Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke


Die alte Firma „Gebrüder Kemper“ in Olpe

Eine Momentaufnahme der alten Gebäude,
bevor sie dem Abrissbagger zum Opfer fielen

von Gretel Kemper

Im Jahr 1864 in einem Gemüsegarten gegründet, beging die Firma „Gebrüder Kemper“ am 19. September des Jahres 2014 mit einer Feier in der Stadthalle, mit einem Tag der Offenen Tür und einem Festabend für die Betriebsangehörigen, ihren 150. Geburtstag. Vor 50 Jahren, beim 100-jährigen Jubiläum 1964, standen die alten Gebäude und Schuppen noch. An ihnen konnte man den Beginn der Industrialisierung in Olpe verfolgen. Die Firma war, da sie in der heutigen Innenstadt lag, für die Olper ein alltäglicher Anblick. 1974 an den Stadtrand von Olpe, nach Rüblinghausen, ausgesiedelt und in Zeiten der internationalen Geschäfte nun ohne den Zusatz „Gebrüder“, existiert KEMPER, heute in 5. Generation und immer noch in Familienbesitz, in neuer alter Frische.

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„Die alte Firma“, Öl auf Leinwand, 1971

Ich malte dieses Bild für meinen Mann als Erinnerung an die alte Familienfirma, bevor sie im folgenden Jahr abgerissen werden sollte.

Von meinem „Ausguck“ in der obersten Etage des „Neubaus“ links sah ich fasziniert, wie sich die verschiedensten Dachformen und –farben, wie sich Dachpappe, Plastik, Ziegel und Pfannen ineinander schachtelten. Ich sah Sheddächer in gerader und runder Form, Lichtgauben, Dachfenster und gelbe Folien, verschiedenste Wandlösungen in Ziegel oder Beton, Fachwerk und Rohmauern, verputzte Wände, gestrichene Wände, Grautöne in allen Farben - ein Zeugnis davon, wie 100 Jahre lang die Firma durch An-, Um- und Neubauten, Reparaturen und Änderungen, Modernisierungen und Umstrukturierungen den jeweiligen Bedürfnissen angepasst wurde, das Ganze scharf begrenzt von drei Straßen: Der Martinstraße, der Friedrichstraße und der Bergstraße.

Um alles richtig festzuhalten, machte ich Skizzen aus dem eben erwähnten „Neubau“ heraus, auf der anderen Seite bot sich das Klo-Fensterchen der Werkswohnung von Meister Fritschen an, das sich im Türmchen vom weißen Kontorhaus befand.

Der Hintergrund des Bildes soll darauf hinweisen, dass die Firma im Jahr 1864 in einem reinen Gartengebiet entstand. Weit vor der Stadt lag der Garten der Familie Franz Anton Hesse, den Tochter Theresia in die Ehe mitbekommen hatte. Wir können sicher sein, dass sie nicht sehr glücklich war, als ihr Mann Johann-Anton Kemper gerade hier, wo bisher ihre Kartoffeln, Bohnen und Möhren wuchsen, die Fertigung von Scharnieren beginnen wollte. Aber Standortüberlegungen gab es nicht, der Gemüsegarten war da, er wurde genutzt.

Das kleine Holzhaus rechts oberhalb vom Büro mit dem Türmchen soll der älteste erhaltene Teil sein, den noch der Gründer Johann-Anton selbst benutzt hat. Hier saßen die beiden Herberts, Senior und Junior, bis zum Abriss in ihrem kleinen, bescheidenen Büro, fußkalt, da nicht unterkellert.

Ich zeichnete aber die Firma nicht nur von oben, ich saß auch in der Martinstraße in meinem Auto, um die „Schauseite“ des Objektes „richtig“ festzuhalten. Während dieser Zeit sah ich so viel vom Alltag der Menschen, dass ich versuchen musste, das ins Bild zu integrieren: Im Werksgelände oben rechts im Bild ist deshalb ein junger etwas rothaariger Mann zu sehen, der den damals brandneuen „Afro-Look“ trug, feste Rastalocken rundum. Er war der erste Jugendliche in Olpe mit dieser, den Schwarzafrikanern nachgemachten Haartracht, mit der man zu der Zeit großes Aufsehen erregen konnte – und wollte. Darüber einer der ersten Gabelstapler, ein Wunder der damaligen Zeit. Ich sah, kaum dass der „Pilot“ eifrig hin und her fuhr, wie immer erst einer, dann zwei, manchmal auch drei Männer aus den Toren kamen, jede Arbeit im Stich ließen, um fasziniert zuzusehen, wie sich diese kleine, wendige Maschine hin und her bewegte, drehte, Lasten aufnahm und wegfuhr.

Im Vordergrund Schwester Ludina, die immer eilig, und natürlich zu Fuß, von einem Kranken zum anderen eilte, und die einfach zum Stadtbild von Olpe gehörte.

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Firma KEMPER im Jahr 2014.

Das Bäckerei- und Lebensmittelgeschäft Rötz, gegenüber der Firma gelegen, war ein wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt. Wenn es auch nicht erlaubt war, während der Arbeit Bier zu trinken, war es doch üblich, sich dort hin und wieder eine kleine Stärkung zu holen. So beobachtete ich einen richtigen „Männerwechsel“. Auf dem Hinweg zur „Quelle“ gingen die Männer leichten Schrittes in aufrechtem Gang über die Straße, vier oder fünf leere Flaschen baumelten an den Händen. Beim Rückweg jedoch, wenn die vollen Flaschen ihr Gewicht hatten, war der Oberkörper gebeugt, vor allem wenn eine Flasche, mit dem Oberarm an den Leib gepresst, transportiert werden musste. Im Vordergrund des Gebäudes die Gießerei. In früheren Jahren, als die Firma noch Großguss anfertigte, gab es eine spezielle Methode, trotz der kleinen Tür, die man hier sieht, das Werkstück aus der Gießereihalle heraus zu bekommen: Die Ziegelwand wurde einfach in gewünschter Größe „geöffnet“, das Werkstück herausgebracht, und während das Pferdefuhrwerk die Last zur Bahn nach Kreuztal, später nach Olpe, transportierte, wurde die Wand wieder sorgfältig mit den gebrauchten Ziegeln geschlossen – bis zum nächsten Mal.

Das habe ich leider nie selbst gesehen. Das war schon zu meiner Zeit „Geschichte“. Gesehen habe ich die „moderne Form“, wie die gegossenen Produkte in der Halle schon auf Lastwagen geladen, auf die Reise zum Kunden geschickt wurden: Im Vordergrund – so sieht man es auf dem Bild – verlässt ein Lastwagen mit seiner Fracht das Tor der Gießerei. Wenn so etwas notwendig war, ergab sich immer das gleiche Schauspiel – die Türflügel öffneten sich, der Lastwagen fuhr etwa zwei Meter vor, bis an den Rand des Bordsteins, ein Helfer hielt, heftig winkend, den Verkehr auf der linken Seite der Bundesstraße an, ein anderer winkte dem Gegenverkehr und hielt die Autos auf der rechten Seite an, ein dritter winkte dem Lastwagen, weitere gaben sachkundige Urteile ab, Fußgänger sammelten sich interessiert – dann fuhr der Wagen plus Anhänger gaaanz langsam im rechten Winkel auf die Straße, um darauf vorsichtig in die gewünschte Fahrtrichtung einzubiegen und damit die Bundesstraße wieder frei zu geben.

Übrigens – das Bild zeigt einen Schornstein, den es dort nie gegeben hat. Er soll die in der Familie überlieferte Geschichte am Leben erhalten, die mit einem Schornstein zu tun hat: Die zweite „Gebrüder“- Generation kaufte 1894 das Feinblechwalzwerk „Bruchwalze“ im Biggetal. Einer der drei Chefs fuhr nun regelmäßig mit dem Zug bis Sondern, „um nach dem Rechten zu sehen“. Er setzte sich in den Wartesaal, ließ den Buchhalter kommen, blickte in das Kontobuch, blickte durch ein Fenster auf den Schornstein, dem kleine Wölkchen entquollen, und sagte beiläufig: „Jeder Puff een Taler“! In diesem Bild sind nun der Schornstein und seine Wölkchen aus der Familiengeschichte verewigt.

150 Jahre Firma KEMPER in Olpe

1864 Beginn der „Charnierfabrik“ Gebrüder Kemper durch den Stadtverordneten und Gastwirt Johann-Anton Kemper und seinen Bruder Eduard, weit vor der Stadt im Gemüsegarten seiner Frau

1884 Umstellung des bearbeiteten Materials von Eisen auf Kupfer, Beginn der Metallgießerei

1893 Kauf des Saßmicker Kupferhammers

1899 Kauf der Rüblinghauser Hütte, die zum Kupferwalzwerk ausgebaut wird

1921 Die Wasserräder werden durch Turbinen ersetzt, die Firma erzeugt eigenen Strom

1928 Die Kupferhütte in Rüblinghausen wird gebaut

1962 Beginn der Stranggussfertigung

1974 Umweltauflagen und fehlender Platz führen zur Aussiedlung des Werkes aus der Stadt nach Olpe-Rüblinghausen

1882 Auf- und Ausbau des Walzwerkes in Rüblinghausen

2013 Baubeginn von Werk 4 Im Laufe der Jahre haben sich aus dem Werkstoff Kupfer drei große Produktbereiche entwickelt

– Walzbänder aus Spezialkupfer, bis zu 0,08 mm dünn, für die Elektronik und Autoindustrie.

– Armaturen und ganze Systeme für die Gebäudeinstallation ( speziell für besondere Hygieneanforderungen) zum Regulieren, Messen, Absperren.

– Gussteile für Wasserinstallationen, die von Kemper-Kunden weiter bearbeitet werden.

Also drei Produktgruppen für drei verschiedene Märkte, drei „Beine“, die Stabilität verleihen.

Heute leitet neben zwei fremden Geschäftsführern ein Vertreter der 5. Kemper-Generation das Werk. Insgesamt sind ca. 800 Personen beschäftigt, davon 700 in Olpe.


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