Wappen des Kurkölnischen Sauerlandes

(H)Franziska Seibertz, 1855

(H)Winterberg

(H)Gabelkreuz in Scharfenberg

(H)Wocklum

(H)Krippe auf Schloß Melschede

(H)Arnsberg

(H)Waldskulpturenweg

(H)Hof in Kirchveischede

(H)Fluß

(H)Herbstwald

(H)Mitgliederversammlung-Schloß Amecke

Sauerland Heft 3/ 2011

Abschied – Eine Erinnerung an das Todesjahr August Mackes

von Dr. Ulrike Schowe

Macke 01

Sonniger Weg, 1913, Öl auf Pappe
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum, Münster/Sabine Ahlbrand-Dornseif

August Macke ist einer der bedeutendsten deutschen expressionistischen Künstler. Mit seinem Namen assoziieren wir eine Kunstsprache mit leuchtenden Farben und geometrischen Formen. Mit ihm verbinden wir die Künstlergruppe Der Blaue Reiter und die nach seiner Tunisreise entstandenen Werke, die zweifelsohne zu seinen bekanntesten zählen. Wir denken weniger daran, dass der junge Künstler ein Opfer des Ersten Weltkriegs war, das schon acht Wochen nach Kriegsbeginn an der Westfront in der Champagne fiel und dort anonym auf einem Soldatenfriedhof beigesetzt ist. Am 26. September 2014 jährt sich der Todestag August Mackes zum hundertsten Mal. Ein Anlass, einmal auf sein Todesjahr zu schauen, das gleichzeitig ein großes Schaffensjahr ist.

Im September 2013 zieht der in Meschede geborene Künstler mit seiner Ehe- frau Elisabeth und den beiden Söhnen Walter und Wolfgang von Bonn in das schweizerische Hilterfingen. In der Ruhe des Thurner Sees erhofft August Macke sich neue Inspirationen für seine künstlerische Arbeit. „Hilterfingen – welch sorglose, glückliche, erfüllte Zeit sollte uns beiden mit den lieben Kindern dort beschert werden, paradiesisch schön, fast unwirklich – ehe die furchtbare Weltkatastrophe über Europa hereinbrach!“ In dieser Zeit und an diesem Ort entsteht mit Arbeiten wie „Sonniger Weg“ und „Garten am Thuner See“ ein Teil seines Hauptwerkes.

Ein entscheidendes Ereignis für sein weiteres Schaffen in seinem Todesjahr ist der Besuch des befreundeten Ehepaares Lily und Paul Klee in Hilterfingen, bei dem August Macke seinen Künstlerfreund Paul Klee von einer Idee überzeugt, die in seinen Gedanken schon gereift ist.

Gemeinsam mit Paul Klee und Louis Moilliet möchte er eine zweiwöchige Reise nach Tunesien unternehmen, um völlig neue Eindrücke und Inspirationen zu sammeln. Anfang April brechen die drei Freunde nach Tunis auf. Paul Klee schreibt am ersten Reisetag in sein Tagebuch: „ […] Die Sonne von einer finsteren Kraft. Die farbige Klarheit am Lande verheißungsvoll. Macke spürt das auch. Wir wissen beide, daß wir hier gut arbeiten werden.“ Wie recht er hiermit behalten sollte, zeigen sowohl die auf der Reise entstandenen Aquarelle als auch die im Anschluss an die Reise geschaffenen Ölgemälde „Türkisches Café“, „Landschaft bei Hammamet“, „Händler mit Krügen“, „St. Germain bei Tunis“ und andere.

Macke 02


Macke auf Esel reitend, im Hintergrund Paul Klee, Tunesien 1914
(LWL-Museum für Kunst und Kultur (Westfälisches Landesmuseum)
 

Anfang Juni zieht die Familie Macke wieder zurück nach Bonn, wo August sich mit großem Eifer fast wie in „einem Rausch“ in seine Arbeit stürzt, um all seine Eindrücke und Inspirationen künstlerisch umzusetzen. „Aber von dem Tage an, da Österreich den Krieg gegen Serbien begann, war seine unermüdliche Hand wie gelähmt. Er fühlte das Unvermeidliche, fühlte es nicht nur wie ein allgemeines Verhängnis, sondern wie das Ende seines Weges, wie den Abbruch seines Schaffens, wie den Anfang des sicheren Endes“, berichtet sein Freund Lothar Erdmann.

Im Juli 1914 erstellt August Macke seine letzte Arbeit, die jedoch unvollendet bleibt. Sie trägt den Titel „Abschied“ und kontrastiert durch die eher dunklen Farben und die triste Stimmung mit seinen sonst farbenfrohen Werken. Ob man dieses Bild als Ausdruck seines politischen Empfindens sehen kann, ist reine Interpretation, wenngleich unumstritten ist, dass er sich der ausweglosen politischen Situation durchaus bewusst war.

Am Abend des 1. August erklärt das Deutsche Reich Russland den Krieg. Einen Tag später folgt die Mobilmachung. Am 3. August wird der Reservist August Macke Soldat im Infanterieregiment 160. In diesem Regiment hatte er ab Oktober 1908 für ein Jahr seinen freiwilligen Militärdienst geleistet. Am 3. August beginnt auch der Krieg gegen Frankreich. Fünf Tage später rückt Mackes Kompanie an die Westfront, wo er allerdings noch mehrere Tage von den Grausamkeiten des Krieges verschont bleibt. Noch am 13. August schreibt er: „Liebe Lisbeth! […] Ich habe noch nie ein derartig feines Leben geführt. Morgens Baden im Bach. Auf der Wiese herumliegen. Wir wünschen alle, es ginge weiter. […]“ Zehn Tage später erlebt August Macke sein erstes Gefecht. Mit den Kämpfen ändert sich seine Stimmung in den Briefen zusehends. Sie werden kürzer und beschränken sich oft auf ein Lebenszeichen. Den Krieg beschreibt er nun als „schauerlich“, „traurig“ und „furchtbar“. Später berichtet er von „grausigen, schrecklichen, grauenhaften Gefechten“ und einer „namenlosen Traurigkeit“. Am 4. September trifft Augst Macke zufällig seinen Schwager Walter Gerhardt bei Chalons. 1915 schreibt Walter Gerhardt in einem unveröffentlichten Manuskript über diese letzte Begegnung: „ Bei einem kurzen Halt ohne Schatten überholten uns die 160er. Ich ging ein Stück mit August, er war schwarz von Staub im Gesicht und war zum ersten Mal traurig, nicht lachend wie sonst immer. Er sah mich immerfort durchdringend an und dann gab er mir die Hand und liess sie gar nicht mehr los. Ich sagte: ‚Was ist dir heute? du bist so anders.‘ Er griff in die Tasche und wollte mir einen Pack Briefe aufdrängen. ‚Was soll das? Es sind ja deine Briefe.‘ ‚Ich brauche sie doch nicht mehr.‘ Dann ließ er mich aus und drehte sich noch einmal um und winkte, ohne noch was zu sagen. Es war nur ein Augenblick, dass wir zusammen waren, und es war das letztemal, dass ich ihn gesehen habe. Noch lange, als wir schon wieder marschierten, dachte ich an seinen traurigen Blick.“

Am 11. September schreibt August Macke seiner Frau Elisabeth und seinem Kunstmäzen Bernhard Koehler, dass er nun die 5. Kompanie führt und als Zugführer an sechs Gefechten bei Porcheresse, Bièvre, Montgon, Lissy, Luxémont und Vitry beteiligt gewesen ist. Die grausamen Einzelheiten erspart er beiden. Stattdessen formuliert er: „Viel Grausiges haben wir erlebt, und ich würde es als ein unerhörtes Glück betrachten, wenn ich aus diesem Krieg zurückkäme.“ Neun Tage später, am 20. September, erhält August Macke das Eiserne Kreuz, das er stolz und erfreut seiner Frau schickt. Seine letzte Feldpostkarte schickt er Elisabeth am 24. September. Darauf schreibt er: „Liebes Kind! Es geht mir noch immer gut! Wunschzettel, wenn Ihr mir was schickt. Für alles Bisherige vielen Dank! Möglichst täglich viel Schokolade, Schokoladepastillen, Navy Cut oder englischen Tabak, ab und zu ein paar dicke Socken, Blockwurst (geschnitten bis ein halb Pfund) oder Pam oder Schinken, warme Handschuhe, wollene Hemden oder Unterhosen (Sporthemden, wenn auch bunt), Cigarren, Cigaretten, Sardinen oder so ähnliches. Wir bekommen oft Post, und besonders Schokolade ist sehr beliebt. Die Schlacht tobt hier weiter. Nach Walter erkundigte ich mich nochmals. Seine Verwundung ist leicht. Gruß August“

Der 26. September 1914 wird der Todestag August Mackes. Morgens früh um 5 Uhr erhält das Bataillon den Befehl zum Angriff südlich von Perthes-lès-Hurlus in der Champagne. Die 5., 7. und 8. Kompanie marschieren vorweg. Nachdem die ersten französischen Stellungen überrannt worden sind, kommt es zu einem Feuergefecht, bei dem August Macke durch einen Beinschuss verletzt wird. Noch während zwei seiner Leute sich um ihn kümmern, erfolgt ein zweiter Schuss, der ihn wahrscheinlich in den Kopf trifft. Der große Künstler August Macke wird anonym auf dem Soldatenfriedhof bei Pertheslès- Hurlus begraben.

In einem Nachruf schreibt Franz Marc: „ […] Mit seinem Tod wird der Kultur eines Volkes eine Hand abgeschlagen, ein Auge blind gemacht. […] Mit seinem Tode knickt eine der schönsten und kühnsten Kurven unserer deutschen künstlerischen Entwicklung jäh ab; keiner von uns ist imstande, sie fortzuführen. […] Wir Maler wissen gut, daß mit dem Ausscheiden seiner Harmonien die Farbe in der deutschen Kunst um mehrere Tonfolgen verblassen muß […]. Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war.“

August Macke ist nicht nur ein Künstler, der sehr jung, im Alter von 27 Jahren, gestorben ist, er ist auch ein Künstler, der in so jungen Jahren bereits auf ein zehnjähriges, überaus umfangreiches Schaffenswerk mit vielen Bildern, Skulpturen, Kunsthandwerken und einem großen kunstpolitischen Engagement schaut. Dem gebürtigen Mescheder Künstler zu Ehren verleiht der Hochsauerlandkreis alle drei Jahre den August-Macke-Preis an junge, richtungsweisende Künstler. Seines 100. Todestags gedenkt der Hochsauerlandkreis in Meschede mit einer Feierlichkeit am 26. September 2014.

Anm.: keine Fußnoten abgedruckt


SHB Logo-1   Vorstand    Geschichte    Schwerpunkte   Termine    Zeitschrift Aktuell    Zeitschrift Archiv    News    Fotos    Kontakt    Links  Gästebuch