Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Das Jagdgesetz wurde modernisiert
Anmerkungen von Wilfried Stichmann

Sauerland Heft 3/ 2015

Gemessen an dem Aufruhr vor der Ratifizierung des „ökologischen Jagdgesetzes“ sind die Veränderungen, die es bringt, nicht umwerfend. Der Heimat- und Naturfreund, der selbst kein Jäger ist, wird bestenfalls langfristig eine Wirkung erwarten. Die Novelle betrifft die Modernisierung der Liste der jagdbaren Wildarten, die bessere Regulation der Wildbestände und die Berücksichtigung einiger weiterer Aspekte des Tierschutzes. Alle drei Themenfelder hätten zum Vorteil der freilebenden Tierwelt zwischen Jägern und Politik einvernehmlich gelöst werden können, wenn dem gesunden Menschenverstand mehr Spielraum gelassen worden wäre
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Laubwald

Laubwald im Gegenlicht. Foto: wikia.com


Dass es an die 100 „jagdbare Tierarten“ gab, von denen zwei Drittel niemals gejagt werden durften, war Laien schon immer schwer zu erklären. Die Zeiten, da alle Kreaturen von einer gewissen Größe an aufwärts erbeutet wurden, sind lange vorbei. Greifvögel und Schwarzstörche, Reiher und Rohrdommeln waren nur aus historischen Gründen bislang „jagdbare Tiere“ geblieben. In Wirklichkeit sind sie ganzjährig streng geschützt. Wer sie schützen und sich für ihr Wohl einsetzen darf, ist den Schützlingen egal, ebenso ob das nach Jagd- oder nach Naturschutzrecht geschieht. Einen Aufstand hätte es in dieser Frage nicht geben brauchen, zumal die bedrohten Arten viele Wohltäter und Freunde gebrauchen können. Bis auf 29 sind sie jetzt alle expressis verbis nicht mehr „jagdbar“.

Schwieriger ist da schon die längst überfällige Annäherung an eine ökologisch vertretbare Lösung des Wald-Wild-Problems. Nachdem viele Niederwildreviere in der intensiv genutzten Agrarlandschaft auch trotz jagdlicher Zurückhaltung mehr oder weniger wildfrei geworden sind, konzentriert sich das jagdliche Interesse auf den Wald, wo auch für den Wanderer vielerorts unübersehbar ist, dass er unter dem überhöhten Besatz an Pflanzenfressern leidet. Das ökologische Jagdgesetz will sicherstellen, dass die Wälder ihren unterschiedlichen Funktionen, ihrer Multifunktionalität, gerecht und weder reine Holzäcker noch vorrangige Jagdreviere, weder Freizeitparks noch ungenutztes Wildland werden. Die Förster stehen hier vor der schwierigen Aufgabe, ihr Fachwissen zusammen mit allerlei neuen Erkenntnissen so einzubringen, dass die verschiedenen Funktionen miteinander in Einklang stehen. Dazu soll ihnen das neue Landesjagdgesetz den rechtlichen Rahmen durch direkten Einfluß auf die Abschußplanung über regelmäßige Verbiss- und Vegetationsgutachten, durch die Einschränkung der Wildfütterung und die Untersagung der Anlage und Unterhaltung von Wildäckern im Walde sichern. Auch werden nach neuem Recht die Waldbesitzer ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es darum geht, wie hoch die Wildbestände sein sollen. An eine Ausrottung des im Arnsberger Wald seit über 100 Jahren eingebürgerten Sikawildes ist nicht gedacht, wohl an die des Muffelwildes, das in unserem Lande keinen geeigneten Lebensraum und künftig auch kein ihm zugesichertes Verbreitungsgebiet mehr hat.

Eine Anpassung der Bestände aller großen Pflanzenfresser an das Nahrungs­angebot, die schon seit über 50 Jahren diskutiert wird, soll nun überall ernsthaft umgesetzt werden. Das aber ist nur in enger Zusammenarbeit von Forst und Jagd möglich, weshalb es dringend geboten ist, den Grabenkrieg und die Totalitätsansprüche zu beenden.

Umstritten ist auch das strikte Verbot des Abschusses von Katzen. Mancher Jäger hat schon in der Vergangenheit ein Auge zugedrückt, wenn er Omas Liebling im Revier begegnete. Jetzt muss er es. Doch das Problem der Übervermehrung der geliebten Räuber in der Feldflur ist damit nicht erledigt. Hier wird man nach anderen Auswegen suchen müssen (z. B. Sterilisierung), wenn verschiedene Vogelarten und Kleinsäuger noch eine Überlebenschance haben sollen. Erlaubt bleibt die Fallenjagd, allerdings nur mit zweimal täglich kontrollierten Lebendfallen und unter Beachtung weiterer Auflagen.

Was Wanderer und Waldbesucher sonst noch bemerken werden, ist, dass es in Mondnächten seltener knallt. Nur Schwarz- und Raubwild darf künftig noch zur Nachtzeit bejagt werden. Die Zeit, in der Schalenwild gefüttert werden darf, wurde auf drei Monate vom 1. Januar bis 31. März verkürzt. Die Polizei muss informiert werden, wenn Schalenwild in einen Wildunfall verwickelt ist. Nur Hochsitze als jagdliche Einrichtungen dürfen nach neuem Recht nicht betreten werden. Jeder vernünftige Naturfreund wird allerdings auch weiterhin Fütterungen und deren Nachbarschaft meiden.

Auch für den Jäger enthält das ökologische Jagdgesetz einige Selbstverständlichkeiten, so die Forderung, dass bei der Nachsuche und der Jagd auf Wasserwild brauchbare Jagdhunde zu verwenden sind – und eigentlich nicht nur da. Andere Neuerungen sind nur für praktizierende Waidgenossen von Bedeutung, so die Einführung eines jährlichen Schießnachweises, das Angebot von Fallenlehrgängen, der Verzicht auf Abschusspläne für Rehwild, die Verringerung der Jagdpachtdauer von 9 auf 5 Jahre. Dass die obligatorischen Trophäenschauen für Rotwild künftig entfallen, soll den Abschied von der „Trophäenjagd“ symbolisieren, bedeutet für manchen Heimatfreund aber auch, die Teilhabe an der Freude und am Stolz am „König heimischer Wälder“ zu verlieren.

So bringt das neue Gesetz sehr wohl einige wichtige Neuerungen. Ob es die Ziele, die es anstrebt, erreicht, wird erst die Zukunft zeigen. Einige heiß umstrittene Paragrafen sind noch im Laufe der Anhörungen und der parlamentarischen Ausein­andersetzung abgewandelt oder gestrichen worden, wie unter anderem die Wiedereinführung der Jagdsteuer. Für den Test, ob das Gesetz die erwarteten Fortschritte bringt, aber ist zunächst die Rückkehr zu einer konstruktiven Zusammenarbeit erforderlich. Der Ernst der Lage schreibt diesen Schritt zwingend vor.


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