Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

“Kulturpflege ist Sache von jedermann – und jederfrau“
Jörg Fröhling

Sauerland Heft 3/ 2015

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Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg bei seiner Festrede zum Thema Kulturregion Sauerland.


Heimat – ein Begriff, der heutzutage gleichsam „weit weg“ ist? Oder – schlimmer noch – nichts mehr mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun hat, im Zeitalter von ständiger Optimierung und weltweiter Vernetzung durch Facebook & Co? Als „Gegenmittel“ zu solchen Befürchtungen empfiehlt sich ein Besuch beim Sauerländer Heimatbund (SHB). Zum Beispiel bei der diesjährigen Mitgliederversammlung (SHB), die Ende August in Grevenbrück stattfand. Hier wurde deutlich, dass „Heimat“ viele Menschen bewegt – und zwar insbesondere dazu, zu entdecken und zu gestalten.

Die Mitgliederversammlung ist dabei immer auch ein Stück „Leistungsschau“ des Sauerländer Heimatbundes. Sie zeigt, wie vielfältig das Spektrum ist, das Heimatfreunde mit ihrer Arbeit „beackern“. Und dass es dabei keineswegs nur um Vergangenes geht, sondern insbesondere auch um die Gestaltung der Zukunft. Ausdrücklich würdigten zum Beispiel Stefan Hundt, Bürgermeister der gastgebenden Stadt Lennestadt, und Frank Beckehoff, Landrat des Kreises Olpe, die klare Positionierung des Sauerländer Heimatbundes in der Diskussion um den Ausbau der Windenergie.

Rund 200 Heimatfreunde konnte SHB-Vorsitzender Elmar Reuter bei bestem Spätsommerwetter in Grevenbrück begrüßen. Grund für den Ort der Zusammenkunft: Der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e.V. blickt auf 875 Jahre Orts- und Heimatgeschichte zurück. Das Jubiläumsjahr und die Aktivitäten der Gastgeber haben den Heimatbund also ins Veischedetal geführt. Ein besonderer Gruß von Elmar Reuter galt dem 1. Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, Engelbert Stens, und den Frauen und Männern, die ihn tatkräftig unterstützen.
In seinem Tätigkeitsbericht wies Elmar Reuter insbesondere auf die Stellungnahme des Sauerländer Heimatbundes zu den Windkraft-Planungen der Arnsberger Bezirksregierung hin. Zwar habe, so der SHB-Vorsitzende, als Reaktion auf die massive Kritik die NRW-Landesregierung in einem zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) Abstand von der verbindlichen Vorgabe genommen, in Südwestfalen 18.000 Hektar als „Vorranggebiet“ für die Windkraft auszuweisen. Trotzdem bleibe die Region aufgefordert, „möglichst“ 18.000 Hektar „Vorranggebiete“ auszuweisen. Unverändert würden aber Windkraftanlagen von den Bürgerinnen und Bürgern vielfach als Bedrohung wahrgenommen, erklärte Elmar Reuter: „Wann endlich kommt der Masterplan Energiewende, der unter Beteiligung aller Kräfte in ganzheitlicher Betrachtung über alle politischen, wirtschaftlichen und technischen Ebenen, den Umschwung in der Energieversorgung solide steuert?”

 

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Die Teilnehmer der Exkursion zur Peperburg nahmen aus dem umfassenden Vortrag von Engelbert Stens viele interessante Eindrücke mit. Foto: Martin Kuschel

Elmar Reuter betonte auch, dass die Reihe der Werkstattgespräche fortgesetzt werden soll – in Zusammenarbeit mit der Südwestfalen-Agentur. Der Prozess sei dabei bewusst offen angelegt: „Wichtig ist uns nach wie vor auch Nicht-Mitglieder mit diesem Angebot zu erreichen, aus denen vielleicht neue Mitglieder werden.“ Zahlreiche positive Rückmeldungen gebe es auf die behutsame Weiterentwicklung der Zeitschrift „Sauerland“ – sehr zur Freude des neuen Redaktionsleiters Hans-Jürgen Friedrichs und seines technischen Mitstreiters Hubert Schickhoff: „Alles in allem eine Ermutigung so weiter zu machen.“

Nicht befriedigend sei dagegen die Mitgliederentwicklung des Sauerländer Heimatbundes. Es gelte deshalb, die Ziele des SHB noch stärker in der Öffentlichkeit bekannt zu machen: „Wir wollen neue Formen des Engagements für diese Ziele unterstützen und praktizieren, indem wir z. B. nicht nur auf die bloße Vereinsmitgliedschaft setzen, sondern auch projekt- oder anlassbezogen Mitarbeit zulassen.“ Und keineswegs sei Heimat eine „Alterserscheinung“, unterstrich Elmar Reuter: „Für soziale Gerechtigkeit sowie die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der heutigen Zeit können sich Jung und Alt bestens gemeinsam engagieren, ungeachtet der generationenspezifischen Interessen.“
Ebenso gab Elmar Reuter einen kurzen Sachstand zur Neuauflage des Plattdeutschen Wörterbuches: Vor der Veranstaltung hatte Dr. Werner Beckmann vom Sauerländer Mundartarchiv ein Beispiel für den Aufbau der Seiten übergeben – die Arbeitsgruppe aus Manfred Raffenberg, Ursula Mathweis und Klaus Baulmann hat mit der konkreten Vorbereitung der Druckvorlagen begonnen. Dennoch wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis man zum Ende gelangt ist.

Der SHB-Vorsitzende erinnerte auch an Siegfried Richter, den langjährigen Leiter der Arnsberger Westfalenpost-Redaktion, der Ende Juli im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Siegfried Richter hat 1971 die Redaktion der Zeitschrift „Sauerland“ übernommen. Nach finanziellen Krisenjahren für das Blatt habe er mit seiner professionellen journalistischen Sicht auf die Region und die Menschen, die hier leben, eine Wende geschafft: „Ihm war es gelungen, attraktiv und aktuell das Bild des Sauerlandes zur Geltung zu bringen.“

Engelbert Stens, der engagierte Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück, begrüßte ebenfalls die Gäste aus dem gesamten kurkölnischen Sauerland und lud sie gleichzeitig zum großen Jubel-Festzug ein.

Bei den – unvermeidlichen – Formalia der Zusammenkunft konnten die SHB-Mitglieder feststellen, dass die Finanz- und Kassenlage des Vereins gut ist. Eine Entlastung für den Kassenverwalter und den gesamten Vorstand waren die Folge. Versammlung und Vorstand dankten auch der Geschäftsführerin Karin Kraft für die gute Arbeit in der Geschäftsstelle. Für Schmunzeln bis Heiterkeit sorgte im Anschluss der von vier Frauen aufgeführte plattdeutsche Sketch „De Operation te Heime“.
Im Zentrum der Versammlung stand aber der Vortrag „Kulturregion Sauerland“ von Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, der von seinen Zuhörern mit anhaltendem Applaus bedacht wurde. Der Vortrag wird im vollen Wortlaut in der Ausgabe 4/2015 von SAUERLAND abgedruckt werden.


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Pfarrer Friedhelm Rüsche und Hans-Joachim Keßler beim ökumenischen Gottesdienst in plattdeutscher Sprache. Foto: HSK


Ist das Sauerland eine Kulturregion? Fraglos nicht in der Art wie etwa die Bodenseeregion, Thüringen oder Sachsen, so Thomas Sternberg. Das Sauerland habe nur wenige große prägende Figuren der Literatur, der Kunst, der Musik oder der Architektur in Deutschland hervorgebracht. Neben einer reichen Geschichte gebe es aber auch aktuell zahlreiche „hidden champions“, so der Wissenschaftler – das Festival für textile Kunst in Schmallenberg, die Arbeit der Kunstvereine oder die Festspiele Balver Höhle seien nur einige Beispiele. Gleichzeitig brach Thomas Sternberg eine Lanze für eine echte regionale Kulturförderung – die derzeitige Praxis werde den lokalen Gegebenheiten und vor allem der Breite der Region nicht gerecht. Kulturarbeit sei viel zu wichtig, um sie selbsternannten Experten zu überlassen, forderte Thomas Sternberg: „Kunst ist ein Lebensmittel, auch und gerade hier im Sauerland. Wir tragen Verantwortung für die Weiterentwicklung der Kultur. Kulturpflege ist nicht die Sache von beamteten Fachleuten, sondern von jedermann und jederfrau.“

Vom „Lebensmittel“ Kunst und Kultur gab es anschließend reichlich bei fünf nachmittäglichen Exkursionen in Grevenbrück und Umgebung. Den Abschluss des Tages markierte ein Ökumenischer Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus – natürlich vollständig in Plattdeutsch zelebriert von den Pfarrern Friedhelm Rüsche und Hans-
Joachim Keßler, unterstützt von den Lektoren Dr. Werner Beckmann und Engelbert Stens. Trompeten-Soli und mächtiger Orgelklang gaben den musikalischen Rahmen, auch für diese Liedzeile:

Bewahr dei Welt viär Kreyg un Brand
Un halle deyne Siägenshand
O leiwe Hiär
Üewer uese Siuerland
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