Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

EU-Förderprogramm LEADER: Große Chancen für das Sauerland

Heinrich Nolte

Sauerland Heft 4/ 2015

LEADER – was ist denn das?

Wer über das EU-Förderprogramm LEADER spricht oder schreibt, ist gut beraten, sofort zu klären, was hinter diesem Wort steckt; das zeigen ganz konkrete Erfahrungen aus den letzten Jahren. So wurde z. B. ein Eintrag auf meiner Facebook-Seite über LEADER-Aktivitäten abgelehnt, weil wohl der Begriff bei wörtlicher Übersetzung aus dem Englischen als zu belastet erschien. Und wenn ich telefonisch Ansprechpartner in Sachen LEADER erreichen wollte und mich mit „LEADER-Region Hochsauerland“ meldete, wurde ich wiederholt von der Vermittlung oder von Sekretärinnen gefragt: „Von welchem Chor sind Sie noch einmal?“

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„Kump“ in Hallenberg. Dieses Gebäude wurde in der ersten LEADER-Phase von 2000-2006 saniert und hat sich zu einem überregionalen Ausstellungszentrum entwickelt.


Tatsächlich ist LEADER eine Abkürzung der französischen Bezeichnung des Förderprogramms: „Liaison entre actions de développement de l´économie rurale“. Es geht also um eine Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.

Die Europäische Union stellt für jeweils 7-jährige Förderzeiträume Programme auf und verteilt zu deren Umsetzung Mittel an die Mitgliedsstaaten, die dann für die Durchführung eigene, mit der EU abzustimmende Förderrichtlinien aufstellen. In Nordrhein-Westfalen ist LEADER ein Schwerpunkt des NRW-Programms Ländlicher Raum.

Wie LEADER ins Sauerland kam:
Start in Medebach/Hallenberg


Für den ersten „handfesten“ Kontakt zu LEADER waren die Bemühungen ausschlaggebend, für das geschichtlich wertvollste Gebäude in der Stadt Medebach, das ehemalige Kloster Glindfeld, eine Nutzung zu finden, die dessen Bestand für die Zukunft sichern konnte. Nach der von 1297- 1804 dauernden Klosterzeit und anschließender Nutzung als staatliches Forstamt stand dieser einmalig schöne Gebäudekomplex damals seit bereits einigen Jahren leer. Es wurden Pläne für neue Nutzungen entwickelt, die aber Umbauarbeiten erfordert hätten. Bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten stieß ich auf das Förderprogramm LEADER, dessen neue Förderperiode 2000 - 2006 damals gerade vorbereitet wurde. Beim Studium der Richtlinien wurde deutlich, dass das Projekt Glindfeld sehr gut in das LEADER-Programm passte. Es gab aber eine entscheidende Hürde. Im Wettbewerbsverfahren um die LEADER-Mittel konnten sich nur Regionen mit mindestens 10.000 Einwohnern bewerben. Also nahm die Stadt Medebach mit ihren rund 8.000 Einwohnern Kontakt zur Nachbarstadt Hallenberg mit deren knapp 5.000 Einwohnern auf und stieß dort sofort auf offene Ohren. Beide Städte beschlossen, sich gemeinsam um die Auswahl als Förderregion in der bevor stehenden Förderperiode 2000 - 2006 zu bewerben. Dieses Vorhaben wurde der Bevölkerung der beiden Städte in einer Auftaktveranstaltung vorgestellt. Gemeinsam mit ihr wurden in Arbeitskreisen Projektideen für eine Bewerbung beim Land Nordrhein-Westfalen entwickelt, die in ein Entwicklungskonzept einflossen.

Nach dieser Vorarbeit war die Bewerbung erfolgreich: Die Region Hallenberg-Medebach wurde als eine von drei Regionen in NRW als Förderregion ausgewählt und erhielt eine Mittelzusage über 1,9 Mio. DM. Zu diesem Zuschuss-Betrag musste die Region eine etwa gleich hohe Summe an Kofinanzierungsmitteln aufbringen. Über 30 Projekte hat die Region mit diesen rund 3,8 Mio. DM in den beiden Städten bis Ende 2006 umgesetzt.

LEADER zum Zweiten:
Zwei Förderregionen im Sauerland


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Ehemaliger Einkaufsmarkt in Olsberg, der nach Leerstand im Rahmen eines LEADER-Projekts in ein Ausbildungszentrum für ­Metall- und Elektroberufe umgewandelt wurde.


Die Erfolge und positiven Erfahrungen mit dem LEADER-Prozess in der Region Hallenberg/Medebach sprachen sich herum. Mit Ablauf der Förderperiode 2000 - 2006 stellte sich besonders bei den Akteuren in diesen beiden Städten die Frage, ob man mit dem Erreichten bereits zufrieden sein sollte, oder ob man sich um eine Fortsetzung bemühen sollte. Ein Blick in die neuen Richtlinien für die bevor stehende Förderperiode 2007 - 2014 zeigte jedoch, dass Bewerberregionen mindestens 30.000 Einwohner nachweisen mussten, um sich um 1,0 Mio. Euro Fördermittel bewerben zu können. Die nächste Schwelle lag bei 90.000 Einwohnern, um eine Chance auf 1,6 Mio. Euro zu bekommen. Beim Blick in die Nachbarschaft rückten für die bisher geförderte Region Hallenberg/Medebach die 6 Städte Brilon, Hallenberg, Marsberg, Medebach, Olsberg und Winterberg des Altkreises Brilon als mögliche Bewerberregion in den Focus. Und siehe da, bei der Addition der Einwohnerzahlen wies die Rechenmaschine etwas mehr als 91.000 Einwohner aus – eine ideale Größe für die zweite Förderstufe.

In einem Gespräch in Medebach wurden den Bürgermeistern der Städte des Altkreises Brilon die bisherigen Erfahrungen mit LEADER und die Idee der Bildung einer Bewerberregion Hochsauerland für die neue Periode vorgestellt. Sie stimmten dem Vorhaben mit Überzeugung zu, trugen die Idee in ihre Stadträte und alle 6 Stadträte fassten positive Beschlüsse.

Ein ähnlicher Prozess lief bei den westlich angrenzenden Städten Bestwig, Eslohe, Meschede und Schmallenberg ab. Mit zusammen rund 84.000 Einwohnern schlossen sie sich zur Bewerberregion
„4 mitten im Sauerland“ zusammen.

Beide Regionen erarbeiteten mit intensiver Beteiligung ihrer Einwohner ihre Entwicklungskonzepte und reichten sie nach dem Wettbewerbsaufruf des Landes NRW mit ihrer Bewerbung ein. Aus insgesamt 18 Bewerbern wurden 12 Förderregionen ausgewählt, wozu auch die beiden Regionen aus dem Sauerland gehörten.

Beide Regionen wurden den mit ihrer Auswahl in sie gesetzten Erwartungen gerecht. Die Region Hochsauerland setzte 70 Projekte und die Region „4 mitten im Sauerland“ 49 Projekte um.

LEADER zum Dritten:
6 LEADER-Regionen im Sauerland


Durch viele Informationsveranstaltungen und Erfahrungsberichte aus den LEADER-Regionen kamen landesweit immer mehr Akteure zu der Erkenntnis, dass das Förderprogramm LEADER eine sehr gute Möglichkeit darstellt, den Gefahren für die Zukunftschancen des ländlichen Raumes –insbesondere aus den Folgen des demografischen Wandels – entgegenzuwirken. Hinzu kam, dass das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Wettbewerbs für die neue Periode 2014 - 2020 ankündigte, es werde die LEADER-Mittel deutlich aufstocken. Das Land ermunterte die ländlichen Regionen, sich in möglichst großer Zahl an dem Wettbewerb um die Fördermittel zu beteiligen.

Das führte dazu, dass bis zu der auf den 16. Februar 2015 festgelegten Frist insgesamt 43 nordrhein-westfälische Regionen ihre Bewerbungen vorlegten, von denen schließlich nach einem umfangreichen Bewertungsverfahren 28 als Förderregionen ausgewählt wurden. Dazu gehören folgende Regionen aus dem Sauerland mit ihren von der Einwohnerzahl abhängigen Fördersummen:

– Region „BiggeLand – Echt.Zukunft“ (Attendorn, Drolshagen, Olpe, Wenden) mit 2,7 Mio. Euro

– Region „Börde trifft Ruhr“ (Ense, Fröndenberg, Welver, Werl, Wickede) mit 2,7 Mio. Euro

– Region „Hochsauerland“ (Brilon, Hallenberg, Marsberg, Medebach, Olsberg, Winterberg) mit 2,7 Mio. Euro

– Region „LEADER sein! Bürgerregion am Sorpesee“ (Arnsberg, Balve, Neuenrade, Sundern) mit 3,1 Mio. Euro

– Region „4 mitten im Sauerland“ (Bestwig, Eslohe, Meschede, Schmallenberg) mit 2,3 Mio. Euro

– Region „5verBund“ (Anröchte, Erwitte, Geseke, Rüthen, Warstein) mit 2,7 Mio. Euro.

Insgesamt können somit 16,2 Mio. Euro an LEADER-Mitteln in den nächsten 6 Jahren von den 6 Sauerländer Regionen in Anspruch genommen werden.

Was mit LEADER erreicht wurde und erreicht werden soll

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Walderlebniskate, die mit LEADER-Mitteln angrenzend an die Jugendherberge Brilon errichtet wurde. Das Gebäude wird als Ausgangspunkt fˆür Walderlebnisˆührungen genutzt.


Es ist im Rahmen dieses Beitrages nicht möglich, auf die rund 150 Projekte einzugehen, die die drei vorgenannten Regionen aus dem Hochsauerlandkreis in den beiden Förderperioden 2000 - 2006 und 2007 - 2013 umgesetzt haben. Für die letzte Periode haben aber die beiden Regionen Evaluationsberichte auf ihren Internetseiten www.leader-hochsauerland.de und www.leader-sauerland.de veröffentlicht. Dort können Informationen über die Inhalte aller Projekte und der mit ihnen erreichten Wirkungen abgerufen werden.

Beispielhaft und ohne Wertung seien nur genannt:

– die Errichtung eines Ausbildungszentrums für Metall- und Elektroberufe in Olsberg

– die Errichtung einer Infozentrale für Tourismus, Natur und Wirtschaft und eines Schwerspatmuseums in Medebach

– die Einrichtung von Ehrenamtskneipen in Bestwig und Eslohe nach Schließung der letzten privaten Kneipen in den Orten

– der Umbau einer leer stehenden Schule im Ortskern Marsberg-Meerhof zu einem Gemeinschaftshaus für Bürger und Vereine

– die Installation eines gemeindeübergreifenden Leerstands-Managements

– der Ausbau eines leer stehenden, das Stadtbild prägenden, Gebäudes im Ortskern von Hallenberg zu einem überregional beachteten Kultur- und Ausstellungszentrum

– viele attraktive Tourismus-Projekte.

Was für die schon umgesetzten Projekte gilt, trifft erst recht auf die Schwerpunkte zu, denen sich die 6 Sauerland-Regionen in der neuen Förderperiode 2014 - 2020 mit LEADER widmen wollen. Eine auch nur annähernd vollständige Darstellung würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Bei den Schwerpunktzielen gibt es aber durchaus Gemeinsamkeiten. Die Regionen wollen mit ihren Projekten dazu beitragen, die großen Einwohnerverluste in weiten Bereichen des Sauerlandes einzudämmen. Dazu wollen sie insbesondere Anreize schaffen, dass Jugendliche nicht abwandern bzw. nach ihrem Studium zurückkommen. Deshalb wollen die Regionen Arbeitsplatz-, Bildungs- und Freizeitangebote, eine ausreichende medizinische Versorgung, Mobilitätsangebote sowie lebens- und liebenswerte Städte und Dörfer vorhalten bzw. schaffen. Einige der 6 Regionen haben ihre Entwicklungsprogramme bereits auf ihren Internetseiten veröffentlicht, die übrigen werden das mit Sicherheit auch tun, sobald sie ihre Regionalmanagements eingerichtet haben und arbeitsfähig geworden sind.

LEADER liebt Mitwirkung

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Gebäude einer ehemaligen Schule in Medebach- Dreislar, die nach einem Leerstand mit LEADER-Mitteln in ein Schwerspatmuseum, Musikübungsräume und Räume fˆür die Feuerwehr umgewandelt wurde.


Eine der wichtigsten „Spielregeln“ bei LEADER besteht darin, dass die Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Region und an der Konzeption und Umsetzung des LEADER-Programms entscheidend mitwirken. Für alle, die daran interessiert sind, stehen die Türen zur Mitwirkung ohne Vorbedingungen und auch ohne die Notwendigkeit langfristiger Bindungen bei LEADER weit offen. Die Bürgerinnen und Bürger haben damit die Chance und die Verantwortung dafür, wie sich ihre Region in der Zukunft entwickelt. Allerdings soll alles, was mit LEADER-Mitteln geschieht, nachhaltig wirken und nicht schon nach kurzer Zeit verpuffen. Das ist das zweite wichtige Prinzip. Und wenn dann noch pfiffige Ideen der Bürger zu innovativen Projekten führen würden, wäre schon fast das erreicht, was ein erfolgreicher LEADER-Prozess leisten soll.

Wer das Sauerland liebt und seine Attraktivität erhalten oder sogar noch ausbauen möchte, der sollte sich überlegen, ob er nicht in einem der Gremien bei den 6 Sauerländer LEADER-Regionen mitwirken möchte. Die Erfahrung zeigt: Das lohnt sich!

Bildfreigabe: Regionalverein LEADER-Region Hochsauerland.


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