Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Denkmalschutz au dem Lande

Rolf Klostermann

Sauerland Heft 4/ 2015

Dörfliche Strukturen und Dörfer in der Landschaft gehören ebenso zu den Wahrzeichen unseres Landes wie der Kölner Dom und das Brandenburger Tor. Die Planungshoheit in diesem Bereich liegt gesetzlich bei Städten und Gemeinden. Aber welchen Grundsätzen soll eine solche Planung folgen? Berührt eine Planungsentscheidung für weithin sichtbare Objekte nicht das Interesse einer sehr viel größeren Allgemeinheit? Heißt Planen nicht vor allem Rücksicht auf Vorhandenes, auf unsere unersetzlichen Ressourcen, auf die Schätze unseres Landes, auf die einmalige Schönheit unserer Kulturlandschaften, auf die Kostbarkeiten deutscher Dorf- und Städtebilder? Oder ist es doch nur das Geld, das den Umgang mit unseren kulturellen Denkmälern bestimmt?

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Denkmalgerecht renoviertes Pfarrhaus in Wenden (Kreis Olpe).
Foto: Roswitha Kirsch-Stracke



So kann auch die Entscheidung über die Zukunft eines alten Bauernhofs weitreichende Bedeutung haben. Für alle Zukunft und für alle Generationen. Wir stellen uns vor: ein Hof direkt am Fluss und darüber der großartig steile Kirchenhügel mit hochragendem Schiff und Turm, die sich im Wasser vor dem Haus spiegeln, der Holzsteg daneben mit dem alten Kornspieker, so etwas ist ein Juwel. Wollen wir das opfern, nur weil beispielsweise eine Erbengemeinschaft das Haus nicht mehr braucht und lieber gewinnbringend Appartements hineinbauen will? Das würde heißen, Umbau der Scheune bis zur Unkenntlichkeit, soundsoviel Stellplätze, Abriss des Kornspiekers, die Autos immer neben der Kirchenmauer, neben dem Fluss. Um solch ein Juwel sollten wir kämpfen, da geht ein unglaublich wichtiges Stück Dorf verloren. Ein Stück Heimat. Denn es geht auch denkmalverträglich. Der Bauernhof kann durchaus Appartements aufnehmen, wenn individuelle Wohnungszuschnitte Rücksicht auf die alte Bausubstanz nehmen. Das ist anspruchsvoll, aber solche Wohnungen sind am Ende attraktiver als billigere 08/15 Lösungen. Und Stellplätze in der Scheune schonen die Autos und das Auge.

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Alte Kommende Mülheim, Westportal mit Figurengruppe St. Maria und St. Joseph (Kreis Soest).Foto: R. Scobel



Wie das Dorf in Zukunft aussehen soll, das geht jeden an und betrifft auch die nach uns kommenden Generationen. Auch sie haben ein Recht auf den Familienschmuck, den wir ohne Zutun ererbt haben. Der unser Leben verschönert hat. Wundert es da, dass 95% der Bevölkerung für den Schutz ihres baulichen Erbes, ihrer historischen Denkmäler, ihrer ablesbaren Vergangenheit sind? Es geht um den Erhalt unserer Kulturlandschaft. Das Bild des Dorfes von weitem mit seinem intakten Ortsrand, so noch vorhanden. Kaum etwas ist ärgerlicher und folgenschwerer als Gewerbegebiete und Aussiedlerhöfe, die sich maßstabslos in das jahrhundertealte Bild von Dorf und Landschaft drängen. Ärgerlich, weil sie lange behutsam Gewachsenes mit einem Schlag entwerten. Um im demografischen Wandel überlebensfähig zu bleiben, helfen dem ländlichen Raum nur attraktive Lösungen, Qualität statt Quantität. Anstatt Zersiedlung muss die Devise sein, die vorhandene Substanz zu nutzen und den Bestand entsprechend weiterzuentwickeln.

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Die Tenne des Stracken Hof (ältestes steinernes Bauernhaus im kurkölnischen Sauerland) in Sundern-Endorf (Hochsauerlandkreis) während und nach der Restaurierung. Foto: Elisabeth Tebbe



Und wir müssen ein Auge auf die sogenannten Kleinigkeiten haben. Das Dorf lebt von den vielen Nebensächlichen. Spiekern, Scheunen, Zäunen, Toren, Backhäusern, Wegekreuzen, Kapellen, Bienenhäusern, Taubenschlägen, nicht mehr genutzten alten Ställen. Vieles ist allein schon dadurch gefährdet, dass der sogenannte Bestand ein neues Baurecht erlaubt. Wir müssen nach Lösungen suchen, damit der alte Bestand auch wirklich bestehen bleibt. Das gilt auch für das Gelände im Dorf. Wir sollten keine Bauerngärten für weitere PKW-Stellflächen opfern. Ein Bulldozer kann in einer halben Stunde den ganzen Reiz einer Dorfstraße weghobeln. Die Alten haben sich immer erhöhte Standorte zum Bauen gesucht. Wenn Straßenbauer unbekümmert den neuen Asphalt immer auf die alte Decke kippen, dann gehen die alten Häuser unter und werden feucht. Warum nicht das alte Pflaster erhalten? Ja, es ist lauter, aber es kann Leben retten. Es gibt keine bessere Geschwindigkeitsbegrenzung.

Kommen wir noch einmal zur Natur zurück. Der Dorfanger, die Streuobstwiesen zwischen den Häusern, Bleichwiesen, Gänsetümpel, der Dorfbach neben der Straße, die alten Wege zwischen den Grundstücken, das grüne Netz der Straßenränder, das sind die großen Schätze eines Dorfes, die wir nicht antasten sollten. Sie bestimmen das Gesicht eines Dorfes, mehr als wir ahnen. Sie brauchen nur in ein zubetoniertes sauber bereinigtes Dorf zu gehen, um das zu erkennen.

Wir sollten uns gute Vorbilder suchen. Es ist immens wichtig, dass die lokalen Gremien in Politik und Verwaltung immer neu hinzulernen. Denkmalbehörden, Heimatbünde, Architektenkammern, regionale Interessengemeinschaften und Vereine sowie die Ortskuratorien der Deutschen Stiftung Denkmalschutz können helfen, passende Objekte und Lösungen für eine Besichtigung zu finden. Dabei sollten auch bauwillige Bürger eingebunden werden. Auch ein Denkmalbauhof ist ein gutes Besichtigungsobjekt, wird dort gutes, altes Baumaterial aus Abrissen denkmalwerter Bausubstanz für eine künftige Verwendung bevorzugt an Denkmälern zentral gesammelt und bereitgestellt. So lassen sich beispielsweise auch für alte Dächer noch passende Ersatzpfannen für eine Reparatur finden.

Und was wäre ein Dorf ohne seinen Friedhof. Wir sollten alte Grabsteine in Ehren halten, auch wenn es längst keine Angehörigen mehr gibt. Friedhöfe sind die Geschichtsbücher des Dorfes. Und es ist ebenso wichtig zu begreifen, dass wir nur ein kleines Glied in einer endlosen Kette sind. Vielleicht haben wir dann auch mehr Achtung vor denen, die nach uns kommen.


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