Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Der Wald im Wandel
Wilfried Stichmann

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Buchenwald (bzw. Buchen-Mischwald) im Sauerland; hier Blick in die Naturwaldzelle Nr. 18, Hellerberg im Arnsberger Wald.
(Wald und Holz NRW, Forstl. Dokumentationsstelle, Foto: U. Schulte)

Die Zeit der ausufernden Fichten-Monokulturen ist vorbei. Die Rotbuchen und die Mischwälder haben wieder eine Zukunft. Und damit ist die Zeit gekommen, einige weit verbreitete Irrtümer zu korrigieren, die selbst sprachlich einen Niederschlag fanden.
Da war für manche Menschen der Wald „der Rest der Urnatur“. Und selbst in der Gliederung geographischer Fachbücher las man „Die Kulturlandschaft und der Wald“; man suggerierte, der Wald sei gewissermaßen das Gegenstück zur Kulturlandschaft. Spätestens jetzt, wo wir über die künftigen Baumarten unserer Wälder diskutieren, müsste allen Wanderern, Natur- und Heimatfreunden bewusst werden, dass alle unsere Wälder in Mitteleuropa Teile der Kulturlandschaft sind und auch früher schon waren. Sie verdanken ihr jeweiliges Gepräge dem Menschen. Urwälder gibt es in Deutschland streng genommen nirgendwo mehr. Jeder Hektar mit Bäumen bestandener Fläche ist in der Vergangenheit durch menschliches Wirken, d. h. durch Nutzung verändert worden und nicht mehr so, wie er von Natur aus ursprünglich einmal war und sich ohne den Menschen weiterentwickelt hätte.

Deshalb können wir auch durch künftigen Verzicht auf eine Nutzung eines Waldes nicht wieder zum Urwald gelangen. Ebenso wie eine einmal ausgerottete Tierart auch durch aufwendigste Zuchtmethoden nicht wieder zurückgewonnen werden kann, ist auch der Urwald seit seiner erstmaligen Veränderung durch den Menschen unwiederbringlich verloren, weil Teile des Biotops verändert sind. So kann es in Deutschland keine „Urwälder aus zweiter Hand“ oder „Urwälder der Zukunft“ geben. Ebenso wenig werden aus Heckrindern wieder Auerochsen.

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Blick in einen Fichtenforst.
(Wald und Holz NRW, Forstl. Dokumentationsstelle, Foto: H. D. Kratsch)
 

Deshalb ist es schon richtiger, die 8000 aus der Nutzung genommenen Hektar Wald „Wildnis“ und nicht „Urwald von morgen“ zu nennen und auch beim Namen „Heckrinder“ zu bleiben.

Sich darüber hinaus der Tatsache bewusst zu sein, dass die Wälder allesamt ebenso wie Wiesen und Felder, Siedlungen und die anderen von Menschen gestalteten Landschaftselemente zur Kulturlandschaft gehören und ausnahmslos einem Wandel unterworfen sind, der auch schon in der Vergangenheit stattfand, ist gerade in unserer Zeit hilfreich.

Es gibt Waldgebiete, an denen dieser Wandel besonders eindrucksvoll verdeutlicht werden kann. Der ehemals Opelsche Besitz im Arnsberger Wald, zwischen dem Restaurant Torhaus (an der B 229 von Soest nach Arnsberg) und dem Walddorf Neuhaus gelegen, gehört dazu. Hier ist gut zu demonstrieren, wie sich im Laufe der Geschichte mit den Funktionen auch die Waldbilder veränderten.

Bevor die Menschen großflächiger eingriffen, war auch dieser Bereich – wie der mit Abstand größte Teil des gesamten Sauerlandes – von Rotbuchen beherrscht. Durch die Pflanzensoziologie und die Pollenanalye bestätigt, kann grob ein Bild dieser ursprünglichen Wälder, der „Urwälder“, entworfen werden. Der erste Wandel durch menschliches Wirken erfolgte durch die Begünstigung lichtliebender Arten. Bäume wurden geringelt und gefällt und die Naturverjüngung der Bäume durch Beweidung behindert. Sukzessive entstanden die typischen Bilder der bäuerlichen Waldnutzung durch Waldhude, Streuentnahme, Holznutzung und Übernutzung. Wie diese Wälder aussahen, verraten uns bis auf den heutigen Tag die Wuchsformen mancher Bäume in den historischen Marken, die Nieder- und Mittelwälder, die Anpflanzung der zunehmend bevorzugten Eichen usw. Die Entwicklung führte gerade in den Mittelgebirgen vielerorts zu mehr oder weniger unbewaldeten Höhen und Hängen, die nur noch als Weideland genutzt wurden. Zumindest herrschten niederwaldartige Strukturen vor, die man so beschrieb: Ein Eichhörnchen habe zwar von Belecke bis nach Arnsberg (diagonal durch den Arnsberger Wald) von Ast zu Ast springen können, man habe den Wald aber auch queren können, ohne einen einzigen Stamm Bauholz zu finden.

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Der Wald war früher Lebens- und Wirtschaftsraum: Jagd, Holznutzung, Waldweide und Waldmast der Schweine. (aus: Beck, D. Johann Jodocus: Tractatus de iurisdictione forestali: Frankfurt und Leipzig 1767)

In den hier näher betrachteten ehemaligen Marken löste die Eiche in den Tallagen um Heve und Schmalenau, aber auch auf den Höhen die Rotbuche so großflächig ab, dass in den Karten bereits von „Eichenwald“ die Rede ist. Viel Buchenwald verschwand, als der Fabrikant Hammacher von den Bauern deren inzwischen aufgeteilten Markenwald aufkaufte und in etlichen Meilern zu Holzkohle verarbeiten ließ. Ganz andere Interessen verfolgte der Bankier Donner, der rund 800 Hektar gattern ließ und in einen gro¬ßen, stark bestückten Wildpark mit hirschverwandten Pflanzenfressern verwandelte. In dieser Funktion, die sich auf angrenzende Bereiche ausweitete, verblieben die Waldungen und prägten die Waldbilder. Erst nach 1977 traten mit Ankäufen durch das Land Nordrhein-Westfalen Naturschutzfunktionen und mit Gründung des Naturparks die Freizeitnutzung stärker in den Vordergrund. Mit den unterschiedlichen Interessen des Menschen änderte sich auch die Kulturlandschaft Wald etliche Male bis auf den heutigen Tag, wobei Wirtschaftlichkeit und Holzproduktion zwischendurch jene riesigen Fichten-Reinkulturen entstehen ließen, die auch weiterhin den falschen Eindruck entstehen lassen, die Fichte sei die naturgegebene Baumart des Sauerlandes.

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Moderne Schwachwindanlage vom Typ Nordex N117/2400 auf 141-Meter-Hybridturm im Windpark Hohenahr, Hessen.
(Ando, Wikimedia Commons)

Dieser kursorische Rückblick auf die Wald- und Forstgeschichte und die historischen Kulturlandschaften erklärt die Vielfalt der in manchen Regionen überkommenen Waldbilder. Er unterstreicht auch die Notwendigkeit, heute – an einem Wendepunkt – der Zielbestimmung für die Entwicklung des waldbeherrschten Viertels unserer Kulturlandschaft dem Wandel eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Zeit des weiteren Wachstums der Fichten-Monokulturen scheint überall vorüber zu sein. Wie weit jedoch die Bevorzugung heimischer Gehölzarten und eine größtmögliche Mischung standortheimischer Artenvielfalt als Beitrag zu einer naturnahen Forstwirtschaft realisiert werden, wird sich von Ort zu Ort unterscheiden. Weil die Wälder immer mehr unterschiedliche Funktionen wahrzunehmen haben, werden multifunktionale Wälder die Regel sein. In welchem Umfang Wälder für die Erhaltung der Artenvielfalt aus der Nutzung genommen werden müssen, bedarf noch weiterer Untersuchungen. Ob die Naturschutzziele besser durch möglichst großflächige Wildnisgebiete oder durch Vergrößerung bestehender Naturwaldzellen und durch deren optimale Verteilung über das Land zu erreichen sind, darf nicht im Hauruck-Verfahren entschieden werden, weil die Entscheidung erhebliche Auswirkungen auf heimische Waldgebiete haben wird. In möglichst allen Wäldern sowohl Holz zu produzieren als auch Natur zu schützen, ist die hohe Kunst des Forstmannes, Wälder zu bewirtschaften, denen die Segregation in Stangenäcker, Wildparks, touristische Rummelplätze, Weihnachtsbaumkulturen usw. in der Vergangenheit nicht gut getan hat.

Überschattet würde der hier angesprochene Aufbruch in eine neue Epoche der Waldgeschichte durch die Realisierung von Plänen, mit Windkraftanlagen auch in die Waldgebiete vorzudringen und nach der Agrarlandschaft auch noch die Wälder als Lebensraum und Rückzugsgebiete der Pflanzen- und Tierwelt zu entwerten. Gut beraten wäre jede Regierung, die die bislang weitgehend praktizierte Betrachtung der Wälder als Tabubereiche für Windkraftanlagen für die Zukunft festschreiben würde. Der in unserer Zeit eingeleitete Wandel der Wälder hin zu größerer Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit aller ihrer Funktionen verträgt sich nicht mit dem Bau von Windrädern als Riesen in ihrem Umfeld
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