Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Die Mehlschwalbe, Portrait einer gefiederten Nachbarin


Einst reine Felsbrüterin hat es sich für die Mehlschwalbe gelohnt, dem Menschen in dessen Siedlungen zu folgen. Heute gehört sie zu dessen gefiederten Nachbarn. Im Gegensatz zur Rauchschwalbe brütet die Mehlschwalbe in der Regel nicht in Deelen und Ställen, sondern an Gebäudeaußenwänden unmittelbar unter dem Dachvorsprung.
Da es in Stadt und Land Häuser in Hülle und Fülle gibt, dürfte es an potentiellen Brutplätzen keinen Mangel geben. Was fehlt, ist geeignetes Baumaterial für die halbkugeligen Nester. Pfützen und schlammige Teichufer werden immer seltener und damit jener feuchte Lehm und Ton, die den Brutstätten die nötige Festigkeit geben, die gerade bei der Erschütterung durch den Straßenverkehr unerlässlich ist. Ein zweiter Risikofaktor für Mehlschwalben-Ansiedlungen an Hauswänden sind jene „Saubermänner“, die an dem von den Nestern herabfallenden Material Anstoß nehmen und diese erst gar nicht zulassen oder sie – allen gesetzlichen Bestimmungen zum Trotz – bedenkenlos entfernen. Dabei hätten sie – gut 50 Zentimeter unter den Nestern – ohne besonderen Aufwand Kotbrettchen anbringen und sich mit ihren Untermietern über deren Bruterfolg freuen können. Schließlich ist das Nahrungsangebot für Schwalben immer knapper geworden, seit man mit Bioziden möglichst überall den Fluginsekten den Garaus macht.
Dennoch sind Mehlschwalben noch fast überall im südwestfälischen Bergland – meist in kleinen Kolonien – vertreten. In den Dörfern in der Nachbarschaft von Talsperren nutzen sie gern den Uferschlamm zum Nestbau. Und zum Glück treffen sie vielerorts auch auf Menschen, die sich über ihre Rückkehr aus dem afrikanischen Winterasyl südlich der Sahara freuen und ihnen Nachbarschaftshilfe anbieten.

Schwalbe 01

Rauchschwalbe

Schwalbe 02



Mehlschwalbe

Schwalbe 03


Junge Mehlschwalben im Nest

Im Fluge sind die Mehlschwalben an ihrem leuchtend weißen Bürzel, der weithin sichtbar ist, leicht von den Rauchschwalben zu unterscheiden. Das blauschwarze Gefieder der Oberseite setzt sich deutlich von der weißen Unterseite ab. Die Färbung des Gefieders stand beim Namen der „Mehlschwalbe“ Pate. Ihre Neigung zur Geselligkeit ist unübersehbar. Oft jagen sie nach der Heimkehr in Scharen über Gewässern den ersten Insekten nach. Auch zur Brutzeit bevorzugen sie die größeren Kolonien, in denen manchmal 20 bis 30 Nester dicht benachbart sind. Soviele Nester gibt es an der Möhnesee-Klinik noch nicht. Aber auch die kleinere Kolonie hat schon vielen Menschen Freude bereitet, die sich gerne durch den Patientenbrief über die gefiederten Nachbarn informieren lassen.
Fotos:
Richard Götte
Hinterm Schönschede 40
59929 Brilon


Schwalbe 04

Sehr geehrte Patientinnen und Patienten, sehr geehrte Gäste,
vielleicht haben Sie es bemerkt: Von Ende April bis Anfang Oktober werden Sie in der Klinik Möhnesee von „Glücksbringern“ ganz besonderer Art begrüßt.
Es sind unsere Mehlschwalben, die alljährlich nach ihrer Rückkehr aus dem afrikanischen Winterquartier auf der Nordseite unseres Gebäudes unter dem Dachvorsprung ihren Brutplatz beziehen.
Weil es in Städten und Dörfern kaum noch Schlamm und Pfützen gibt, finden die Schwalben vielerorts keinen Mörtel als Baumaterial. Darum wurden ihnen bei uns zunächst vier Kunstnester angeboten. Doch hier am Möhnesee können sie offensichtlich noch Nester selbst bauen.
Im Laufe des Sommers legen die Mehlschwalben in der Regel zweimal fünf Eier. Wenn ein Pärchen Glück hat, zieht es etliche Junge groß. Doch das ist leider nur selten der Fall. Der Einsatz von Insektiziden nimmt ihnen die Nahrung, das überzogene Sauberkeitsstreben vieler Hausbesitzer den Brutplatz. Ungünstiges Sommerwetter kann sich zusätzlich erschwerend auswirken.
Die Folge ist: Die beiden heimischen Schwalbenarten – die Mehl- und die Rauchschwalbe – werden immer seltener und sind vielerorts bereits völlig verschwunden.
Unsere Verantwortung für die Schöpfung gebietet es, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Nicht zuletzt um es künftigen Generationen zu ersparen, Schwalben nur noch ausgestopft im Museum betrachten zu können, ist Handeln geboten!
Die Leitung der Klinik Möhnesee gewährt - zumindest an einem Teil des Gebäudes – der besonders geschützten Vogelart Heimatrecht und hofft, dass möglichst viele Patienten und Gäste die zierlichen Vögel beim Nestbau und bei der Aufzucht der Jungen beobachten und ihre Freude daran haben.
Allerdings: Überall, wo man dem Leben Raum gibt, bleibt das Umfeld nicht unangetastet. Etwas Schmutz an der Hauswand in Kauf zu nehmen, sollte Ihnen das Naturerlebnis wert sein. Zumindest bitten wir Sie um eine solche Werthaltung und um Ihre Großzügigkeit.


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