Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

„Der pastorale (T)Raum“
Schauspieler lassen Klostergeschichte lebendig werden
Werner Saure
Heft 1/ 2016

Nach bisher einhelliger ine Stiftungen waren für die Existenz des Klosters sicherlich ein wichtiger, aber nicht der grundlegende Faktor.

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Erzbischof Gebhard und Agnes von Mansfeld.Foto: Alois Wiegard

Schauspiele haben in Prämonstratenser Klöstern Tradition. Für das Laurentianum, das Gymnasium der Prämonstratenser Stiftsherren in Arnsberg, hat Dr. Norbert Höing in akribischer Archivarbeit viele Titel und einige Reste von Spieltexten aus der Barockzeit erforscht.1 Dabei fiel ihm auch ein Schauspiel auf, das dem Oelinghauser Propst Theodorus Sauter, der die Barockeinrichtung der Klosterkirche veranlasst hatte, gewidmet war. Ohne nun weiter in dieser Hinsicht auf Traditionen zu spekulieren, hat Bernd Schüttelhöfer, Autor und Regisseur mehrerer Schauspiele (u.a. des „Hüstener Freiheitsspiels“ 2002), nun schon das zweite Spiel in der ehemaligen Klosterkirche des hl. Petrus in Oelinghausen auf Anregung des Freundeskreises geschrieben und inszeniert und dadurch eine neue Tradition geschaffen.

Schauspiele in der Klosterkirche
Das erste Schauspiel wurde in Oelinghausen 2012 aus Anlass des dreihundertjährigen Jubiläums des Barockaltares mit viel Erfolg auf den Stufen des Chores aufgeführt. Prominente Hüstener Bürgerinnen und Bürger sowie Vorstandsmitglieder des Freundeskreises stellten den Prozess der Planung und Errichtung des großartigen Altares in den Rollen des Baumeisters Wilhelm Splithoven, des Propsts Theodor Sauter der Priorin Klara Christiane von Greving und weiterer Zeitgenossen auf die „Bühne“. In die Geschichte zurückgreifen, ist ein legales Mittel auch großer Dramatiker. Was Shakespeare oder Goethe, Schiller oder Wagner recht ist, kann auf der Bühne einer Klosterkirche nicht falsch sein. Es war ein farbenfrohes Bild, die Kostüme, entworfen und geschneidert von Hanne Clauß, das die Leistung der damaligen Generation den Zuschauern in der Klosterkirche vor Augen führte. Natürlich durfte auch in einer solchen Szenerie der Klang der historischen Orgel, die wenige Jahre später (1717) ihr jetziges Volumen erreichte, nicht fehlen.

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Verdienter Applaus für die Schauspieler. Autor und Regisseur Bernd Schüttelhöfer mit Blumenstrauß, mit Schirmmütze der Nigerianer Albert Nnaji.Foto: Alois Wiegard


Gerade in dem neuen Schauspiel „Der pastorale (T)Raum“ prägte die Orgelfassung von Melodien aus Carl Orffs Carmina Burana eine Denk- und Besinnungszeit beim Übergang der Szenen. Die historische Orgel wurde meisterlich gespielt von Peter Volbracht, dem künstlerischen Leiter der Konzertreihe Musica Sacra Oelinghausen und Kantor an St. Petri Hüsten. Die Schicksalsgöttin Fortuna wiederholt in ihrem Lied die Mahnung:
„Wer königlich‘, (auch der) wird Staub in einer Urn‘.“

Vor 800 Jahren, Oelinghausen für alle Zeiten unabhängig
Anlass zu dieser dramatischen Fassung war die Pergamenturkunde von 12152 im NRW Staatarchiv Abt. Westfalen in Münster. In ihr beurkunden Erenfrid, Pfarrer in Hüsten, Radolfus, Prior in Oelinghausen, verschiedene andere Priester und Arnold von Wicheln vor dem Abt von Wedinghausen und dem Dechanten in Attendorn, „dass die Kirche in Oelinghausen mit allen Besitzungen und deren Bewohnern …, (nach) Festlegung des Kölner Erzbischofs Philipp in Bezug auf Beichte, Krankenbesuche, Beerdigungen, Dienstleistungen, Meßhafer und Synode … die die Kirche von Hüsten gegenüber der Kirche zu Oelinghausen als Pfarrgerechtsame beansprucht, für alle Zeiten unabhängig ist“ (siehe Manfred Wolf). Im Jahr 2002 schlossen sich die Gemeinden St. Maria Magdalena und Luzia-Bruchhausen, St. Hubertus-Müschede und St. Petri-Hüsten zum „Pastoralverbund Röhr-Ruhr“ zusammen. Am 13. Januar 2013 erfolgte dann die Fusion mit dem ehemaligen „Pastoralverbund Kloster Oelinghausen“ zu einer Gesamtpfarrei. Seitdem bilden die Kirchorte Bruchhausen, Herdringen, Hüsten, Holzen, Müschede, Kloster Oelinghausen und Oelinghauser Heide die jetzige „Pfarrei St. Petri Hüsten“. Was lag näher, als die Spannung zwischen dem Ereignis, das nun 800 Jahre zurückliegt, und der Gründung der Großpfarrei zu überdenken, und zwar nicht – wie heute sehr beliebt – in einer Talkrunde, sondern in einem Schauspiel.

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Landdroste Caspar von Fürstenberg. Foto: Werner Saure


Das Schauspiel
Das Anliegen des Themas erforderte auf der Bühne zwei Ebenen: die Geschichte des Stiftes der Prämonstratenserinnen von St. Peter Oelinghausen und die durch erzbischöfliche Urkunde erfolgte Zurückpfarrung in die mittelalterliche matrix ecclesiae (Mutterkirche) von St. Petri in Hüsten. In den Szenen aus der Klostergeschichte traten auf Signand von Basthausen und seine Frau Harthewigis, die im vollen Vertrauen auf den Gewinn der ewigen Seligkeit ihre Güter den frommen Klosterfrauen opferten. Radolfus, der Propst von Oelinghausen, der die Bestätigung der Unabhängigkeitsurkunde 1215 entgegen nahm, hörte die ständig sich wiederholende Klage des Hüstener Pfarrers Alexander: „Auf sanften Druck unseres Herrn Bischofs Philipp“ habe er zugestimmt. Radolfus fragte zurück: „War Eure Unterschrift wirklich ehrlich gemeint? Ihr habt doch vom Kloster Abstandszahlungen bekommen.“ Alexander zurück: „Schon, schon aber die Gerechtigkeit.“
Da sie nun endlich in dieser wunderschönen Kirche mit den hohen Fenstern stehen darf, klagt das Edelfräulein Regelindis von Binolen, weil ihr 1297 der Wunsch, in das Kloster Oelinghausen aufgenommen zu werden, abgeschlagen worden sei: „Die Priorin und der ganze Konvent schalteten auf stur. Sie sagten, meine lebenslange Versorgung sei nicht gesichert. Sie sagten, das Vermögen des Klosters reiche nicht für meinen Unterhalt.“ Aber dieser Reichtum des Klosters, den sie jetzt sehe, in Größe und Ausstattung, mache sie traurig, weil ihr Herzenswunsch trotz päpstlicher Fürsprache nicht erfüllt worden sei. Der „Heutige“ reagiert: „Es geht wieder um Geld, um irdischen Besitz. Ein Kloster ist doch ein Ort des Gebets, der Meditation, des Jenseitsbezuges. Und das Mittun hängt von der irdischen Sorge um finanzielle Sicherheit ab?“ In diesen Gegenfragen wird der „Heutige“ durch zwei Professoren unterstützt.

Für die in der Klostergeschichte sehr kriegerischen Reformationszeit treten auch Agnes, Gräfin von Mansfeld, mit ihrem geliebten Erzbischof Gebhard von Truchseß auf: „Diese Nacht ruh’ ich bei dir, o Gebhard, o holder Gebhard“, flüstert sie. Die beiden „haben ein Unglück ahnend Herz!“ nicht nur bezüglich ihrer persönlichen Situation, sondern darüber hinaus, denn niemand kenne sich aus im „Pastoralen Raum? Was heißt:  Zukunfsbild?“

Das pastorale Zukunftsbild
Ein Prälat verkündigt von oben her aus dem Ziergitter der Nonnenempore den auf der unteren Ebene agierenden Spielern das in zehn Jahren mühselig erabeitete Papier: „Das Pastorale Zukunftsbild der Erzdiözese Paderborn“. Diese Person ist übrigens im ganzen Theaterspiel die einzige, die von oben spricht. Der „Heutige“ und die Gelehrten halten ihm die im Dokument häufig benutzten Verben vor, nämlich „sollen“, „sich beschäftigen“, „aneignen“, „übernehmen“. Der Gelehrte erhält vom erzbischöflichen Prälaten keine Antwort auf seine Frage: Was ist mit „prüfen“, „verändern“ und „entscheiden“?
Der hl. Engelbert, Wohltäter des Klosters
und seine Schwester Gisela, Nonne in Oelinghausen, wissen auf die eine Frage des „Heutigen“ keine Antwort: „Glauben Sie wirklich, dass die Machtkonzentration in einer Hand gut ist? Wir halten es mit der Gewaltenteilung, der Machtkontrolle und der Trennung von Staat und Kirche“. Gisela reagiert empört: „Wie könnt Ihr nur so gottlos reden?“ und Engelbert: „Alle Gewalt ist von Gott, sagt der heilige Paulus.“ Der Mörder des Erzbischofs, Friedrich von Isenberg, hält dagegen: „Ich musste eingreifen. Statt die Klöster zu schützen, hast du sie beraubt.“
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Im „Rad der Fortuna“ schreiten die Seitentreppen der Nonnenempore hinunter der ehemalige Chorherr und spätere Jakobiner Pape, Friedrich von Isenburg, Erzbischof Engelbert von Köln und Harthewigis von Basthausen, Grundherrin und später Chorfrau (von unten). Foto: Werner Saure

Auch weitere Förderer des Oelinghauser Konvents wie Caspar von Fürstenberg, Landdrost des Herzogtums Westfalen, und seine Schwester Ottilia, Äbtissin des Klosters, treten voller Überzeugungskraft auf und preisen die Taten ihrer Familie für das Wohl des Klosters: „Mein Bruder Dietrich war immerhin Fürstbischof von Paderborn. Nicht der unbedeutendste. Er gilt als der dritte Begründer des Bistums nach Hathumar und Meinwerk. Und er war als Landesherr durchsetzungsfähig, nicht zimperlich, wenn es um die angestammten Rechte des bischöflichen Stuhls von Paderborn ging.“ Und grundsätzlich fährt er fort: „Diese Parolen von Freiheit, Gleichheit, Mitbestimmung, wohin sollen die führen? Das rührt an die göttliche Weltordnung! Unsere irdische Ordnung, so stufig und hierarchisch, wie sie ist, ist Spiegelbild der himmlischen Ordnung.“

Das Anliegen
Das Anliegen, das viele „Heutige“ bedrängt, hat der Autor und Regisseur Bernd Schüttelhöfer durchaus klar zur Sprache gebracht: Es ist nicht die Bildung des himmlischen Personals, denn nie waren Priester und Mönche so qualifiziert wie heute, sondern die Kirche als Institution, ihr Zentralismus, die klerikale Mentalität, die Ineffektivität einer immer noch höfischen Organisation und der Mangel an Rechtsicherheit3. Den hervorragend agierenden Spielern, die einundzwanzig für Oelinghausen bedeutende Persönlichkeiten dargestellt hatten, wurde mit langanhaltendem Beifall nach den drei Vorführungen gedankt. Es erwies sich als Glücksfall, dass Bernd Schüttelhöfer die zur Nonnenempore hinauf führenden beidseitigen Treppen für die Auftritte nutzte, auch wenn die Zuschauer üblicherweise auf den Altar fokussiert sind. Den Blick zurückwerfen zur Orgel“bühne“ wurde durch die zahlreich herbeigeschafften Sitzmöglichkeiten erleichtert. Mitten in den aufbrausenden Beifall trat zum Abschluß ein Bote den Spielern gegenüber. Der in Hüsten wohnende Nigerianer Albert Nnaji forderte Spieler und Zuschauer auf, nicht nur zurückzuschauen, da man nicht unbedingt aus der Vergangenheit lernen könne, sondern den Blick in die Zukunft zu richten.
1) Norbert Höing, Das Gymnasium Laurentianum zu Arnsberg Teil 2, Arnsberg (1990)
2) Vergl. Regesten Sammlung, Die Urkunden des Klosters Oelinghausen bearbeitet von Manfred Wolf, Fredeburg 1992, Nr. 31
3) Franz Xaver Kaufmann, zitiert nach CIG (2015), S. 424


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