Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Heimatarbeit in Grevenbrück
Der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück stellt sich vor

Franz-Josef Schütte

Grevenbrück 01

Plakat des Sauerländer Heimattages in Grevenbrück, 1935
Foto: Museum der Stadt Lennestadt, Slg. Gemeindearchiv Kirchhundem

Am gleichen Ort, an dem in diesem Jahr die Hauptversammlung des Sauerländer Heimatbundes tagen wird, kamen schon vor 87 Jahren, vom 1. - 3. September 1928, Heimatfreunde aus dem gesamten Sauerland zum sechsten Sauerländer Heimattag zusammen. Der gastfreundliche Doppelort Förde-Grevenbrück bot schon damals mit seiner schmucken Schützenhalle ein ideales Umfeld für größere Veranstaltungen. Verbunden waren die Heimattage – sie standen unter dem Leitgedanken „Jugend und Heimat“ – mit der 9. satzungsgemäßen Hauptversammlung des Sauerländer Heimatbundes.

Die günstigen örtlichen Voraussetzungen mögen auch der Grund dafür gewesen sein, dass bereits sieben Jahre später, 1935, wiederum ein Sauerländer Heimattag hier stattfand. Oder gingen die beiden Großveranstaltungen etwa bereits auf die Initiative eines besonders fleißigen „Verkehrsvereins Grevenbrück“ zurück, der 1927 gegründet worden war? Dieser hatte sich zum Ziele gesetzt, „das Landschaftsbild des Ortes und der Umgebung zu verschönern, Anlagen zu errichten und zu unterhalten, Fremde zu werben und somit den Interessen der Einwohnerschaft zu dienen“.1

Bereits 1934 betrieb der Verein z. B. auf eigene Kosten ein modernes Freibad. Natürlich wurde er in der NS-Zeit, wie viele andere Vereine auch, politisch „gleichgeschaltet“. Wenige Jahre später begann der Zweite Weltkrieg und viele Männer wurden zur Wehrmacht eingezogen: der eingetragene Verein musste 1941 kriegsbedingt seine Auflösung beschließen. Fortan kümmerte sich die politische Gemeinde Grevenbrück um die Belange des Vereins, ehrenamtlich unterstützt von den verbliebenen örtlichen Heimatfreunden.

Nach dem Krieg – bereits im Juni 1946 – wurde in der historischen Gastwirtschaft Kersting an der „Gräfenbrücke“ der Heimatverein Grevenbrück als Nachfolger des ehemaligen Verkehrsvereins aus der Taufe gehoben. Vorsitzender war Josef Börger. Dem Verein war nur ein kurzes Leben beschieden, denn bereits 1948 gründete sich ein sogenannter „Heimatschutzverein“. Dieser übernahm für fast ein Vierteljahrhundert unter dem Dach des Westfälischen Heimatbundes die Aufgaben und Ziele des bisherigen Heimatvereins und verband sie mit den Traditionen des damals noch verbotenen Schützenwesens.

Am 1. Juli 1969 verlor die politische Gemeinde Grevenbrück ihre Selbstständigkeit. Aufgrund der Gemeindereform wurde der Ort ein Teil der neuen Stadt Lennestadt mit dem Zentrum in Altenhundem. Durch den einsetzenden Auf- und Ausbau des City-Bereiches fühlten sich die Randzonen der neuen Stadt – dazu gehörte auch Grevenbrück – stark vernachlässigt.

Mit der „Peperburg“ fing alles an


Grevenbrück 02

Freigelegtes Mauerwerk der Ruine Peperburg.
Foto: HuVV Grevenbrück

Immer wieder waren damals in Grevenbrück Stimmen laut geworden, der mittelalterlichen Burgruine Gevore-Förde oberhalb von Grevenbrück ihre Geheimnisse zu entreißen. Ein sehr großer Teil der alten Gemäuer war zwar bereits im 19. Jahrhundert einem Steinbruchbetrieb zum Opfer gefallen, aber der Verlauf der verbliebenen Grundmauern zeichnete sich, von Erdreich bedeckt und mit Gras und Gebüsch überwuchert, noch deutlich am Boden ab. Was lag näher, als diese Gebäudereste freizulegen, um sie gegebenenfalls später vielleicht touristisch zu nutzen? Sogar der Landeskonservator hielt eine Restaurierung der Burgruine, in der Bevölkerung „Peperburg“ genannt, für erstrebenswert. Immerhin war die Burg, deren Anfänge bis dahin im Dunkeln lagen, im zwölften Jahrhundert strategisch und verwaltungsmäßig von erheblicher Bedeutung gewesen.

Von dieser Burg aus verwalteten damals die einflussreichen Edelherren von Gevore einen großen Teil des Sauerlandes, ein Gebiet von mehr als 1000 km². Ein Henricus de Gevore wird erstmals 1140/41, vor 875 Jahren, urkundlich erwähnt. Seit spätestens 1225 residierte Dietrich, ein Nachfolger des Henricus, auf der neu erbauten Burg Bilstein, während vermutlich eine Nebenlinie des Geschlechtes noch etwa 40 Jahre lang die Burg Gevore-Förde bewohnte.

Neugründung des Heimatvereins

Aus dem Wunsch der Bevölkerung heraus, den Ort Grevenbrück neu zu beleben, wurde Anfang 1972 der „Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück“ – 45 Jahre nach seiner Erstgründung – als gemeinnütziger Verein erneut ins Vereinsregister eingetragen. Zum Vorsitzenden wählte man Hermann Schneider, den Autor der im Ort stark beachteten und diskutierten Schrift „Hat Grevenbrück noch eine Zukunft?“.2

Die Ruine gibt Geheimnisse preis

Nach dem plötzlichen Tod des Vorsitzenden im Jahre 1979 übernahm Theodor Schneider die Vereinsleitung. Mit neuem Schwung widmete er sich den Plänen zur Ausgrabung und Restaurierung der Peperburg. Schon im Frühjahr 1980 konnten die Grabungsarbeiten auf dem Burggelände beginnen, nachdem alle zuständigen Stellen – das Amt für Denkmalschutz in Münster, der Regierungspräsident in Arnsberg und die Stadt Lennestadt als Grundstückseigentümerin – grünes Licht gegeben hatten. Die wissenschaftliche Betreuung des Projektes übernahm Dr. Sigrid Lukanow.3 Da zunächst noch nicht mit öffentlichen Finanzmitteln zu rechnen war, griffen etliche Vereinsmitglieder zu Schaufel und Hacke. Bei Wind und Wetter verbrachten sie einen großen Teil ihrer Freizeit „auf der Burg“, leisteten unbezahlte und unbezahlbare Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Kubikmeter um Kubikmeter Erdreich mussten aufgenommen, mühsam durchsucht und schließlich beiseite gekarrt werden. Später wurden auch Archäologie-Studenten bei den Ausgrabungsarbeiten eingesetzt.

Zahlreiche Fundstücke förderte man zu Tage, die auf eine reiche Ausstattung und eine höfische Lebensweise auf der Burg hindeuteten: Keramikteile und Glasscherben, teilweise vergoldete Beschläge oder Beschlagstücke, Schlüssel und Schlösser aus Eisen bzw. Buntmetall und Nägel. Jeder Fund musste sorgfältig datiert, inventarisiert und gezeichnet werden, um ihn der weiteren wissenschaftlichen Analyse zugänglich zu machen. Die Grabungsarbeiten endeten 1986. Sie waren zwischenzeitlich von der Stadt Lennestadt und vom Kreis Olpe großzügig gefördert worden. Dr. Lukanow hat die Ergebnisse der Grabungen später zusammengefasst und dokumentiert.4

2014 wurde in der Justizvollzugsanstalt Attendorn in mühsamer Handarbeit auf einer 3 m x 3 m großen Grundfläche ein Modell der Burg Gevore-Förde (Peperburg) angefertigt. Da bildliche Darstellungen der ehemaligen Burg nicht existieren, stützte man sich einerseits auf die Ausgrabungsergebnisse aus jüngster Zeit und andererseits auf die Angaben von Pfarrer Wiegers, der um 1866 die gesamte Burganlage, wie er sie noch kannte, beschrieben hat.

Von der Heimatstube zum Museum

Im Heimatverein Grevenbrück drängte sich bald die Frage auf, wie man einen Teil der Fundstücke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. Durch den Umzug der Stadtverwaltung nach Altenhundem stand das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Grevenbrücker Ortsmitte großenteils leer. Die Stadt Lennestadt zeigte sich bereit, einige Räume darin dem Heimatverein zur Einrichtung einer Heimatstube zur Verfügung zu stellen. Jetzt konnten die zahlreichen historischen Gegenstände, die der Heimatverein in vielen Jahren bereits zusammengetragen hatte, ihren Platz finden.

Aus diesen bescheidenen Anfängen heraus entwickelte sich der Gedanke, in dem Gebäude ein Museum der Stadt Lennestadt einzurichten.5 Die Stadt sorgte für die Herrichtung und eine moderne Ausstattung des Gebäudes. 1993 konnte das Museum eröffnet werden. Inzwischen ist es aus der heimischen Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Aufgrund eines Kooperationsvertrages zwischen dem Heimatverein und der Stadt Lennestadt leisten Vereinsmitglieder auch heute noch ehrenamtlich Dienst im Museum. Der Verein ist zudem Eigner der weitaus meisten Exponate. – Theodor Schneider hat die Eröffnung des Museums, für das er sich sehr eingesetzt hatte, nicht mehr miterlebt. Er verstarb 1990. An seiner Stelle übernahm Engelbert Stens den Vorsitz im Verein und führt ihn, über 25 Jahre hinweg, bis heute.

Grevenbrück 03

Treffen an der „Scheune“ des Heimatvereins. Foto: B. Stahl

Einige der wertvollen Fundstücke aus der Peperburg-Grabung werden in der sogenannten „Schatzkammer“ des Museums der Stadt Lennestadt ausgestellt. Neben der Dauerausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland 1850 - 1955“, konzipiert von Susanne Falk M.A., werden seit 1993 unter Mitwirkung oder auf Initiative des Vereins in unregelmäßigen Abständen Sonderausstellungen gezeigt, die zahlreiche Besucher aus nah und fern anziehen. Neben Ausstellungen der Werke heimischer Künstler und Handwerker fanden Sonderausstellungen wie „Spielzeug und ‚Spiëlkrom‘ im Sauerland“ (2001), „Licht und Schatten – Glaube und religiöses Leben im Sauerland 1850 – 1970“ (2006) und „Wir machen Musik... Musik und Gesang im Sauerland 1850 - 1980“ (2009) überregionale Beachtung.

Seit Ende 2013 hat das Museum der Stadt Lennestadt einen „Ableger“ bekommen: im aufwendig renovierten Bahnhofsgebäude, dem „ess- und KulturBahnhof“, ist eine Zweigstelle des Museums eröffnet worden, in der Sonderausstellungen und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden. Im Obergeschoss des Gebäudes soll demnächst die Eisenbahn- und Industriegeschichte unseres Raumes dargestellt werden.

Alte Landtechnik – in der „Scheune“ gesammelt

Der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück ist nicht nur in die Museumsarbeit eingebunden, er leistet satzungsgemäß auch einen erheblichen Beitrag zur Verschönerung des Ortes, zur Information der Einwohner und zum Erhalt alter Bräuche und Kulturtechniken sowie der plattdeutschen Sprache.

Um historische Techniken im landwirtschaftlich geprägten Umfeld des Ortes stilecht vorführen zu können, hat der Verein 1992 eine Halle im Fachwerkstil errichtet, in der landwirtschaftliche Geräte und Maschinen aus früheren Zeiten sicher und geschützt gelagert werden können. Neben unzähligen kleineren Gerätschaften finden auch große Stücke wie Dreschmaschine, Leiterwagen, Strohbinder, der vereinseigene Traktor und sogar ein Original-Leichenwagen hier ihren Platz. Zudem können auf dem umgebenden Gelände alte landwirtschaftliche Techniken, wie sie noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf Bauernhöfen üblich waren, vorgeführt und teilweise sogar von Schülergruppen erprobt werden, z. B. Besen binden, Sensen „dengeln“ oder Seile drehen. Vor allem in der Sommerzeit treffen sich die Vereinsmitglieder gern in der „Scheune“ zur Arbeit oder zum geselligen Gedankenaustausch.

„Jahresheft“ und Ortschronik

Seit 34 Jahren gibt der Heimatverein zur Information seiner Mitglieder und der Bevölkerung zur jährlichen Hauptversammlung ein „Jahresheft“ heraus, das immer wieder regen Zuspruch findet. Anfangs bestanden die Hefte nur aus hektografierten Schreibmaschinentexten und Bildkopien, die geklammert und mit einem Leinenstreifen fixiert wurden. Man berichtete über Ereignisse im Ort und im Vereinsleben und stellte alte Urkunden vor. Die Qualität und der Umfang der Hefte konnte von Jahr zu Jahr gesteigert werden. Heute ist daraus ein aufwändig gestaltetes Heft mit thematisch breit gefächerten Beiträgen in professionellem Layout und durchgehendem Farbdruck geworden. Seit mehr als 30 Jahren schreibt Walter Stupperich die Jahreschronik, die alle wichtigen Ereignisse im Ort festhält – ein interessantes Nachschlagewerk auch für spätere Generationen. – In diesem Zusammenhang muss das reichhaltige Foto- und Filmarchiv erwähnt werden, das der Verein angelegt hat und ständig ergänzt – eine Fundgrube für Ortshistoriker. In mehrjähriger Teamarbeit ist zudem inzwischen eine Ortschronik druckfertig erstellt worden. Sie wird zur Versammlung des SHB als Buch vorliegen.

Ein hölzerner Glockenturm in der Ortsmitte

Zahlreiche Aktionen, unseren Ort schöner und lebenswerter zu gestalten, hat der Heimatverein in den vergangenen Jahren durchgeführt. Sie können hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden. Besonders stolz ist man aber auf den Glockenturm aus massiven Eichenbalken, der 2002 am Förder Platz in der Nähe der katholischen Kirche errichtet wurde. Hier hängt ein Nachguss der uralten „Schweineglocke“, einer der ältesten noch erhaltenen Glocken Westfalens. Sie wurde der Sage nach im 12. Jahrhundert schon auf der Peperburg geläutet.6 Zu bestimmten Anlässen und in der Silvesternacht wird auch die heutige Glocke zum Klingen gebracht.

Sorgenfalten

Der Heimat- und Verkehrsverein mit seinen ca. 240 Mitgliedern und die Grevenbrücker Bevölkerung haben jedoch auch aktuelle Sorgen: die Stadt Lennestadt hat aus finanziellen Erwägungen – ausgerechnet im Jubiläumsjahr – die Veräußerung des denkmalgeschützten und das Ortsbild prägenden Gebäudes beschlossen, obwohl darin außer dem Museum auch noch das Stadtarchiv sowie eine häufig genutzte Heimat- und Landeskundliche Bibliothek untergebracht sind. Derzeit wird intensiv nach Lösungen gesucht, um das Gebäude für die Öffentlichkeit zu erhalten. Eine komplette Übernahme der Sammlungen des bisherigen Museums in das renovierte Bahnhofsgebäude scheint – schon aus räumlichen Gründen – nicht möglich zu sein.

Herzlich willkommen!

Trotz dieser Sorgen freut sich der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück im Jubiläumsjahr des Ortes – 875 Jahre Grevenbrück – auf die Hauptversammlung des Sauerländer Heimatbundes und heißt alle Gäste schon jetzt herzlich willkommen.

1 „Die Heimatbewegung in Förde“, in: Sonderbeilage der Westdeutschen Volkszeitung zum 6. Sauerländer Heimattag.
2 Hermann Schneider: Hat Grevenbrück eine Zukunft? – Versuch einer Antwort. Grevenbrück 1975
3 Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Museum für Archäologie – Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Nebenstelle Olpe.
4 Dr. Sigrid Lukanow: Die Burg Förde – Peperburg – bei Grevenbrück. Schriftenreihe des Kreises Olpe, Reihe B, Nr. 1. Olpe 1997
5 Die Entwicklung des Museums der Stadt Lennestadt und die Dauerausstellung werden ausführlicher beschrieben in SAUERLAND Nr. 4/2007; darin: F.-J. Schütte, Die Stadt Lennestadt leistet sich ein eigenes Museum. S. 189 ff.
6 Vgl. SAUERLAND, Nr. 1 / 2002; S. 7


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