Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

875 Jahre Grevenbrück – und ein Ort feiert!
Walter Stupperich

Grevenbrück 05

Ansicht Peperburg: Rekonstruktionsversuch von Reinhold Bicher nach der Beschreibung, die der ehemalige Förder Pfarrer J. P. Wiegers 1866 verfasst hat.
Quelle: Südsauerlandmuseum Attendorn


Ganz im Zeichen des 875jährigen Bestehens steht Grevenbrück im Jahr 2015. Dem ehrenamtlichen Engagement vieler Grevenbrücker Bürgerinnen und Bürgern ist es zu verdanken, dass die Planungen für dieses Jubiläumsjahr jetzt weitgehend in trockenen Tüchern sind.

Die Geschichte rund um die Veischede und um die Peperburg begann im Jahr 1140, also vor 875 Jahren. In einer Urkunde aus dem Jahr 1140, die das Landesarchiv Müns¬ter als Kopie zur Verfügung stellte, wird erstmals ein Henricus de Gevore erwähnt, der als Gründer der Ortschaft betrachtet werden kann. Henricus de Gevore residierte auf der Burg Gevore (Förde), später genannt „Peperburg“.

Diese Burg war im 12. Jahrhundert bis Anfang des 13. Jahrhunderts der Sitz der Edelherren von Gevore. Sie waren Herren und Verwalter eines Grafschaftsbezirks, der sich, späteren Quellen zufolge, vermutlich über eine Fläche von ca. 1100 qkm zwischen Ebbegebirgskamm, Kahlen Asten, Homert, Rothaarkamm und Römershagen erstreckte.

Die Burg lag strategisch günstig auf einer Anhöhe über der Mündung der Veischede in die Lenne. An diesen Flussufern erstreckt sich heute Grevenbrück. Von der Burg aus konnten die Burgherren drei Fernstraßen kontrollieren, den „Römerweg“ zwischen Bonn und Paderborn, die „Bergstraße“ nach Arnsberg und die „Heidenstraße“, die Köln und Leipzig verband. Wann die Edelherren von Gevore die Burg bezogen, ist noch unklar. Die Grabungen in den Jahren 1980 bis 1986, durchgeführt vom Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück und dem Westfälischen Museum für Archäologie, weisen für den freigelegten Bereich auf eine Nutzung zwischen 1150 und dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts hin.

Die Edelherren von Gevore gehörten zu den hochadeligen Geschlechtern des Mittelalters. Obwohl sie nicht vom König direkt belehnt und damit keine Grafen im eigentlichen Sinne waren, übten sie im Gebiet der Grafschaft Förde, später Bilstein, gräfliche Rechte aus. Auf der Burg Gevore lebten nachweislich drei Generationen der Edelherren von Gevore. Um 1220 siedelte Edelherr Dietrich I. von Gevore von der Burg Gevore bei Grevenbrück auf die Burg Bilstein über und nennt sich nun Dietrich von Bilstein (vir nobilis de bylstene).

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Die vermutliche Ausdehnung der Grafschaft Bilstein nach einer Quelle des 2. Viertels des 15. Jahrhunderts.
Zeichnung: J. Pietrzak in Anlehnung an A.K. Hömberg

875 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung, lädt die Grevenbrücker Dorfgemeinschaft zu zahlreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr ein. Auf Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück und des besonderen Engagements ihres Vorsitzenden Engelbert Stens bildete sich bereits im Jahr 2012 die „ARGE 2015 – 875 Jahre Grevenbrück“ mit Torsten-Eric Sendler als 1. Vorsitzendem. Diese ARGE ist „die organisatorische Klammer der Grevenbrücker Vereine“, so der 1. Vorsitzende Sendler. Neben dem Vorstand und seinen Beisitzern wurde 2014 noch ein Beirat berufen, in den die örtlichen Vereine ihre Vertreter entsandt haben. Für die im Jubiläumsjahr anstehenden verschiedenen Events bildete man kleinere Gruppen, die sich um die Organisation und die Durchführung dieser Feiern verantwortlich kümmern.

Bereits am letzten Jahreswechsel fiel der Startschuss. In der Nacht vom 31. Dezember 2014 zum 1. Januar 2015 begrüßte die Grevenbrücker Bevölkerung das Jubiläumsjahr gemeinsam in der Schützenhalle. Schon diese Silvesterparty war ein Highlight. Mit Livemusik vom Feinsten, einem großen Silvesterbüfett und einem musikalisch unterlegtem Feuerwerk wurde das Jubiläumsjahr begrüßt.

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Vorstand der ARGE 2015 bei der Gründung im Jahr 2012 mit Grafenehepaar-Darstellern. Foto: Walter Stupperich

Ein weiterer Höhepunkt war die „Grevenbrücker Musikwoche“ im Mai. Zunächst präsentierte am 13. Mai die „Offene Tür“ (OT) Grevenbrück und das Kulturkartell Lennestadt in Kooperation mit der „ARGE 2015“ das „Rock’n Roll Barbecue“ in und um die bis auf den letzten Platz besetzte OT. Während im „Underground“ drei Rock- und Punkbands das Trommelfell der Besucher beackerten, kamen in der Teestube vor allem Anhänger der ruhigeren selbstgemachten Töne auf ihre Kosten. – Am Donnerstag, dem 14. Mai, begrüßten die „Original Ruhrpottsteierer“ alle Grevenbrücker sowie Gäste mit zünftiger Volksmusik zum Vatertagsfrühschoppen auf dem Schützenplatz, organisiert von der ARGE. – Den Höhepunkt der Musikfestwoche bildete dann am 16. Mai die Neuauflage des legendären Folklore-Festivals „Folk in den Bergen“ in den Veischedewiesen. Zwischen 1974 und 1983 gab es in Grevenbrück bereits sieben international besetzte erfolgreiche Festivals der Folk-Musik. Die „Tannahill Weavers“ und die schottische Folklegende Dougie MacLean traten an diesem Tag nach 30 Jahren erstmals wieder gemeinsam auf. Hochkarätige Musik boten während des zwölfstündigen Programms insbesondere der Headliner Gregor Meyle sowie die Newcomerin Madeline Juno, die Soulsängerin Y’Akoto und die Band „Jamaram“. Es war eine fantastische Veranstaltung, das durchwachsene Wetter hatte keinen Einfluss auf die gute Stimmung.

Im Juli lockt vom 3. – 12. Juli ein Kohlenmeiler mit einem abwechslungsreichen Programm. Jeder Tag steht unter einem eigenen Motto. Sowohl Abenteuer¬übernachtungen für Kinder als auch mehrere kulturelle Höhepunkte stehen auf dem Programm.

Am 29. August findet dann die diesjährige Mitgliederversammlung des Sauerländer Heimatbundes in der Schützenhalle statt. Nach den Jahren 1928 und 1935 ist Grevenbrück damit zum dritten Male Ausrichter dieses Heimattages. Der Heimat- und Verkehrsverein hat zusammen mit der Stadt Lennestadt ein abwechslungsreiches Programm für diesen Tag ausgearbeitet. Als Festredner konnte Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, ein Sohn des Ortes, gewonnen werden.

Am gleichen Tag soll die Ortschronik „875 Jahre Grevenbrück“ der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Seit 2012 ist eine 13-köpfige Arbeitsgruppe des Heimat- und Verkehrsvereins dabei, die Grevenbrücker Geschichte in Wort und Bild in einer rund 750-seitigen Chronik vorzustellen.

Hoch hergehen wird es dann mit erwarteten mehreren tausend Gästen am zweiten Septemberwochenende. Entlang des Veischedeufers, der Twiene, findet am 12. und 13. September ein Historischer Markt statt. Hier entführen mehrere Themenwelten die Besucher in längst vergangene Zeiten. Ritterfestspiele, eine historische Kirmes, ein kleiner Viehmarkt, mittelalterliche Verhandlungen des Femegerichtes unter Linden – das sind nur einige Aktvitäten, die auf dem Programm stehen.

Gekrönt wird dieses Wochenende vom Historischen Festumzug am 13. September. Die Organisation dieses Festzuges hat der Heimat- und Verkehrsverein übernommen. Der Umzug mit mehr als 50 Programmpunkten wird durch den ganzen Ort führen. Zu sehen sein werden neben den Motivwagen und Fußgruppen zu heimatgeschichtlichen Themen auch historische Zugmaschinen, Pferdegespanne und Oldtimer (Auto, Motorräder, Fahrräder). Nach dem jetzigen Stand werden sich mehr als 300 Teilnehmer aktiv am Umzug beteiligen.

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres findet am 23. und 24. Oktober ein kulturelles Großereignis der besonderen Art statt: Die Grevenbrücker Jugendchöre werden das von ihrer Leiterin Christa Maria Jürgens geschriebene Musical „Die Pfeffersäcke“ auf der Bühne der Grevenbrücker Schützenhalle uraufführen. Insgesamt werden 150 Jungen und Mädchen die beiden Abende zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Die Handlung des Musicals spielt zu Zeiten der Edelherren von Gevore – also im 12. Jahrhundert.

„Wir wollen mit den Feierlichkeiten den Zusammenhalt im Ort weiter stärken“ sagt Torsten-Eric Sendler, der Vorsitzende der ARGE 2015.


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