Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

„Wenn man nicht mehr liebt, ist man tot“
Wie Kunst das Leben bereichern kann • Johannes Dröge zum 85. Geburtstag

Elisabeth Tebbe

Tebbe 01

Johannes Dröge.
Foto: Archiv Dröge

„Da könnten wir doch mal den Dröge einladen“ – so begann die Begegnung mit einem Künstler, die man in der Folge nicht mehr missen möchte. Als zum Tag des offenen Denkmals im September 2015 die Schülerinnen und Schüler1 des Johannes Dröge vor dem Stracken Hof in Endorf vorfuhren und ihre Skulpturen ausluden, war es schon nach wenigen Minuten klar, welche Schätze da vor und zwischen den Fachwerk-Balken eine ganz eigenartige Stimmung erzeugten – als gehörten sie dahin, als rühre das Gefühl des Zuhause-Seins, das man ohnehin in diesem alten Gemäuer hat, noch intensiver etwas Urtümliches im Menschen an.
Und dann erschien er selbst: Wenn man in Sundern lebt, kommt man an dem Namen nicht vorbei. Aber zu einer persönlichen Begegnung war es noch nie gekommen. Herrlich, erfrischend unkompliziert kam da jemand mit fast 85 – und doch offen, freundlich und neugierig auf die Menschen zu wie ein „junger Spund“.
Auch die Atmosphäre zwischen Schülern und Meister war herzlich und zugewandt. Als Außenstehende fühlte man sich sofort wohl in diesem offenen und interessierten Zusammensein. Ist ja auch kein Wunder; sagt man doch Johannes Dröge ACHTSAMKEIT nach als eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften, Achtsamkeit gegenüber den Menschen, Freude an der Natur, der belebten und unbelebten, ganz einfach: den liebenden Blick auf die Welt.
 

Biographische Notizen
Vielleicht hat das ja seinen Grund darin, dass er im Sauerland geboren ist, in Sundern, das damals noch eher ein Dorf war. Keine leichten Zeiten, die dreißiger Jahre. Aber mit vier Brüdern, sorgsamen Eltern und vielen Nachbarskindern wuchs er auch ohne Kita in einem kommunikativen und anregenden Umfeld auf. Sport trieb man ohne Anleitung, Schwimmen lernte man im Fluss, Radfahren auf der quasi autofreien Straße, Skifahren auf der Wiese hinter dem Haus. Und wenn man es nicht von selbst konnte, dann halfen die anderen. Hier hat sich Johannes seine ersten pädagogischen Sporen verdient. Die Ausbildung auf einem Bauernhof brachte ihm Natur und die Eigenarten des sauerländischen Jahreslaufes näher. Damals lebte man noch Nachhaltigkeit, ohne darüber zu schwadronieren. Wie jeder Jugendliche mehr oder weniger suchte der erstgeborene Dröge aber seinen ganz eigenen Weg. Es war wohl ein großes Glück für ihn – und für uns –, dass er schon früh mit der Bildhauerei in Kontakt kam. Und von da an nahmen die Ereignisse ihren Lauf: Er ging zu den Quellen, nach Carrara zum Beispiel, er reiste durch die Welt, er hatte Erfolg, auf über 500 Ausstellungen kann er zurückblicken, er sammelte viele Schüler um sich herum, Erwachsene und Kinder. Heute noch ist er manchmal in Eile: „Ich muss jetzt in die Schule“. 1981 verlieh ihm das Land Nordrhein-Westfalen den Staatspreis „Stein“. Er zählt zweifellos zu den größten deutschen Bildhauern seiner Zeit. Und er arbeitet in Stockum und kuiert Platt und tut so, als wüsste er davon nichts. Man kann hinfahren und bekommt ein Stück Kuchen und eine Tasse Tee oder
Kaffee, denn um 5 Uhr nachmittags ist Kaffee¬zeit, daran ist nichts zu rütteln. Das ist ein Geschenk – in jeglicher Hinsicht!
 

Johannes Dröge und seine Schüler: Ein begnadeter Pädagoge
Nicht nur die Kaffeezeit, auch die anderen Möglichkeiten, die der Tag bietet zum Mahl-Halten, also zur ungezwungenen Kommunikation, nehmen Johannes Dröge, seine Schüler, seine Freunde und Besucher, gern wahr, denn: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Wenn Martin Buber nicht schon diese grundlegende Lebenserfahrung auf den Punkt gebracht hätte, könnte die Sentenz auch im Hause Dröge geprägt worden sein. Immer wieder erzählen Menschen mit Begeisterung, mit wie frappierend einfachen Worten, die aber den Knoten gelöst hätten, sie zur Reflexion ihres eigenen Verhaltens und zu Problemlösungen geführt worden seien. „Das möchte ich gerne machen, aber wie soll das gehen, alleine kann ich ja nichts ausrichten.” – „Das ist doch ganz einfach”, sagt Dröge. „In deinem Dorf gibt es genug Leute. Such dir ein paar und dann macht ihr das gemeinsam.” Ja, so einfach ist das eigentlich. Man muss es nur tun – und es geht ja auch. Hätte man auch selbst drauf kommen können...

Tebbe 02

 Johannes Dröge und sein Freund und Mäzen Ferdi Tillmann.
Foto: Elisabeth Tebbe

„Alles ist im Stein enthalten. Man muss es nur befreien.”2 Getreu seinem Motto „Ein Stein ist auch nur ein Mensch” verfährt er auch bei der Förderung der Schüler: Ein Mensch ist auch nur ein Stein. Man muss seine Fähigkeiten freilegen. Wer so Menschen „erzieht”, kann sich der Sympathien der ihm Anvertrauten sicher sein, denn er gängelt nicht, er gibt dem Lernenden Selbstvertrauen und Mut. Und so gibt es kaum einen seiner Schüler, der nicht darauf hinweist, wie behutsam Johannes Dröge in seiner Werkstatt, in den Workshops, die er anbietet, führt. Als Prof. Dr. Henning Vosberg bei seiner Laudatio zum 85. Geburtstag des Künstlers in der Stadtgalerie Sundern diese Eigenschaft Dröges in den Mittelpunkt stellte, wurde ich unweigerlich nicht nur an die „Hebammen-Methode” des großen immer weiter fragenden Sokrates, sondern auch an Haldor Laxness‘ wunderbaren Roman „Das Fischkonzert” erinnert, in dem der Großvater Björn von Brekkukot seinen (sozialen) Enkel Alfgrimur in genau dieser Behutsamkeit erzieht. Und wenn die Großmutter dann dem Jungen bedeutet: „Ich denke, es könnte sein, dass es deinem Großvater nicht so sehr gefällt, was du da vorhast”, dann ist das Wort Dröges: „Ich würde das nicht so machen,” besorgt, liebevoll, nicht selbstgerecht, gesagt, doch eine herrliche Parallele. Solche Menschen, seien sie „nur” literarische Figuren oder sehr real, vergisst man nicht, weil in ihrem Verhalten Respekt vor dem anderen zu erfahren ist.
Das Geschenk, das die Schüler ihrem Lehrer Johannes Dröge zum 85. Geburtstag machten, ist da nur folgerichtig: Sie organisierten eine Ausstellung in der Stadtgalerie in Sundern. Wer weiß, wie aufwendig die Vorbereitung, der Aufbau und die Begleitung einer Ausstellung sind, kann schon daran die Wertschätzung ermessen, die dem Jubilar entgegengebracht wird. Das Gleiche gilt für die liebevoll und hochwertig gestaltete Festschrift, die zum 80. Geburtstag herauskam und in Text und Bild einen Blick auf Leben und Werk Dröges wirft.3 Schlägt man sie auf, ist man schon glücklich bei der Betrachtung der hervorragend fotografierten Kunstwerke, und die Lektüre der – je nach Thematik – anspruchsvollen, humorigen oder einfach informierenden Texte, einer sogar auf plattdeutsch, öffnet Welten – gerade auch demjenigen, der kein Kunstexperte ist.

“Er gängelt nicht,
er gibt dem Lernenden
Selbstvertrauen und Mut.”

Elisabeth Tebbe


Ich möchte nur ein Exponat der eben genannten Ausstellung herausgreifen: die Skulptur „Inklusion” der leider im Frühjahr zu früh verstorbenen Christa Wuttke. Der Begriff, der seit einiger Zeit in aller Munde ist und bei vielen schon Augenrollen hervorruft, sei es, dass man den Ansatz grundsätzlich für falsch hält oder dass man mit der Umsetzung nicht zufrieden ist, wird hier so beeindruckend künstlerisch umgesetzt, dass man noch einmal ganz neu ins Nachdenken gerät. Die Auswahl der Steine – Diabas und persischer Travertin – wirkt zuerst einmal hoch ästhetisch. Das Zusammenspiel der Farben, das tiefe Schwarz und das eher freundliche Terra wirkt elegant, einfach erlesen schön. So ist der Thematik die Schwere genommen. Mag mancher denken, die Inklusion sei eine Last, sie störe das leichtfüßige Zusammenleben, das Effektivstreben der modernen Gesellschaft, die ersehnte heile Welt, so könnte hier angedeutet sein: das Zusammen von Starken und Schwachen ist etwas Gutes, Erstrebenswertes, das Leben Bereicherndes, ja, etwas Schönes. Die „Fehler” im Travertin zeigen die Verletzungen des Schwachen, aber gerade der nicht makellose Stein wirkt durch seine vermeintlichen Mängel im Gegensatz zum glatt polierten Diabas lebhaft und interessant. Die beiden wie starke Arme den kleinen Stein umschließenden Diabas-Stelen erdrücken nicht, sondern sie sind geöffnet. Es bleibt Luft zum Atmen, Platz für Überraschungen. So kann das Kunstwerk immer wieder daran erinnern, das menschliche Miteinander in seinen vielen Facetten daraufhin zu überprüfen, ob es beschützend, respektierend und bejahend ist.

Tebbe 03

Christa Wuttke (†), Inklusion.
Foto: Elisabeth Tebbe

Gedanken zu einzelnen Werken des Jubilars
Nicht wenige Künstler weisen hin und wieder darauf hin, dass sie nicht kirchlich, aber gläubig, zumindest „religiös”, seien. Auch Johannes Dröge läuft den Kirchenglocken nicht nach, wenn sie läuten, aber seine Arbeiten, auch die seiner Schüler, zeugen von einem zutiefst transzendenten oder religiösen Verständnis allen Seins. Was ist das? Man kann es, hier eher wahllos, in Stichworten sagen: Ganzheitlichkeit, Kommunikation, Harmonie, Verstehen, Vergeben, Liebe, Schönheit, Freude, Träume, Gegenentwürfe und damit Gegen-den-Strich-Lesen, – Glück, Sinn, Heil, Wertigkeit, Wertschätzung. Was ist Religion nicht? Dogmatismus, Unfähigkeit zur Empathie, Ausgrenzung, Machtmissbrauch, Abschottung, Diffamierung, Schwarz-Weiß-Malerei – die Liste ist erweiterbar.
Ich möchte aufgrund dieser Vorüberlegungen drei Skulpturen aus dem umfangreichen Gesamtwerk Dröges herausgreifen, die Auswahl war spontan und ist sicherlich angreifbar, aber sie haben mich – neben vielen anderen Exponaten – besonders angesprochen.
SUSANNA – die biblische Geschichte (Dan 13) wird meist so gelesen, dass ein tugendhaftes, fast geschlechtsloses Wesen sich gegen böse lüsterne Männer wehrt. Der Zeigefinger ist hoch erhoben. Abgesehen davon, dass man damit der Geschichte Gewalt antut – was könnte die SUSANNA von Johannes Dröge zeigen? Auf den ersten Blick: sie ist schön, sie ist vollkommen, man vergisst sie nicht. Die „große Susanna“, sie ist aus Holz, die „kleine” aus Stein.
„Nimm sie dir mit nach Hause! Setz dich davor und meditiere darüber!“, sagt der Künstler. Nicht nur in der Literatur gibt es Rezeptionsästhetik: Der Betrachter gehört zum Kunstwerk unbedingt dazu. Wie der Leser ein Buch erst zum Leben erweckt und es mit seinen je eigenen biographischen Erlebnissen reflektierend verknüpft, so findet die Skulptur ein Stück ihrer Bestimmung, wenn sich der Betrachter auf sie einlässt und aufgrund seines individuellen Erfahrungshintergrundes mit ihr kommuniziert, so dass etwas in ihm freigesetzt wird, das dieses Kunstwerk zu einem Stück seines Lebens macht, ihn bereichert.
Man geht an ihr vorüber, immer wieder. Sie wirkt vollkommen, ein Oval, makellos, jung. Aber dann spürt man: sie hat auch etwas Beklemmendes. Die Krümmung wirkt abgeschlossen, die Figur ist in sich gekehrt. Sie kann und will sich nicht öffnen. Sie ist allein, ungeschützt. Da ist keine Offenheit, kein Aufeinanderzugehen, kein „Zueinander“, wie eine andere Skulptur von Johannes Dröge heißt. Das Ovale, das fast Kreisähnliche, erinnert mich an eine Skulptur vor der Kathedrale in Chester4. Da ist eine Frau dargestellt, ein Teil eines Kreises, und die Ergänzung ist ein Mann, ein Bild vollkommener Harmonie. Ein Liebespaar, denkt man. Ein Ideal von menschlichem Zusammensein vor einer Kirche, Symbol für Glück, Sinn, Heil. Der Mann ist Jesus, die Frau die Samariterin am Brunnen von Bethanien (Joh 4, 7-18). Dies alles ist bei Susanna nicht der Fall, da fehlt der Partner. Die Männer, die da sein könnten, sind nur gierige Egoisten, keine Liebende, eigentlich bedauernswerte Figuren, wie auch der Anfang der Erzählung nahelegt (vgl. Dan 13, 9 ff.).
Und doch: Susanna behält ihre Würde, ihre Schönheit, ihr Ich. Sie ist stark und bleibt letzlich dadurch unzerstört.
Das „Zueinander”, das die Skulptur in Chester so eindrucksvoll im Symbol des Kreises darstellt, findet sich auch bei Johannes Dröge, in seiner Skulptur gleichen Namens. In Chester eher gegenständlich, bei Dröge abstrahiert: „Diese [Dröges spezielle Art des Abstrahierens, Anm. d. Verf.] Abstraktion hebt die Naturähnlichkeit auf, ohne den Bezug zu verleugnen“.5 In dieser Abstraktion eine Innigkeit darzustellen, die den Betrachter – selbst den, der seine Schwierigkeiten mit der modernen Kunst hat – unmittelbar anrührt, das zeugt von grenzenlosem Einfühlungsvermögen und einer Liebe zum Gegenstand, die an den Grund des Daseins rührt, womit wir bei der Religion sind. Kinder verstehen das. Ich erinnere mich an eine Skulptur, eine Spielerei eines Kunstschmiedes, gebogene Bronze. Eigentlich war eine Frau durchaus zu erkennen, sollte auch dargestellt werden. Viele jedoch konnten nichts damit anfangen. Ich fragte ein Kind, kaum der Sprache mächtig: „Was ist das?“ – „Das ist eine Fau“ (das R fiel dem Kleinen noch schwer).

Tebbe 04

Susanna, Marmor.
Foto: Archiv Dröge

Tebbe 05

Zueinander, Portugiesischer Marmor.
Foto: Archiv Dröge

Noch eine Frauenfigur hat mich fasziniert: EUROPA 45. In aller Munde in diesen Tagen: Krieg und Flüchtlinge. Eine Frau sitzt da und hat den Kopf in die Hand gestützt. Die andere Hand liegt geöffnet auf ihrem Schoß.
Nun rührt diese Figur nicht sofort deswegen an, weil man an den Krieg denkt. Man denkt auch nicht sofort an die Flüchtlinge. Man denkt – auch im Jahr 2016 – an die ganze Mühsal des Lebens, die auch in unserer Spaßgesellschaft die Menschen, und nicht nur die Frauen, immer wieder einholt. Und wenn man in jungen Jahren still und leicht überheblich in sich hineinlächelte, wenn die Alten sagten: „Das Leben ist ein Kampf”: „Ach, was wissen die schon? Das Leben ist schön! Wenn man es nicht genießt in vollen Zügen, ist man selbst schuld... “ – so wird einem doch gerade heute mehr und mehr bewusst, dass wir nicht alles in der Hand haben, dass die Sorge um das gute Leben in einer Gesellschaft, die immer mehr von Neoliberalismus, von Wirtschaftsdiktatur, vom Kampf um die Arbeitsstelle, von Egoismus im Kleinen, von Glaubenskämpfen, von Krieg, von der Krake Rechtsradikalismus bedroht, aber auch wie immer schon von persönlichem Leid, Krankheit, Tod, Zurückweisung, geprägt ist, nicht kleiner wird. So ist diese Figur, entstanden in Erinnerung an die „Trümmerfrauen”, an alle Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden, nicht nur ein Mahnmal gegen den Wahnwitz des Krieges, wobei man über die Dringlichkeit dieser Mahnung zum Frieden im 21. Jahrhundert nicht sprechen muss. „Ich habe die Hand geöffnet gestaltet, weil ich daran gedacht habe, wie die Frauen betteln mussten um Nahrung, um den Lebensunterhalt. Ihre Männer waren im Krieg gefallen oder vermisst, sie standen allein da”, sagt Johannes Dröge.

“Nimm sie dir mit nach Hause!
Setz dich davor
und meditiere darüber!”

Johannes Dröge


Ich denke, man tritt der Intention der Figur nicht zu nahe, wenn man die geöffnete Hand auch als „Einladung” versteht – in solch einer Verzweiflung hätte man ja auch abwehrend die Faust ballen können. Einladung zum Mitleid im guten Sinne des Wortes: sym-pathein, das heißt: gemeinsam fühlen, sich einfühlen in den anderen – um ihm zu helfen. Einladung aber auch als Zeichen der Hoffnung: Ich habe noch nicht aufgegeben, da müssen doch Menschen sein, die helfen. Und wenn es da noch das Gute gibt, dann gibt es auch Zukunft. Brechen wir gemeinsam auf in ein besseres Leben!

Tebbe 06

Europa 45, Muschelkalk aus Württemberg.
Foto: Archiv Dröge

Ein richtiger Künstler
An dieser Stelle noch die Frage, die Johannes Dröge so oft hört und so charmant nicht beantwortet: „Ist das Kunst, was du da machst? Bist du ein richtiger Künstler?“6
Der legendäre Max Imdahl, Kunsthistoriker an der Ruhr-Universität Bochum, hatte es sich zum Ziel gesetzt, breite Bevölkerungsschichten für Kunst zu sensibilisieren – übrigens auch ein Movens für Johannes Dröge: „Ich sorge gerne dafür, dass die Kunst verbreitet wird“ wurde er in der Lokalzeitung zitiert.7 Von Professor Imdahl also wird erzählt, dass er Opel-Arbeiter einlud, um mit ihnen über ein modernes Gemälde nachzudenken. Nach zwei Stunden intensiver Arbeit meldete sich einer der Zuhörer und fragte: „Saggen Se mal, Herr Professor, is dat denn nun Kunst?“ – Imdahl war begeistert: „Das ist eine gute Frage! Aber denken Sie mal: Sie und ich und wir alle hier haben jetzt den ganzen Abend über dieses Bild rege diskutiert und es wurde uns nicht langweilig – ja, das ist wirklich Kunst!“8
Jedes Mal, wenn ich an der Susanna von Johannes Dröge vorbeigehe, fällt mir etwas Neues dazu ein. Ja, das muss wirklich Kunst sein, was der Dröge da macht!


Ausblick
Was macht Dröge jetzt? Auch „wenn die 50 Kilo immer schwerer werden”9, er arbeitet weiterhin, und zwar vor allem als Lehrer; er geht in die Schulen und in seiner Werkstatt steht er erwachsenen Künstlern hilfreich zur Seite. Jetzt im Sommer findet man ihn draußen; im Hof hinter dem Haus Am Bergwerk in Stockum restauriert er Skulpturen oder er schafft Neues aus alten Grabsteinen.
Aus alten Sachen Neues machen – nach diesem Motto entstehen manchmal Kunstwerke vor Firmen, die auf das Metier hindeuten, in dem dort gearbeitet wird, oder auch Skulpturen, die zum Beispiel vor dem Schepes Hof in Stockum zum Nachdenken anregen. Dort steht seit einiger Zeit eine Säule, unten kreisförmige Marmorkerne, oben ein mit Goldbronze veredelter Quirl aus einem alten Güllefass. Und es kann sein, dass es bald vor einem Industriebetrieb einen „Dröge-Lufthaken” zu sehen gibt. Lassen wir uns überraschen!
Und: die beste Nachricht zum Schluss: Wie meist üblich, wünschte sich der Jubilar zum Geburtstag anstelle von Geschenken Geld – dieses Mal für einen ganz besonderen Zweck, als finanziellen Beitrag für ein „Dröge-Museum”, das schon in nächster Zeit eröffnet wird – und zwar im schönen Stockum. Ferdi Tillmann, seit Kindertagen Freund des Künstlers und engagierter Mäzen, hat das „Alte Berghaus” gekauft, damit das Werk Dröges der Öffentlichkeit zugänglich wird. Die Familie Dröge stellt viele Exponate als Dauerleihgaben zur Verfügung. Eine bessere Verwendung für das seit einiger Zeit leer stehende Gebäude im Herzen von Stockum kann man sich nicht vorstellen!
1) In weiteren Verlauf des Textes werden aus Gründen der Lesbarkeit jeweils nur die maskulinen Formen verwendet. Die Damen mögen das als e i n e Möglichkeit, gleichberechtigt gesehen zu werden, verstehen.
2) Neuß-Grevenbroicher Zeitung v. 20. 08. 01; Dröge-Zitat anlässlich eines Workshops in Zons
3) Johannes Dröge, „Ich wollte immer nur ein bisschen Bildhauerei machen”, hrsg. v. E. Mette, W. Neuhaus, H. Schulte, F. Tings. Sundern 2011; fast vergriffen, Restexemplare erhältlich im Dröge-Museum in Sundern-Stockum, das 2016 eröffnet wird.
4) „The water of life” von Stephen Broadbent
5) Dr. Andrea Brockmann, „Johannes Dröge: ,Ich wollte immer nur ein bisschen Bildhauerei machen’.” In der Jubiläumsschrift zum 80. Geburtstag von Johannes Dröge, a.a.O., S. 13
6) Vgl. dazu auch die Jubiläumsschrift, a.a.O., S. 9
7) Theresa Maas, „Nicht müde, Wissen zu vermitteln“, in: WP vom 5. 3. 16
8) Aus dem Gedächtnis wiedergegeben aufgrund eines Gespräches mit einem ehemaligen Studenten Imdahls
9) So liebevoll scherzend Henning Vosberg in seiner Laudatio auf J. Dröge am 11. März 2016 in Sundern


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