Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke


Bericht über die zweite Demographie-Werkstatt
des Sauerländer Heimatbundes

von Franz-Josef Rickert

Wie angekündigt fand die zweite Demographie- Werkstatt des Sauerländer Heimatbundes am 25. Oktober 2014 in der Tagungsstätte des alten Bahnhofs in Grevenbrück statt. Die stellvertretende Vorsitzende Birgit Haberhauer-Kuschel konnte zusammen mit den Referentinnen und Referenten insgesamt 35 Teilnehmer begrüßen. Das schöne Ambiente des restaurierten historischen Gebäudes sowie die gut geführte Gastronomie leisteten ihren eigenen Beitrag zum Gelingen.

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Frau Andrea Hankeln vom „NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport“ bei ihrem Referat.

Ein Ausschnitt – das Plenum bei der Arbeit.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Demographischer Wandel – Strategien für das Ehrenamt“ war offen für alle Interessierten.

Der Morgen war geprägt von den Vorträgen der 4 Referentinnen und Referenten. Dass diese das Interesse der Zuhörer trafen, zeigte sich an vielen Nachfragen, die schon während der Referate und in einem Diskussionsblock vor der Mittagspause erfolgten.

Ehrenamtliches Engagement heute: Chancen, Herausforderungen, Gestaltungsmöglichkeiten“ so lautete der Titel des Impulsreferates von Andrea Hankeln. Sie ist Referentin im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat 214, Bürgerschaftliches Engagement, Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen.

Aus ihrem professionellen Blickwinkel unterschied Frau Hankeln, gebürtige Sauerländerin, zunächst zwischen den Begriffen „Ehrenamt“ und „bürgerschaftliches Engagement“. Während ersteres im ursprünglichen Sinn ein ehrenvolles freiwilliges unentgeltliches öffentliches Amt ist, stehen beim bürgerschaftlichen Engagement ebenfalls die Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit aber zusätzlich die Gemeinwohlorientierung im Vordergrund. Frau Hankeln referierte dann sehr anschaulich über wissenschaftliche und statistische Erkenntnisse: Die Gruppe der 31- bis 45-jährigen und die Männer engagieren sich am häufigsten. Potenzial bietet die wachsende Zahl der „jungen“ Senioren ab 60, die meist gut ausgebildet sind und nach sinnvollen Tätigkeiten suchen. Zitat: „Die 68er kommen in die Jahre, ein Schatz, den man heben muss.“

Die Bereitschaft zum freiwilligen ehrenamtlichen Engagement ist hoch und trifft auf vielfältige Themen. Grundlage für erfolgreiches Engagement ist ein Mindestmaß an Organisation und Führung. „Engagement braucht Leadership“ heißt ein Projekt der Robert-Bosch-Stiftung, das sich mit diesen Fragen befasst. Zudem gehört zum erfolgreichen Agieren eine Anerkennungskultur, deren wichtigste Kriterien sind: Umgang auf Augenhöhe, Mitbestimmung, Qualifizierungsangebote, Erstattung der anfallenden Kosten, Aufmerksamkeit schenken, Danke sagen, feste Ansprechpartner. Neben den traditionellen Formen haben sich neue Formen des freiwilligen Engagements entwickelt, die dem steigenden Gestaltungswillen entgegenkommen. Diese Entwicklung macht eine große Veränderungsbereitschaft auf Seiten der Organisationen und der traditionellen Strukturen notwendig.

Dass der Versicherungsschutz, den das Land für das freiwillige Engagement bietet, ein weiteres wichtiges Thema ist, zeigten viele Nachfragen. Ebenso wurde Für und Wider der vom Land über die Kommunen angebotenen Ehrenamtskarte diskutiert. Im Kreis Olpe ist die Ehrenamtskarte bereits flächendeckend eingeführt. (Informationen unter www.mfkjks.nrw.de oder unter www.ehrensache.nrw.de).

Bemerkenswert und erfreulich zugleich ist der Hinweis der Referentin, dass eine Stadt im Sauerland mit ihrer Unterstützungskultur des freiwilligen Engagement besonders positiv hervorsticht. Gemeint ist die Stadt Arnsberg, deren Modelle mehrfach ausgezeichnet wurden und über die in vielen überregionalen Medien berichtet wurde.

Als Schützenverein lebendig und attraktiv – trotz des demografischen Wandels. Hubert Stratmann vom Schützenverein Altenilpe-Sellinghausen erzählte begeistert und begeisternd über die Arbeit eines in der guten Tradition der Sauerländer Schützen stehenden kleineren Vereins. Dem Verein gehören 285 Mitglieder an, aber nur 118 wohnen vor Ort. Die Einbindung der Jungen in die Vereinsarbeit funktioniert unproblematisch. Der schlank gehaltene Vorstand bindet die Mitglieder auf Augenhöhe ein und überträgt Aufgaben und Verantwortung auf viele Mitglieder. Darin liegt auch die Motivation zur Mitarbeit. Zudem werden die Veranstaltungen und sonstigen Verpflichtungen auf bestimmte, wenige Ereignisse beschränkt. Dies alles führt dazu, dass Vorstand und Mitglieder nicht überlastet werden. Auch Kandidaten für den Schützenkönig gab es bislang immer in ausreichender Anzahl, weil die Verpflichtungen im engen Rahmen bleiben. Der Schützenverein ist der größte Verein in den Ortschaften. Er bildet deshalb vielfach die Klammer für die örtlichen Vereinsaktivitäten. Mit den anderen Vereinen im Ort kooperiert man gut. Teilweise organisiert man die Veranstaltungen gemeinsam und unterstützt sich gegenseitig. „Da ist die Welt noch in Ordnung“ resümierte ein Teilnehmer. (weitere Informationen unter www.sellinghausen.de)

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Ebenfalls ein Ausschnitt aus dem Plenum, diesmal während des Referates von Frau Hankeln.

Das Podium am Nachmittag. V. l. n. r.: Hans-J. Friedrichs, Martin Kuschel, Barbara Sträter-Müller, Hubert Stratmann, Franz-J. Rickert.

Dagmar Sträter-Müller aus Bad Fredeburg referierte sodann anschaulich zu dem Thema: Die Frauen-Geschichtswerkstatt Sauerland – aktiv und erfolgreich in freier Zusammenarbeit. Die Aktiven haben es bisher vermieden, sich als Verein zu organisieren. Sie finden über ihre Veranstaltungen neue Mitarbeiterinnen und Interessierte. Aktuell gehören der Frauengeschichtswerkstatt etwa 20 Frauen an. Diese erkunden und dokumentieren ehrenamtlich die Lokal- und Regionalgeschichte von Frauen im Sauerland. Das große Engagement macht es möglich, auf hohem Niveau in Bereichen zu arbeiten, die Sensibilität und Akribie erfordern. Mit Recherchen und Interviews von Zeitzeuginnen werden Bilder vom Leben der Frauen im Sauerland früher und heute erstellt. Exkursionen, Vorträge und Seminare stehen regelmäßig auf dem Programm. Über die Erkenntnisse zur Sozial- und Kulturgeschichte im Sauerland gibt es mittlerweile mehrere Veröffentlichungen: Der Band „Mescheder Frauen in der Geschichte“ diente als Einstieg. Der zweite Band „Gewandelte Lebenswelt – ein Erinnerungsmosaik“ befasst sich mit Stimmen sauerländischer Frauen aus dem 20. Jahrhundert. Der dritte Band „Fremde Heimat“ dokumentiert das Leben deutscher Frauen aus Russland im Sauerland. (Vertiefende Informationen unter www. meschede.de Stichwort: Frauengeschichtswerkstatt Sauerland) Ebenfalls ein Ausschnitt aus dem Plenum, diesmal während des Referates von Frau Hankeln. Das Podium am Nachmittag. V. l. n. r.: Hans-J. Friedrichs, Martin Kuschel, Barbara Sträter-Müller, Hubert Stratmann, Franz-J. Rickert.

Erfolgsfaktoren im Trägerverein Alter Bahnhof e.V. Attendorn mit dem Projekt Bürgerzentrum, so lautete der Titel des Referates von Martin Kuschel aus Attendorn. Hier engagieren sich Bürger in einem eingetragenen Verein bezogen auf ein konkretes Projekt. Der Alte Bahnhof Attendorn ist ein stadtbildprägendes Gebäude und gleichzeitig Zeitzeuge der industriellen Entwicklung der Stadt. Deshalb hat der Verein sich vorgenommen, etwas Einzigartiges zu schaffen, das dem zentralen Charakter der sich modern entwickelnden Innenstadt von Attendorn entsprechen soll. Kulturelles Zentrum, Ort der Begegnung, offen für alle, das sind einige der vielfältigen Eigenschaften, die die Initiatoren dem alten Bahnhof verleihen möchten. Nicht nur die Investitionssumme von über 3 Mio. Euro stellt den Verein vor besondere Herausforderungen sondern auch Vorbehalte und Widerstände aus verschiedenen Bereichen. Dass dieses Projekt der Steigerung des urbanen Charakters und der Aufenthaltsqualität in der Stadt dient, muss in hohem Maße vermittelt werden. Ebenso, dass die mit dem Projekt verbundene innerstädtische Attraktivitätssteigerung ein Rezept gegen die negativen Folgen des Demographischen Wandels ist.

Das Projekt wird unter anderem durch das Landesprogramm „Initiative ergreifen“ gefördert und ist damit an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft. (Weitere Informationen unter www.buergerhaus-alter-bahnhof.de)

Schon vor der Mittagspause entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den Referentinnen und Referenten. Die Anzahl der Teilnehmer und der Zuschnitt des Tagungsraumes machte es möglich, diese ausgesprochen fruchtbare Diskussion am Nachmittag im Plenum fortzusetzen. Näheres dazu siehe den Absatz Fazit.

Fazit:

Die zweite Demographie-Werkstatt des Sauerländer Heimatbundes war aufschlussreich. Sie lag mit der Themenauswahl im Trend. Die Teilnehmer diskutierten Lösungsansätze, entwickelten neue Ideen und verströmten Zuversicht.

Ehrenamt und freiwilliges bürgerschaftliches Engagement sind unverzichtbare Größen, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu entwickeln und die Lebensqualität zu sichern. Zur Bewältigung der drohenden Überalterung und der Nachwuchssorgen sind Kreativität und Offenheit gefragt. Besonders sind neue Modelle der Zusammenarbeit erforderlich. Es gibt zwar keine Patentrezepte, die alle Probleme von heute auf morgen lösen, aber viele Ideen und Initiativen haben längst einen positiven Prozess in Gang gesetzt. Der Sauerländer Heimatbund ist Teil dieses Prozesses. Es war eindeutiger Wunsch der Teilnehmer, weitere Werkstattgespräche mit gezielt ausgesuchten Themen durchzuführen.

Alle Referate und viele Diskussionsbeiträge verwiesen auf den Bedarf an professioneller Unterstützung, häufig verbunden mit sehr konkreten Wünschen an die Politik, insbesondere an die jeweiligen Kommunen. In diesen Wünschen liegt auch ein gewisse Logik, denn freiwilliges ehrenamtliches Engagement erfüllt in hohem Maß öffentliche Aufgaben, die sonst nicht oder nur zu erheblichen öffentlichen Kosten erledigt werden könnten. Wenn also Staat und Kommunen Teile ihrer Aufgaben ehrenamtlich erledigen lassen, dann liegt es in ihrem eigenen Interesse, den ehrenamtlich Tätigen ein Mindestmaß an Unterstützung anzubieten.

Durch eine solche Unterstützung erfahren die Akteure in der Regel gleichzeitig die zum Erhalt der Motivation dringend notwendige Anerkennung.

Wie geht es weiter?

Der Vorstand möchte dem Wunsch nach weiteren Werkstattgesprächen nachkommen. In absehbarer Zeit wird es also eine Folgeveranstaltung geben. Gleichzeitig begibt sich der Vorstand auf die Suche nach Kooperationspartnern. Möglicherweise wird die nächste Werkstatt bereits ein Kooperationsprodukt sein.

Dank. Der Verfasser dankt den Mitgliedern des Vorbereitungsteams für ihre tatkräftige und kompetente Unterstützung: Susanne Falk, Birgit Haberhauer-Kuschel, Hans-Jürgen Friedrichs, Fritz Hemme und Heinz-Josef Padberg.


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