Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Max Reger und das Sauerland
Werner F. Cordes

Ein fast ganzseitiger Artikel in der „Westfalenpost“ vom 10. Februar 2016 berichtet aus Anlass des 100. Todestages von Max Reger (1873 - 1916) über dessen Beziehungen zu Südwestfalen, wobei die Städte Hagen, Siegen und Arnsberg im Mittelpunkt stehen.

Reger01

 M. Reger am Flügel, bearb. Foto E. Hoenisch Leipzig 1910

Über das von der Autorin Monika Willer genannte Städtedreieck hinaus hat es intensive Beziehungen Regers zu Persönlichkeiten des Musiklebens aus dem Sauerland gegeben.
Reger, der vor allem Komponist, aber auch Klaviervirtuose und Dirigent war, „gilt als der größte Orgelmusikkomponist nach Johann Sebastian Bach“ und als solcher von großem Einfluss auf die Entwicklung der katholischen und protestantischen Kirchenmusik am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Einen Einblick in das damalige Musikleben gewährt ein Konzert in Balve, wo die ab 1910 erweiterte St.-Blasius-Pfarrkirche im Jahre 1912 eine neue, dreimanualige Orgel mit 36 Registern aus der Orgelbauanstalt Feith in Paderborn erhalten hatte. Das Instrument wurde am 2. Juni, dem Tag der Weihe, mit einem umfangreichen, von Theodor Pröpper überlieferten Programm aus 14 Kompositionen, die in drei Gruppen gegliedert waren, vorgestellt. Die erste umfasste barocke Werke von J. Pachelbel, D. Buxtehude, J.S. Bach, G. F. Händel und J.L. Krebs. Die zweite war der Orgelmusik von F. Mendelssohn über R. Schumann, F. Liszt und J. Brahms bis J. Rheinberger gewidmet. Die dritte und letzte zeigte deutlich eine Hinwendung zur Moderne mit den Namen der damals noch lebenden S. Karg-Elert, M. Reger, J. Renner und M. Springer.
Regers Romanze opus 80 im Balver Konzert war in Paderborn bereits am 23. Juni 1910 durch den Organisten Hilges vorgetragen worden. Diese Abendveranstaltung im Orgelbausaale der Orgelbauanstalt Anton Feith setzte mit Werken von Bach, Mendelssohn, Rheinberger und Reger ähnliche Akzente wie das Balver Programm.
Die neue Orgel in Balve spielte Johannes Cordes, der auch die Reger-Konzerte am 24. Juli 1912 und am 10. Juni 1913 im Rahmen der Paderborner Kirchenmusikschule mit plante.
Zum engeren Kreis der Träger, Lehrer und Förderer dieser Einrichtung gehörten außer dem aus Altenhundem (Lennestadt) stammenden Gründer J. Cordes (1873 - 1926) zwei weitere Sauerländer. Über den in Lüdenscheid geborenen Professor und Domchordirektor Gustav Schauerte: (1876 - 1945), der vor allem das Chorwesen vertrat, schreibt Johannes Hatzfeld in einem Nachruf: „Mit seinem Chore blieb er jung und sein Chor mit ihm. Dafür legt nicht zuletzt Zeugnis ab der Umstand, daß er, der sich allzeit den Jungen und Vorstürmenden unter den schöpferischen Kirchenmusikern zu innerst verwandt fühlte, bis zum letzten Taktschlage für ihre Werke eingetreten ist, aller Widerstände ungeachtet, die er dabei erfahren mußte.“
Der dritte im Bunde, Johannes Hatzfeld (1882 - 1953) aus Benolpe bei Kirchhundem, war mit Leib und Seele Musiker, aber auch ein Mann des Wortes, „Wegbereiter kirchenmusikalischer Erneuerung“. Von der Universität München erhielt er bereits 1931 die Würde eines Ehrendoktors, und die Stadt Paderborn verlieh ihm 1952 das Ehrenbürgerrecht.
Die drei Sauerländer waren in ihrem jeweiligen Einflussbereich Vermittler der auf J. S. Bach aufbauenden Musik Regers.
Beispielhaft sichtbar wird ihr Wirken im Zusammenhang mit dem Reger-Abend am 10. Juni 1913 in Paderborn, „der von der Kirchenmusikschule unter Mitwirkung des Domchores veranstaltet wurde“.

Reger02

Vortragsabend d. Kirchenmusikschule 23.06.1910

Die Auswahl des Programms lag wie 1912 bei Reger und J. Cordes. Unmittelbar beteiligt war als Domchordirektor G. Schauerte. J. Hatzfeld sorgte mit einer seiner originellen Rezensionen über das Konzert hinaus für öffentliche Wirksamkeit. Zitiert sei daraus der Satz: „Wie wir vernehmen, hat sich Generalmusikdirektor Reger über die Leistungen unseres Domchores in schmeichelhafter Weise ausgesprochen.“
Die Bedeutung Regers im Musikleben der Stadt Paderborn spiegelt sich auch in der ehemaligen „Öffentliche(n) Musikbücherei“, als deren Leiter ein Stadtführer von 1935 Prof. G. Schauerte nennt. Zu dieser gehören die ursprünglich für die Kirchenmusikschule gesammelten klassischen und späteren Werke, welche sich dank des Einsatzes von Schauerte in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek (EAB) für das Bistum erhalten haben.
Theo Hamacher erwähnt in einem Aufsatz über „Die Paderborner Musikbücherei“ besonders die umfangreichen Notenbestände zu Max Reger, unter denen sich auch die „Variationen und Fuge über ein Thema von Beethoven“ befinden, eine bekannte Komposition für zwei Klaviere zu vier Händen, welche Reger zusammen mit seinem Schüler Paul Aron 1912 in Paderborn gespielt hat.
Das abgebildete Porträt Max Regers am Flügel aus dem Jahre 1910 wurde der Sammlung „Blätter und Blüten – 12 Klavierstücke“ in der EAB entnommen.
Die genannten Paderborner Musiker aus dem Sauerland sind, jeder auf seine Art, engagiert publizistisch tätig gewesen, deshalb sei eine charakteristische Auswahl ihrer Werke hier genannt.
Am bekanntesten ist das „Tandaradei – Ein Buch deutscher Lieder mit ihren Weisen aus acht Jahrhunderten – Bearbeitet und herausgegeben von Johannes Hatzfeld“. Von den verschiedenen Ausgaben dieses Liederbuches wurden etwa 200 000 Exemplare gedruckt, und es wurde zu einer Art Hausbuch in Westfalen.
Im Vorwort bedankt sich der Herausgeber bei den Helfern, die zum Werk beigetragen haben. Der Satz: „Kräftige Unterstützung liehen die Herren Domvikare Cordes und Schauerte“, weist auf die Beziehungen zur Kirchenmusikschule hin. – J. Hatzfeld gestaltete 1945 den Totenzettel für Schauerte und übernahm dazu den Christusholzschnitt von Augustinus Heumann aus der Illustration zum Tandaradei. – Gustav Schauerte wurde über Paderborn hinaus bekannt durch die Choralsammlungen „Hymnar“ (für Männerchor) und „Cantual“ (für gemischten Chor).
J. Cordes bearbeitete das Orgelbuch zum „Sursum corda“, welches von 1904 bis 1950 in allen Kirchen des Bistums Paderborn in Gebrauch war.
M. Reger fühlte sich offensichtlich durch diese Freunde seiner Musik verstanden und schenkte ihnen 1913 ein Porträtfoto aus dem Atelier von Theo Schafgans in Bonn mit der Widmung: „Der Kirchenmusikschule zu Paderborn zur freundlichen Erinnerung an Dr. Max Reger.

Fotoarbeiten Reiner Potyka, Kierspe
 


SHB Logo-1   Vorstand    Geschichte    Schwerpunkte   Termine    Zeitschrift Aktuell    Zeitschrift Archiv    News    Fotos    Kontakt    Links  Gästebuch