Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

MobilitätsPaten im ländlichen Raum
Ehrenamtler führen ihre Nachbarn an das ÖPNV-System heran.
Gregor Speer

Heft 1/ 2016

Mobilität 01

Gerade älteren Menschen fehlt oft die Übung, mit Bus und Bahn zu fahren.

Mobilität 02

Die MobilitätsPaten treffen sich regelmäßig zu Schulungen und zum Erfahrungsaustausch. Auch Horst Frese (Bildmitte), Vorstandsmitglied des Sauerländer Heimatbundes, ist ein MobilitätsPate.

Mobilität 03

Der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Räumen leidet – demographisch bedingt – unter einem Rückgang der Nachfrage. Nachhaltige Lösungen sind gefragt.


Mobilität 04

Die Wohn- und Wirkungsorte der MobilitätsPaten (rote Punkte) sind über weite Teile des Kreises Soest und des Hochsauerlandkreises verteilt.

Mobilität 05

MobilitätsPaten regen die Nachfrage an und tragen so zur Aufrechterhaltung von ÖPNV-Angeboten in ländlichen Räumen bei.


Mit Bus und Bahn zu fahren ist gerade in den ländlichen, vom Pkw-Verkehr dominierten Räumen, nicht selbstverständlich. Im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis sind seit knapp drei Jahren 34 ehrenamtliche MobilitätsPaten aktiv. Sie helfen gerade den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern dabei, erstmalig oder wieder nach langer Zeit Bus und Bahn zu nutzen. Das kommunale Verkehrsunternehmen Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG), das zur Unternehmensgruppe der Westfälischen Verkehrsgesellschaft (WVG) gehört, betreut und schult die MobilitätsPaten. Das Projekt ist ein Baustein von mobil4you, mit dem Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNV im ländlichen Raum umgesetzt werden.

MobilitätsPaten helfen, Hürden zu überwinden
Mobilität bedeutet insbesondere für ältere Menschen ein wichtiges Stück Selbstbestimmtheit und Lebensqualität. Dabei muss Mobilität nicht immer heißen, mit dem eigenen Pkw unterwegs zu sein. Mit Bus und Bahn kommt man auch im Kreis Soest und dem Hochsauerlandkreis in vielen Fällen gut an sein Ziel. Das heutige Verkehrsangebot mit RE-Verbindungen, SchnellBus-, RegioBus-, TaxiBus-, AnrufSammelTaxi-, BürgerBus- und FahrradBus-Linien ist gemessen an der ländlich-industriell geprägten Raumstruktur durchaus attraktiv.

Gerade der wachsende Anteil älterer Menschen in den Ortschaften ist mit Blick auf die zurückgehende Infrastruktur im Ort vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Vielen Menschen fehlt jedoch die Erfahrung mit dem Busfahren. Sie haben Schwierigkeiten, die Informationen zum ÖPNV zu finden und trauen sich nicht, die Busfahrer oder Verkehrsunternehmen direkt anzusprechen. Den Fahrplan zu lesen und die richtige Fahrkarte zu lösen ist nicht für jeden leicht.

Hier kommen die ehrenamtlichen MobilitätsPaten ins Spiel. Sie sind im Ort bekannt und beraten Ihre Mitbürger in Mobilitätsfragen. Sie kennen die Linienstruktur des ÖPNV in der Region und können Auskunft über die wichtigsten Busverbindungen, Zuganschlüsse, Fahrpreistarife und Informationsmedien geben. Sie informieren mit Hilfe ihrer Tablet-PCs über konkrete Fahrtverbindungen und geben bei Bedarf SchnupperTickets zum Ausprobieren aus. Der Beratungsservice ist kostenlos und kann von jedem in Anspruch genommen werden. MobilitätsPaten füllen die übernommenen Aufgaben ehrenamtlich und freiwillig aus. Jeder MobilitätsPate kann die Intensität seiner Arbeit selber bestimmen, so dass keine übermäßig großen Hindernisse bei der Übernahme des Amtes aufgebaut werden. Voraussetzung für die Tätigkeit ist ein Interesse am Thema, Engagement, örtliche Präsenz und Kommunikationsstärke.

Auch die Vermarktung der eigenen Kontaktdaten vor Ort hat der MobilitätsPate im Wesentlichen selbst in der Hand. Die regionalen und überregionalen PR-Aktivitäten und Medieneinsätze werden dagegen von der RLG gesteuert.

Grenzen der Tätigkeit
Ehrenamtliche MobilitätsPaten müssen nicht alle Fragen beantworten können, sie sind aber in der Lage, schnell und unkompliziert die Verkehrsunternehmen einzubinden. Zu den Grundaufgaben der MobilitätsPaten gehört nicht die Begleitung und physische Hilfe für mobilitätseingeschränkte Personen. Diese im ländlich strukturierten Raum nur sporadisch auftretenden Aufgaben wären kaum verlässlich und flächendeckend leistbar, insbesondere nicht für im Erwerbsleben stehende MobilitätsPaten. Allerdings gibt es auch für diese Bedürfnisse eigene ehrenamtliche Projekte im Verkehrsgebiet, wie die Busbegleiter in Lippstadt und die Senioren-Busbegleitung in Arnsberg. Wenn es freiwillig geschieht, dürfen und können MobilitätsPaten natürlich auch Neufahrgäste begleiten und behilflich sein. Nur gehört dies nicht zu den eigentlichen Aufgaben.

Motivation der MobilitätsPaten
Aufmerksam geworden sind die MobilitätsPaten auf das Ausbildungsangebot durch Zeitungsberichte, Projektpräsentationen in politischen und gesellschaftlichen Gremien sowie durch persönliche Kontakte mit den Verkehrsunternehmen und anderen MobilitätsPaten.

Der Kreis der MobilitätsPaten setzt sich zurzeit zusammen aus 21 Männern und 13 Frauen zwischen 19 und 79 Jahren und bildet damit eine breite soziodemografische Gruppe ab. Die MobilitätsPaten haben ein gemeinsames Interesse: Sie möchten der Gesellschaft einen sinnvollen Dienst erweisen und durch ihre Hilfestellung den Mitmenschen zu mehr eigenständiger Mobilität verhelfen.

Die MobilitätsPaten sind auch über ihr Ehrenamt hinaus engagiert. So finden sich Ortsvorsteher, Ratsherren und -frauen, Vereinsvorsitzende, Vertreter von Senioren- und Behindertengruppen, Integrationshelfer, Aktive in den Betrieben, Bus- und Bahn-Nutzer (insbesondere Aboinhaber), Gastronomen und Geschäftsinhaber, Wanderführer und Mitarbeiter in der Tourismusbranche, Studenten, Hausfrauen, ehemalige Busfahrer sowie Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen unter den MobilitätsPaten.

Lohnt sich der Einsatz?
Der Einsatz von MobilitätsPaten allein kann keine Trendwende des ÖPNV im ländlichen Raum herbeiführen, der mit Fahrgastrückgängen durch sinkende Schülerzahlen und einer negativen Bevölkerungsentwicklung zu kämpfen hat.

Aber MobilitätsPaten helfen, Informationen über das Angebot des ÖPNV bekannter zu machen, sie können es authentischer vermitteln als die Verkehrsunternehmen es vermögen, sie erweitern das Netzwerk der ÖPNV-Interessierten und sie stellen das vorherrschende Mobilitätsverhalten vieler Bürger in Frage, die sonst nie auf die Idee kommen, Bus und Bahn zu nutzen.


Nach den ersten überaus positiven Erfahrungen mit dem Projektbaustein Mobilitäts-Paten gehen alle Beteiligten davon aus, dass das Projekt nach dem Auslaufen der Förderung durch die Kreise und durch das Land nicht nur weitergeführt wird, sondern auch in andere Räume übertragen werden kann.

Alle Fotorechte:
RLG Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH


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