Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

LEADER konkret – Wie können die Menschen vor Ort dieses EU-Förderprogramm nutzen?

Stefan Pletziger

Zwei Praxisbeispiele

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Stefan Pletziger.Foto: Privat

In Heft 4/2015 dieser Zeitschrift hat Heinrich Nolte auf den Seiten 184 und 185 einen Gesamtüberblick über das EU-Förderprogramm „LEADER“ gegeben. Grundsätzliche Dinge sollen daher an dieser Stelle nicht wiederholt werden.
Vielmehr soll es im Folgenden darum gehen, zwei Projekte, die in der letzten Förderphase mit LEADER-Mitteln gefördert worden sind, zu veranschaulichen und somit Gedankenanstöße zu geben, die vielleicht von anderen Dorfgemeinschaften aufgegriffen werden können. Außerdem soll ein Ausblick auf die aktuell angelaufene Förderphase gegeben werden. Vor wenigen Wochen ist die Richtlinie erschienen, die für uns und zukünftige Projektträger von großer Wichtigkeit ist.
 

Die Ehrenamtskneipen in Kückelheim und Westernbödefeld
Überregional bekannt geworden ist in den letzten Jahren das Konzept der „Ehrenamtskneipen“. In der Förderphase 2007-2013 wurden zwei Ehrenamtskneipen durch LEADER mitfinanziert. In Eslohe-Kückelheim das „KüBEL“ sowie in Schmallenberg-Westernbödefeld das „Kräggennest“. Beide LEADER-Projekte sind absolute Erfolgsprojekte. Warum nur?
Auf der Ebene der Ortschaften hat LEADER in den vergangen Jahren viele Dorfgemeinschaften dazu animiert sich zu formieren und sich mit der Zukunft ihres Dorfes, vor allem vor der Hintergrund der demographischen Entwicklung, auseinanderzusetzen. So zeigt z. B. das „KüBEL“ in Eslohe-Kückelheim, wozu Dorfgemeinschaften in der Lage sind. Das KüBEL ist eine Ehrenamtskneipe, die von Menschen aus Kückelheim unentgeltlich geführt wird. Nach Schließung der letzten Dorfkneipe gab es seit einigen Jahren für die Kückelheimer keine Gelegenheit mehr, sich öffentlich zu treffen. Durch den Umbau eines Teiles ihrer Schützenhalle hat sich die Dorfgemeinschaft ein neues soziales Zentrum geschaffen, das eine wichtige Funktion im Dorf erfüllt und Jung und Alt zusammen bringt. Dabei steht ausdrücklich nicht die Funktion als „Kneipe“ im Vordergrund, sondern die eines neuen sozialen Treffpunktes. Im KüBEL, das von donnerstags bis sonntags geöffnet hat, gibt es keinen Verzehrzwang. Gäste können sich Essen in die Ehrenamtskneipe mitbringen oder bestellen. Dass an diesem Ort ganz verschiedene Menschen ins Gespräch kommen und man gesellig zusammensitzt, ist ein erheblicher Zugewinn für das Dorf. Hierdurch wird das soziale Leben in einem Ort erheblich aufgewertet. Ähnliches bemerken wir im „Kumm Rin“ in Bestwig-Ostwig, der vielleicht bekanntesten Ehrenamtskneipe der Region und natürlich der zweiten von LEADER geförderten Ehrenamtskneipe, dem „Kräggennest“ in Westernbödefeld.
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Junge Leute beim Gespräch im KüBEL.
Foto: St. Hubertus Schützenbruderschaft Kückelheim

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Einweihungsfeier und Namenspräsentation im KüBEL.
Foto: St. Hubertus Schützenbruderschaft Kückelheim

Wichtig ist jedoch zu betonen, dass eine Ehrenamtskneipe nur dort Sinn macht und auch gefördert wird, wo keine privaten anderen Gaststätten geschädigt werden oder betroffen sind. In Kückelheim, Westernbödefeld und Ostwig ist das der Fall. In Dörfern wie Eversberg oder Wenholthausen, wo es noch eine rege Gaststättenlandschaft gibt, wäre die Förderung einer Ehrenamtskneipe undenkbar.
 

Erfolgsfaktoren des Projektes
Bleibt die Frage zu stellen: Warum waren diese Projekte so erfolgreich bei der Beantragung von LEADER-Fördergeldern? Das „KüBEL“ und das „Kräggennest“ erfüllten alle Kriterien, die für eine LEADER-Förderung notwendig und wichtig sind. Zuerst mal ist zu erwähnen, dass die Projekte von den Dorfgemeinschaften aus der Taufe gehoben worden sind und auch von Beginn an getragen wurden. Der bei LEADER immer wieder beschworene „bottom-up“-Ansatz ist also Realität. Auch die Kriterien, dass ein Projekt innovativ und regional übergreifend wirken soll, sah der LEADER-Vorstand mehr als erfüllt an.
Potentiale in der Region wecken!
Diese beiden vorgestellten Projekte sind nur zwei von über 140 Initiativen, die in der vergangenen Förderphase in den LEADER-Regionen „Hochsauerland“ und „4 mitten im Sauerland“ umgesetzt worden sind. Sie sollen konkret verdeutlichen, welches Potential unsere Region birgt und welch gute Ideen oftmals in den Dörfern schlummern. LEADER soll dazu beitragen, dass gute Ideen gefördert werden. Dafür stehen uns umfangreiche Fördergelder zur Verfügung. Entwickelt bzw. sinnbildlich geweckt werden müssen diese Ideen aber in den Dörfern selber!
 

Die neue Förderphase – was ist neu?
Seit dem 29. Februar 2016 ist nunmehr die neue LEADER-Förderrichtlinie erschienen. An diesem Dokument müssen sich alle 28 LEADER-Regionen in NRW und somit auch die 11 Regionen in Südwestfalen ausrichten. Was unterscheidet die neue von der alten Richtlinie? Aus meiner Sicht sind vor allem für private Projektträger nicht unwesentliche Erleichterungen erfolgt. So ist beispielsweise in der aktuellen Förderphase auch private Ko-Finanzierung zulässig. Der Fördersatz ist von 55% auf 65% angehoben worden, so dass nur noch eine Eigenbeteiligung in Höhe von 35% erfolgen muss. Diese kann bei gemeinnützigen Vereinen und Kommunen unter bestimmten Bedingungen auch als unbare Eigenleistung erfolgen.
Ein großer Vorteil ist in der neuen Förderphase auch die Tatsache, dass private Projektträger bis zu einer Projektsumme in Höhe von 100.000 € nur ein Angebot je Kostenposition dem LEADER-Antrag beifügen müssen. In der letzten Förderphase waren grundsätzlich noch drei vergleichbare Angebote ab 500 € notwendig. Dies gilt jetzt nur noch für öffentliche Projektträger, die sich ab dem Betrag von 500 € nach VOB bzw. VOL richten müssen. Aus Sicht der LEADER-Regionen reduziert sich der bürokratische Aufwand für private Projektträger vor allem in der Phase der Antragsstellung damit erheblich. Dies wird hoffentlich Dorfgemeinschaften, Initiativen und Vereine dazu ermutigen, neue Projektideen in ihrer jeweiligen LEADER-Region einzureichen.

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Treffen einiger LEADER-Regionalmanager/innen
aus Südwestfalen in Bestwig.
Foto: LEADER-Verein „4 mitten im Sauerland“

Durch die erhebliche Aufstockung des Förderprogramms ist nunmehr der Großteil aller Kommunen in Südwestfalen Teil einer LEADER-Region und somit der Förderkulisse. Auch wurde das Budget erheblich erhöht. Der LEADER-Region „4 mitten im Sauerland“ stehen in der neuen Förderphase 2,3 Mio. € zur Verfügung. In der letzten Periode waren es „nur“ eine Mio. €. Dieses Geld gilt es nun in sinnvolle und nachhaltige Projekte zu investieren, die einen Mehrwert für die Region schaffen.
 

Vernetzung in Südwestfalen
Da es nun 11 LEADER-Regionen in Südwestfalen gibt, bietet dies auch die wunderbare Möglichkeit sich zu vernetzen und Gemeinschaftsprojekte anzustoßen. Erste Kennenlern- und Austauschtreffen gab es bereits auf der Ebene der Regionalmanager/innen. Bereits in den LEADER-Bewerbungen wurden vielfach Absichtserklärungen für Kooperationsprojekte hinzugefügt, um die Bereitschaft für gemeinschaftliche Aktivitäten damit zu unterstreichen. Hoffen wir nun, dass viele von diesen Projektideen – auch kreisübergreifend – angegangen und umgesetzt werden.


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