viel Spaas un Froide do aan äs iek, un fake denke iek dobey aan meyne Kingerteyt un Tante Dora.

Nöi, bo meyne Kinger graut sind, gohe iek suundags fake met meyner ällesten. siewenjohrigen Enkeldochter Jasmin taum Volkswandern in usem schoinen Suerland. Et is doch en absunders schoines Stücksken Eere. Beym Laupen begiegent me Lüen öit vielen Giegenden van Duitskland un den nogen Noberländern Holland un Belgien, dai siek beym Wandern dör dai schoine Natuer in iärer Muttersproke oder Mundart löit wat verteilet. Vey roet dann fake, öit wilker Giegend düse Lüe kumet un küren auk met 'ne. Dai fainen Ungerschaide tüschker diän Sproken un Mundarten hört Jasmin all dündaag röit, un fake säggt se för miek: „Oma, komm, laß uns doch plattdeutsch sprechen. Du willst es mir doch lernen." Wenn vey baiden dann tegange sind, gitt et fake en hiärthaftet Lachen. Dat Meeken verstött allet, bat iek plattduitsk met 'me küre, ment seyn Muileken bröiket sieker nau 'ne Weyle, bit et dai Wore auk sau typisch suerländsk däftig öitspriäken kann. Wann Jasmin mannigesmol bey mey tehaime int Berre gett, klappet dat met diäm Lehren van diär plattduitsken Sproke, äs auk in meynen Kingerjohren met Tante Dora, am besten.

Van diän niegen jüngeren Süsters un Broiers, dai meyne Moime harr, Habet dündaag ment nau Tante Dora, dai mey 'n absunders laiw Menske wur. Sai is twaienachtzig Johre alt, un iek besoike se fake im Altershaime, denn dat ainzige Kind, aine Dochter, dat se nau kriegen harr, äs se late nau frigget harr, is all frauh verstuarben, un dai beiden Enkel sind nau nit graut. Aller un Krankhait lotet et nit mehr tau, dat dai Tante nau allaine liäben konn. Dotau is se nau fast blind.

Dankbar sin iek för dat, bat iek äs Kind met iär erliäbet un lehrt häbbe. Iek kann iär keune Froide mehr maken, äs iäre allen, verquiälten Hänge te hallen un dorüöber te streyken, wann iek se besoike. Ne Ungerhallunge is fast nit mehr müglik. As iek neulik mol wieer bey iär wur, häbbe iek se froget: „Tante Dora, kanns döi denn auk platt küern?" Do saggte se: „Nein".

As aber ain paar Minöiten vergoen wuren, sprok se ment plattduitsk, bit iek wieer haime foihern mochte. Iek wußte, se hiät miek nau verstehen, un dai Froide wur sieker bey us allen baiden.

1  ei wird wie ey gesprochen. Dem hd. ei-Laut entspricht das ai.


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