Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Stärkung der Heimatbindung –
ein Zukunfts-Thema im Ländlichen Raum

– Projektwoche der Hanse-Grundschule Medebach mit 24 Lernorten –

Horst Frese

Sauerland Heft 4/ 2015

Einführung

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Drechselvorˆührung in Düdinghausen.

Ein zentrales Zukunftsproblem unseres Ländlichen Raumes ist die drohende Überalterung der Bevölkerung im Verbund mit der Landflucht der Jugendlichen. Dies kann gravierende negative Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit der Region haben. Das neue „Gebietsbezogene Integrierte Entwicklungskonzept“ (GIEK) der LEADER Region Hochsauerland stellt dementsprechend diese Herausforderung in den Mittelpunkt seiner Projekte. Eine Erhöhung der Wertschätzung der heimatlichen Region durch Kinder und Jugendliche, also durch Stärkung ihrer Bindung an ihre Heimat, kann dem entgegenwirken. Auch die Schulen der Region sind aufgerufen, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die Projektwoche der Hanse-Grundschule Medebach leistet hierzu einen Beitrag. Sie wurde in Planung und Durchführung unterstützt von der AG der Heimatvereine in Medebach (AGHM) als Beraterin für Lernorte und preisgünstiges Reisen.

Planung und Durchführung

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Schafsaustrieb – bei der Erlebnisscheune Berge.


Die 20 Lehrerinnen der Hanse-Grundschule Medebach haben mit der Projektwoche „Medebach und seine Vielfalt“ ihren 310 Schülern die Gelegenheit geboten, den Reichtum ihrer eigenen Heimat näher zu entdecken. – Stationen mit spannender Geschichte, die gewachsenen Orte, die Natur, Bauernhöfe, Heimatstuben und Museen. Unterstützt wurden sie von mehreren Eltern und ca. 30 örtlichen Führern, zumeist Ehrenamtlern. Viele davon sind in Heimat- und Dorfvereinen angesiedelt. Den Rahmen bildete die Kampagne „Schule der Zukunft“ der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) in Recklinghausen. In der Kernstadt und den 8 Dörfern wurden bei 77 Gruppeneinsätzen 24 Lernorte besucht. Alle Fahrten wurden kostensparend mit dem Linienbusnetz kombiniert. Die Kinder haben ihre Erlebnisse in Zeichnungen, Bastelwerken und Fotogalerien in einer Ausstellung festgehalten, siehe auch unter www.grundschule-medebach.de/aktuelles.

Zielorte und Themen der Projektwoche

24 Lernorte waren beteiligt, darunter 10 von Heimat- oder Dorfvereinen betreute Lernorte:
Städtisches Museum Medebach, auch dortige Kleinbahnausstellung (Heimat- und Geschichtsverein Medebach/HGV); Schwerspatmuseum Dreislar (Förderverein Dreislar e.V.); Erlebnisdorf Düdinghausen mit Dreggestobe, Steinbrüchen als Fenster in die Erdgeschichte (Bewegung der Kontinente, Entstehung des Sauerlandes) und Freistuhlerinnerungsstätte zur Geschichte der Freigrafschaft Düdinghausen (Heimat- und Verkehrsverein Düdinghausen); Klos­ter Glindfeld – Wirken der Kreuzherren in historischer Zeit – (HGV); KUMA Oberschledorn – Planung einer Landschaft und Modellierung mit Ton (Oberschledorn Aktiv e.V.); Medebacher Geschichtsweg von Küstelberg nach Deifeld über die Heidenstraße (HGV); Wüstung in Titmaringhausen (Ortsheimatpflegerin); Dorfführung Oberschledorn (Ortsheimatpfleger); Stadtführungen Medebach (HGV); Q-Dorf (Kuh-Dorf) Referinghausen mit Milchpfad (Dorf Referinghausen).

Bewertungen
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Wiesenexkursion und Anlegung eines Herbariums in Medebach und Oberschledorn.



Für Christa Padberg-Peters und Maria Ölkrug von der Schulleitung und die Lehrerinnen der Schule war die Begeisterung der Kinder ein überzeugender Beleg für den Erfolg der Projektwoche. Die Hanse-Grundschule habe nun einen Teil des dichten Netzes von Lernorten kennengelernt und werde in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten. Horst Frese als Vertreter der AG der Heimatvereine in Medebach und des Lernorte-Arbeitskreis „Gemeinsam Aktiv im HSK“ ordnete die Projektwoche dem Leitsatz zu „Wer seine Heimat in Kindheit und Jugend schätzen lernt, wird seine Bindungen an die heimatliche Region auch im Berufsleben eher beibehalten.“ Anni Kuhler, SGV Medebach, freute sich, dass die Projektwoche den Kindern vielfältige Naturerlebnisse näher brachte, während sie sich wandernd in der Natur bewegten.

Öffnung der Schule in die Stadt hinein – wichtiges Merkmal der Nachhaltigkeit

Die Schule ist viele Partnerschaften mit Trägern verschiedenster Lernorte eingegangen – ganz im Sinne der Zielsetzung der landesweiten Kampagne „Schule der Zukunft“: „Ferner ist eine Vernetzung mit außerschulischen Partnern in der Region für alle Beteiligten der Kampagne eine Bereicherung“, sagt die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW als Leiterin der Kampagne. Durch die Einbindung von 24 Lernorten im Stadtgebiet und die Gründung von Partnerschaften mit vielen Lernortträgern wie Heimat- und Dorfvereine, Ortsheimatpfleger, Erlebnishöfe, Museen mit ihren Stadtführern, Hofführer, Natur- und Landschaftsführer sowie Geoparkführer haben die Projektwochenplaner die Schule systematisch in die Stadt hinein geöffnet und auch für zukünftige Projekte den Boden bereitet. Hierbei stieß die Schule auch deshalb auf stark engagierte Partner, weil den Akteuren der Lernorte eine Reihe von Kindern, auch einige Lehrerinnen bekannt waren.

Qualitätsstandard der örtlichen Partner

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Ein Dorˆf wird geschaffen, KUMA Oberschledorn.


Zum Erfolg trug auch der Qualitätsstandard der örtlichen Partner bei, unter denen einige in den letzten Jahren zertifizierte Natur- und Landschaftsführer bzw. Geoparkführer waren. Diese Führer sind in der Region häufig auch für touristische Besucher im Einsatz, also daher in der Kommunikation geübt. Dies kommt dann auch schulischen Gruppen zugute. Sie können auch Informations-Defizite ausgleichen, die auf Seiten der Schulen mit fehlender Ortskenntnis auswärtig wohnender Lehrkräfte zusammenhängen.

Schlanke Kostenstruktur und Einwerbung von Finanzierungsquellen

Der Schule ist es gelungen, eine schlanke Kostenstruktur zu finden – eine der Voraussetzungen dafür, um auch weitere Projektwochen motiviert anplanen zu können. Besonders hilfreich war dabei die 100%ige Vernetzung der Projektwoche mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Auch die Bereitschaft vieler Lernorte, ihre Führungen ehrenamtlich oder gegen geringe Aufwands­entschädigung anzubieten, trug zur schlanken Kostenstruktur bei und gibt der Schule Mut, auch weiterhin die Zusammenarbeit zu suchen. Der Finanzbedarf hält sich so in Grenzen und konnte durch die Eltern, den Förderverein und die NRW-Stiftung, letztere mit dem neuen Programm „Heimat-Touren NRW“, gedeckt werden. In Zukunft ist eine weitere Möglichkeit, bei frühzeitiger Darstellung des Finanzbedarfs, die Ansprache örtlicher Institutionen, besonders der Geldinstitute bzg. gewisser Zuschüsse.

Vorarbeit für weitere Projektwochen

Die umfangreiche Planungsvorarbeit für diese 1. Projektwoche (so die vielen Absprachen mit den Lernorten und das Einarbeiten in die ÖPNV-Angebote) kommt auch zukünftigen Projekttagen- und -wochen zunutze, da diese Arbeit tragfähige den Planungszeitaufwand reduzierende Grundlagen für weitere Zusammenarbeit gelegt hat. Die arbeitsteilige Einbindung des gesamten Kollegiums in die Vorplanungen, besonders der in den Orten wohnenden schon ortskundigen Lehrer­innen, hat sich bewährt. Hilfreich waren auch einige Begleitmaterialien der Lernorte, die eigens für Schulen oder allgemein für Besucher entwickelt waren. Nicht zuletzt haben die Lehrerinnen der Schule viele Lernorte zumeist im Stadtgebiet, aber auch darüber hinaus, und deren Betreuer kennengelernt. So ist eine gute Plattform für weitere Kooperationen gegeben.

Nachhaltigkeitskriterien erfüllt

Die Unterrichtsthemen haben die Themen Ökologie, Land- und Waldwirtschaft, Geschichte/Heimat, Boden, Dorfplanung behandelt. Auch ging es darum, den Schülern aufzuzeigen, dass es wichtig ist, die Vielfalt unserer Landschaft für nachfolgende Generationen zu erhalten. Durch die Kooperation mit den vielen Lernorten und ihren Betreuern war die organisatorische Komponente der Nachhaltigkeit besonders ausgeprägt. Dem Schutz des Klimas wurde durch ausnahmslose energiesparende Beförderung mit ÖPNV gedient.

Vorentwicklungen bzg. Lernorte und Führer

Die erstaunlich große Zahl der Lernorte und auch der Führer im Stadtgebiet kommt nicht von ungefähr: Nach und nach – beginnend um 1998 – begannen die Heimat- oder Dorfvereine im Stadtgebiet, sich mit der Entwicklung ihrer Orte zu beschäftigen. Dies führte zunächst zu Einzelprojekten, die teilweise schon durch die NRW-Stiftung gefördert waren. Mehrere Dörfer beteiligten sich von Anfang an an den – zukunftsgerichteten – Dorfwettbewerben neuer Art, teilweise mit beachtlichen Ergebnissen.

Ab 2001 engagierten sich Aktive der Orte hoch motiviert in Themen-AK von LEADER+. Da seitdem ununterbrochen LEADER-Verfahren laufen, besteht dieses Engagement nun schon seit 14 Jahren. Noch länger gibt es das Europäische Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht. In dessen Rahmen wurden ebenfalls attraktive Projekte geschaffen, etwa die „Naturwege“, federführend durch die Biologische Station des HSK. 2007 gab es eine Themenerweiterung durch den Beitritt zum Geopark GrenzWelten. Fünf Interessierte aus dem Stadtgebiet nahmen erfolgreich an NUA-Lehrgängen zum ZDL und zum Geoparkführer teil. Zuletzt wirkten einige Dörfer auch an Zielsetzungen der REGIONALE Südwestfalen erfolgreich mit. Der touristische Aspekt sorgte für einen besonderen Anschub. Hierbei entstanden eine Reihe von Anstößen für Projekte und für die Zusammenarbeit im Stadtgebiet. Zielgruppen sind häufig Familien. Gute Führer sind der Schlüssel zu den Lernorten. In jedem Ort gibt es nun Dorf- oder Stadtführer, welche natürlich auch ihre Lernorte präsentieren. Viele Lernorte sind in der AG der Heimatvereine in Medebach gebündelt. All dies schaffte und schafft den Boden für die Inangriffnahme zahlreicher Kultur- und Naturprojekte, welche sich auch als Lernorte eignen.

Empfehlungen für andere Grund­schulen für Projekttage/Projektwochen

An einem schulischen Ideenworkshop zur Beschlussfassung über die Durchführung einer Projektwoche könnten Vertreter der Heimatvereine und der Stadt sowie ausgewählte Führer beteiligt werden. Im zweiten Schritt kann das Programm mit der Einbeziehung der Lernorte entwickelt werden. Zusammen mit dem Durchführungsplan sollte ein Kostenplan entwickelt werden. Bei der Auswahl der Lernorte sollte auch die Erreichbarkeit mittels ÖPVN eine Rolle spielen. Nach Erarbeitung des Kostenaufwandes kann dann mit der Einwerbung von Mitteln begonnen werden, auch mit Hilfe von Tipps oder auch Vermittlungen des Bürgermeisters.

Alle Fotos: Hanse-Grundschule Medebach.


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