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JeKits im Sauerland – Das kulturelle Bildungsprogramm
des Landes NRW für Grund- und Förderschulen

Ulrich Papencordt
 

Sauerland Heft 3, 2017


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Die Saxophongruppe des JeKits-Orchesters der Grundschule Ratmerstein in Brilon
Foto: Christina Schütte / Musikschule Hochsauerlandkreis


Die Umsetzung stößt in vielen Städten und Gemeinden der Region auf reges Interesse und bietet im Hochsauerlandkreis gutes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit.

2400 Schülerinnen und Schüler an 37 Grund- und Förderschulen in 20 Städten und Gemeinden der Region Sauerland waren im Schuljahr 2016/2017 in das JeKits-Programm eingebunden. Diese Zahlen werden sich im Schuljahr 2017/2018 weiter erhöhen. Konkrete Angaben lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Der überwiegende Teil dieser Schulen im Sauer­land hat den instrumentalen Schwerpunkt gewählt. Kooperationspartner sind in der Regel die kommunalen Musikschulen.

„JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ startete als landesweites kulturelles Bildungsprogramm für Grund- und Förderschulen erstmals im Schuljahr 2015/2016. Es ersetzt das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi), das anlässlich der Kulturhauptstadt RUHR 2010 im gesamten Ruhrgebiet initiiert wurde. Nach wie vor ist die gemeinnützige „JeKits-Stiftung“ (vormals „Stiftung Jedem Kind ein Instrument“) Trägerin des Programms.

In Kooperation mit außerschulischen Bildungsinstitutionen – dies sind in der Regel Musikschulen oder Tanzschulen – ermöglichen die teilnehmenden Grund- und Förderschulen allen Kindern der Einrichtung kulturelle Bildungsteilhabe durch gemeinsames Musizieren und Tanzen. Mit einer systematisch gepflegten Kooperation von Schule und außerschulischem Partner will „JeKits“ darüber hinaus die kommunale Bildungslandschaft nachhaltig bereichern.

Erhält eine Grund- oder Förderschule nach Durchführung eines Online-Bewerbungsverfahrens und Angabe des gewünschten Schwerpunkts – Instrumente, Tanzen oder Singen – die Zusage zur Aufnahme in das Programm, so ist sie dauerhaft in dieses aufgenommen. Das Land Nordrhein-Westfalen stellt eine jährliche Fördersumme von insgesamt 10,74 Millionen Euro zur Umsetzung von JeKits in NRW bereit.


Die Umsetzung des JeKits-Programms im Hochsauerlandkreis ist
als Beispiel gelungener und effektiver interkommunaler Zusammenarbeit
erwähnenswert.

Ulrich Papencordt

 

Im ersten „JeKits“-Jahr (JeKits 1) erhalten alle Kinder der Jahrgangsstufe eine musikalische bzw. tänzerische Grundbildung im Klassenverband. Die Unterrichtsstunde wird im „Tandem“ durch die Lehrkraft des Kooperationspartners gemeinsam mit der Lehrkraft der Grund- bzw. Förderschule konzipiert und durchgeführt. Dieses erste Jahr kann inhaltlich für sich stehen und dient zugleich der Vorbereitung auf das zweite „JeKits“-Jahr. Der Unterricht findet innerhalb der regulären Schulzeit statt. Die Teilnahme ist verpflichtend und kostenfrei.

Das zweite JeKits-Jahr (JeKits 2) vertieft die Inhalte des ersten Jahres. Die Kinder erhalten hier wöchentlich zwei Stunden Unterricht gemäß des gewählten Schwerpunktes. Hat die Schule „Instrumente“ als Schwerpunkt gewählte, erlernen die Kinder in einer der Stunden das Instrument in einer Kleingruppe. Die zweite Stunde dient dem gemeinsamen Musizieren im „Orchester“ mit allen Instrumentalschülern der Schule. Der Unterricht in JeKits 2 ist freiwillig und entgeltpflichtig. Für den Schwerpunkt „Instrumente“ fallen 23 Euro, für den Schwerpunkt Tanzen 17 Euro und für den Schwerpunkt Singen 12 Euro pro Monat an. Beitragsbefreiungen auf Grund „sozialer Härten“ und Geschwisterermäßigungen werden gewährt. Instrumente werden kostenfrei – auch zum Üben daheim – zur Verfügung gestellt.

Die pädagogische Umsetzung des Programms sieht in den einzelnen Schwerpunkten wie folgt aus:

Schwerpunkt Instrumente

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Die Querflötistinnen des JeKits-Orchesters der Grundschule Ratmerstein in Brilon Foto: Christina Schütte / Musikschule Hochsauerlandkreis


Im ersten JeKits-Jahr entdecken alle Kinder in der Klasse spielerisch die Welt der Musik und der Instrumente. Dabei wird gesungen, getanzt und auf verschiedenen Instrumenten musiziert. So können die Instrumente, die für das zweite JeKits- Jahr zur Auswahl stehen, selbst ausprobiert werden.

Im zweiten JeKits-Jahr musizieren die Kinder von Beginn an gemeinsam im Je- Kits-Orchester. Die Instrumente werden nach und nach in das gemeinsame Musizieren eingebunden. Ergänzt und unterstützt wird das Spiel im JeKits-Orchester durch eine zweite Unterrichtsstunde, in der die Kinder in Kleingruppen Unterricht auf ihrem Instrument erhalten.

Das JeKits-Orchester ist nicht mit einem klassischen Orchester zu vergleichen. Es können je nach Schule ganz unterschiedliche Instrumente mitspielen. Alle Kinder musizieren von Anfang an gemeinsam und können ihre Fortschritte direkt im Orchester ausprobieren. Das „Musiziererlebnis“ mit den anderen Kindern spornt an und steht im Mittelpunkt.

Schwerpunkt Tanzen

Im ersten JeKits-Jahr entdecken alle Kinder in der Klasse spielerisch die Welt der Musik und des Tanzes. Die Kinder werden an tänzerische Grundbewegungen herangeführt und lernen viele unterschiedliche Darstellungs- und Bewegungsformen des zeitgenössischen und kreativen Tanzes kennen. Geeignete Bewegungsaufgaben ermöglichen den Kindern, ihre individuellen Ausdrucksformen zu finden und in der Gruppe zu interagieren. Im zweiten JeKits-Jahr werden im JeKits-Tanzensemble vermehrt tänzerische Fertigkeiten wie Koordination, Balance und Bewegungsfluss trainiert. Eigene Ideen und Erlebnisse der Kinder stehen im Mittelpunkt, werden in tänzerische Formen umgesetzt und zu kleinen Choreografien ausgestaltet.

Schwerpunkt Singen

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Das JeKits-Orchester der Grundschule Ratmerstein nach einem gelungenen Auftritt beim JeKits-Tag in Bochum
Foto: Christina Schütte / Musikschule Hochsauerlandkreis


Im ersten JeKits-Jahr entdecken alle Kinder in der Klasse spielerisch die Welt der Musik und des Singens. Sie erleben durch erste Lieder und Stimmspiele die Vielfalt der eigenen stimmlichen Möglichkeiten und machen erste Erfahrungen im Singen in der Klasse.

Im zweiten JeKits-Jahr lernen die Kinder im JeKits-Chor verschiedene Liedformen wie Refrainlieder und Kanons kennen und begleiten sich mit Gesten und Bewegungen.

Sie entwickeln einen zunehmend differenzierten Umgang mit der Stimme als körpereigenes „Instrument“ und erweitern ihre gesanglichen Fähigkeiten.

Die Stimmbildung nimmt einen wichtigen Teil des Chorsingens ein. Je nach Größe des Chores wird die Chorleitung durch eine weitere Stimmbildungslehrkraft unterstützt.

In NRW kamen nach der zweiten von insgesamt vier Bewerbungsrunden im Schuljahr 2016/2016 rund 60000 Schülerinnen und Schüler an 814 Grund- und Förderschulen aus NRW in den Genuss des Programms. Die Zahlen nach der dritten Bewerbungsrunde zum Schuljahr 2017/2018 lagen wie bereits erwähnt bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Für die hiesige Region ist die Umsetzung des JeKits-Programms im Hochsauerlandkreis als Beispiel gelungener und effektiver interkommunaler Zusammenarbeit erwähnenswert. 26 Schulen aus 11 von 12 Kommunen des Hochsauerlandkreises tragen ab dem Schuljahr 2017/2018 das Profil „JeKits-Schule“. Da der öffentliche Bildungsauftrag „Musikschule“ im Hochsauerlandkreis flächendeckend von der Musikschule Hochsauerlandkreis erfüllt wird, und die einzelnen Kreiskommunen somit keine Musikschulen in eigener Trägerschaft benötigen, übernimmt der Kreis bei der Umsetzung von „JeKits“ durch seine Musikschule neben der pädagogischen Arbeit auch die in der Programmkonzeption geforderten kommunalen Eigenleistungen. Dies sind zunächst vor Ort entstehende Aufwendungen für die Verwaltung des Programms in Form von Entgeltberechnung und Antragswesen. Beim Schwerpunkt „Instrumente“ trägt der Kreis für die Kommunen darüber hinaus den Teil der Anschaffungskosten für die Instrumente, der nicht durch die Stiftung gedeckt ist.

Neben den zentralen Zielen trägt das Programm zudem der besonderen Schul- und Lebenssituation der Kinder und deren Familien im ländlichen Raum Rechnung. Längere Schulwege und Schulzeiten – insbesondere bei Nutzung des Ganztagsangebotes – machen eine individuelle Nutzung außerschulischer Bildungsangebote organisatorisch nur schwerlich möglich. Auch die Tatsache, dass für den Genuss eines solchen Angebotes keine zusätzlichen „Fahrdienste“ organisiert werden müssen, kommt vielen Familien entgegen.

Neben den zentralen Zielen trägt das Programm zudem der besonderen Schul- und Lebenssituation der Kinder und deren Familien im ländlichen Raum Rechnung.


Das Programm trägt der besonderen
Schul- und Lebenssituation der Kinder
und deren Familien im ländlichen Raum Rechnung.

Ulrich Papencordt

 

Ein wichtiges Kriterium der Beurteilung einer „JeKits“-Bewerbung sind ortsnahe Angebote für die Kinder, die nach den zwei JeKits-Jahren ihre erlernten Fähigkeiten weiterhin nutzen oder ausbauen wollen. Neben den bereits eingebundenen Musik- und Tanzschulen ist hier die Laienmusik gefragt. In Absprache mit Musikvereinen oder Chören sind deshalb zielgruppengerechte Allianzen zu entwickeln, damit die interessierten Schülerinnen und Schüler ihr neues, liebgewordenes „Hobby“ weiterhin ausüben können.

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Gemeinsam Musikmachen mit verschiedenen Instrumenten – das macht Spaß
Foto: JeKits-Stiftung

Neben den vielen Vorteilen des Programms für Schülerinnen, Schüler und deren Familien muss allerdings auch erwähnt werden, dass die Umsetzung für die beteiligten Grund-, Förderschulen und Musikschulen eine Vielzahl an Herausforderungen mit sich bringt.

Die allgemeinbildenden Schulen müssen „JeKits“ mit den diversen Unterrichten bei der Stundenplangestaltung in personeller, zeitlicher und räumlicher Hinsicht berücksichtigen.

Die dezentrale Struktur mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Unterrichtsorten führt bei den eingebundenen Musikschullehrkräften im Ablauf eines Unterrichtstages zu zusätzlichen Belastungen in Form von Fahrzeiten und Reisekosten.

Wenn jedoch Schule und Kooperationpartner im ständigen Dialog an der Umsetzung von „JeKits“ arbeiten, wird das Ergebnis für alle Beteiligten gewinnbringend sein. In diesem Zusammenhang hat sich als sehr sinnvoll herausgestellt, dass in den ländlichen Regionen einige Jahre vor der Umwandlung des „JeKi-Ruhrgebiet“ in „JeKits-Landesweit“ unterschiedliche Konzepte getestet werden konnten. Eine Übertragung der ehemaligen Programmvorgaben im Ballungsraum Ruhrgebiet auf die Schulsituation im ländlichen Raum wäre auf Grund der hier herrschenden Rahmenbedingungen nicht realisierbar gewesen. In den ersten Jahren der JeKits-Praxis wurde ebenso schnell deutlich, dass auch weiterhin bezüglich der pädagogischen und formalen Konzeption ein Entwicklungsbedarf besteht. Dies wird an verantwortlicher Stelle wahrgenommen und im Schulterschluss mit allen Beteiligten umgesetzt.

Quellen: Programminformationen und Daten der JeKits-Stiftung/Bochum

Ulrich Papencordt

Zum Autor

Ulrich Papencordt, geboren 1961 in Fröndenberg.

Nach Abitur und Musikschulausbildung in Menden Musikstudium an der damaligen Musikhochschule Rheinland/Institute Wuppertal und Düsseldorf mit Abschluss Musiklehrerdiplom als Instrumentalpädagoge und Allgemeiner Musikerzieher.
Unterrichtstätigkeit an den öffentlichen Musikschulen in Düsseldorf, Hemer und im Hochsauerlandkreis.
Seit 1999 stellvertretender Schulleiter der Musikschule Hochsauerlandkreis.
Seit 2016 Regionalsprecher der Musikschulen in Regierungsbezirk Arnsberg und Mitglied im Vorstand des Landesverbandes der Musikschulen in NRW.


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