Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Ein Jugendtreffen in Waldenburg bei Attendorn
am 15. August 1937


Werner F. Cordes

Sauerland Heft 3, 2017

Blickt man zurück auf die Auseinandersetzung zwischen dem Nationalsozialismus und der katholischen Kirche, so stellt das Jahr 1937 einen gewissen Höhepunkt dar, besonders im Kampf um die Jugend.

Der Umfang der Problematik wird deutlich durch die am 21. März vor 80 Jahren von den Kanzeln verlesene Enzyklika „Mit brennender Sorge“, durch welche Pius XI. wütenden Widerspruch der führenden Nationalsozialisten auslöste.

Ein Hauptstreitpunkt war die Einhaltung der Bestimmungen des im Sommer 1933 ratifizierten Konkordats über die Arbeit der katholischen Verbände im NS-Staat, welche „ab 1934 durch Verbote unterer und mittlerer Verwaltungsinstanzen mehr und mehr einge­schränkt wurde.“1


Wallfahrt 201703


Gemeinschaftliche Betätigung von Jugendlichen sollte nur noch in den Organisationsformen der Staatsjugend, wie „Bund deutscher Mädel (BDM)“ und „Hitlerjugend (HJ)“, möglich sein. Doppelmitgliedschaften waren verboten.

Diese Entwicklung gipfelte im Erzbistum Paderborn in der Auflösung des Jungmännerverbands und aller angeschlossenen Vereine und Gruppierungen am 27. Juli 1937 durch den Leiter der Geheimen Staatspolizei Dortmund.

Augustinus Reineke, zu der Zeit Vikar im sauerländischen Werdohl, schildert das Vorgehen von Gestapobeamten am Morgen des genannten Tages. Deren Auftrag lautete, alles zu beschlagnahmen, was mit der Arbeit des Verbands zu tun hatte. Dazu gehörten Zeitschriften, Banner und Liederbücher, aber auch Mitgliederverzeichnisse und die Kasse.2 Das Arbeitszimmer des Geistlichen wurde durchsucht, für eventuelle Zuwiderhandlungen mit Strafen gedroht.

In einem Hirtenschreiben, das am Sonntag, dem 8. August, „von allen Kanzeln laut und deutlich zu verlesen war“, protestierte der damalige Erzbischof Gaspar Klein öffentlich „gegen die Verfü­gung der Auflösung“ der kirchlichen Vereine und berief sich auf das Reichskonkordat.3

Ein sprechendes Dokument des Spannungsverhältnisses zwischen nationalsozialistischem Staat und katholischer Kirche ist das gedruckte Programm der „Wallfahrtsandacht in Waldenburg am Fest Maria Himmelfahrt 1937“.

Die auffordernden Worte des Priesters auf der ersten Seite des Faltblatts: „Ave Maria, wir bitten in Treue für unsere Familie und unsere Freunde“, deuten mit der Wendung „in Treue“ an, worum es geht. Die vorformulierte Antwort: „Halte deine schützende Hand über sie, führe sie durch die Not und die Wirrnis des Lebens“, macht deutlich, dass man sich in einer verwirrenden Auseinandersetzung befindet.

Es ist davon auszugehen, dass der Text im Postkartenformat bereits vor dem Datum der Auflösung des Jungmännerverbandes, dem 27. Juli, gedruckt vorlag und bekannt war. Die zahlreichen Schwärzungen der zweiten und dritten Seite deuten auf einen späteren Eingriff von außen in den Ablauf der Wallfahrtsandacht.

So wurden der Name und die näheren Angaben zur Person des ursprünglich vorgesehenen Redners überdruckt, und an die Stelle der Formulierung „spricht zu uns“ trat der Begriff „Predigt”. Die unkenntlich gemachten Personalien lauten: „Prior Pater Marianus Vetter O.P. (Domprediger von Berlin).“

Der Dominikanerpater Vetter musste offensichtlich von seiner Aufgabe zurücktreten. Er geriet mehrfach in Konflikt mit der Gestapo, so 1936 und 1937 in Würzburg. 1939 erhielt er ein befris­tetes Redeverbot. Weitere Verfolgungen durch die Gestapo in den Jahren 1942 und 1943 führten zu einer „Verwarnung“, ver­bunden mit einem „Reichsredeverbot und Einzug von 3000 RM Sicherungsgeld“ durch das RSHA (Reichssicherheitshauptamt).4

Für die Wallfahrtsandacht am 15.8.1937 konnte stellvertretend der Maristenpater Joseph Bösch gewonnen werden. Er war Ordensgeistlicher in Meppen und als ehemaliger Divisionspfarrer zunächst wohl weniger angreifbar. Bei der Beschlagnahme seines Klosters durch die Gestapo am 15.5.1941 erhielt er ein Aufenthaltsverbot für den Umkreis von 100 km.5

Wallfahrt 201702


Über die Personalien hinaus musste die Textvorlage wegen der am 27. Juli erfolgten zwangsweisen Auflösung des Jungmännerverbandes dahingehend verändert werden, dass die Jungen nicht mehr als Gruppe auftreten durften, sondern nur noch unter „Alle“.

Ohne direkten Bezug zu dem behandelten Vorgang seien hier noch einige Daten zu den verantwortlichen Attendorner Geistlichen angefügt.

Wallfahrt 201701

Vikar und Jugendpräses war zur gegebenen Zeit Peter Hoberg. In „Priester unter Hitlers Terror” ist festgehalten: „1941/42 Verhöre, Verwarnungen und Haussuchungen durch die Gestapo“ im Zusammenhang mit einer „Aktion gegen die katholische Jugend des Sauerlandes“. „Freiwillige Versetzung (nach Magdeburg) wegen ständiger Reibereien mit der örtlichen HJ und Gestapo.“ 6

Für den zuständigen Pfarrer Richard Schwunk sind a.a.O. „Sechs Verhöre, eine Haussuchung sowie zwei kurzfristige Festnahmen“ durch die Gestapo vermerkt. 1942 „aus Westfalen, dem Rheinland und der Erzdiözese Paderborn ausgewiesen“, ging er unter ständiger Beobachtung der Gestapo in die Diözese Würzburg. 7

Der Besuch der „Wallfahrtsandacht“, die zugleich ein großes Jugendtreffen war, muss überwältigend gewesen sein. Der Teilnehmer +Toni Teipel aus Attendorn nannte dem Verfasser eine Zahl von mehr als 1000 Jugendlichen, welche sich in dem stillen Waldtal bei Attendorn versammelt hatten.8

Das erhaltene Faltblatt darf als aufschlussreiches Dokument zur katholischen Jugendarbeit in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelten und mag zu weiteren Forschungen über die angesprochenen Zusammenhänge anregen.


Anmerkungen

1 Papst Pius XI., Mit brennender Sorge, Einführung von Ulrich Wagener, Paderborn 1987, S. 11.

2 Augustinus Reineke, Jugend zwischen Kreuz und Hakenkreuz, 2. Auflage Paderborn 1987, S. 97.

3 Augustinus Reineke (wie Anm. 2), S. 262f.

4 Ulrich von Hehl u. a. in Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte - Priester unter Hitlers Terror / Eine biographische und statistische Erhebung, 3. Auflage Paderborn, München, Wien, Zürich 1996, Bd. I, S. 466.

5 Ulrich von Hehl u . a . (wie Anm. 4), Bd. II, S. 1119.

6 Ulrich von Hehl u . a . (wie Anm. 4), Bd. II, S. 1172.

7 Ulrich von Hehl u . a . (wie Anm. 4), Bd II, S. 1220.

8 Vgl. dazu Werner F. Cordes, Treueversprechen katholischer Jugendlicher des Dekanates Attendorn aus den Jahren 1940 und 1941, in: Sauerland, Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes, Arnsberg 1997, Heft 3, S. 103f.


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